Barbarazweig: Blühender Brauch zur Weihnachtszeit einfach gemacht

Barbarazweige nennt man den Brauch, Obstbaumzweige zu Weihnachten zum Blühen zu bringen. Erfahre jetzt mehr über die Tradition und die Geschichte hinter der winterlichen Blüte!

Der Brauch der Barbarazweige ist uralt. Gerade in ländlichen Gegenden ist er aus der Weihnachtszeit nicht wegzudenken! Warum sollten wir uns welche holen? Weil wir dann wie durch ein Wunder ein blühendes Bündel Äste in den winterlichen Wohnungen haben! So können wir uns ein kleines bisschen Frühling in unser Leben holen. Und das Monate, bevor die Tage wieder heller werden und die Bäume tatsächlich beginnen zu blühen.

Hast du am Barbaratag schon etwas vor? Dieses Jahr fällt der vierte Dezember, so das Datum des Barbaratags, auf einen Samstag. Vielleicht willst du ja mit der Familie auf den Weihnachtsmarkt gehen, in der Stadt Geschenke besorgen oder einfach mit den dicken Wollsocken auf dem heimischen Sofa lümmeln. Auf keinen Fall solltest du dabei vergessen, das vierte Türchen am Adventskalender zu öffnen.

Geschichte der Barbarzweige: die Sage der Heiligen Barbara

In der katholischen und orthodoxen Kirche ist der vierte Dezember der Tag der Heiligen Barbara. Darum nennt man ihn den Barbaratag. Die Heilige Barbara ist eine der 14 Nothelfer und damit eine der populärsten Heiligen im christlichen Glauben. Sie ist unter anderem die Schutzpatronin der Bergarbeiter, Glockengießer, Feuerwehrleute und zahlreicher anderer Berufsgruppen. Zudem soll sie vor Blitzschlag und Feuer schützen.

Der Legende nach war Barbara eine schöne junge Frau, deren Vater sie in einen Turm sperrte. Sie schaffte es jedoch, vor ihm zu flüchten. Auf dem Weg blieb sie mit ihrem Kleid an einem Kirschzweig hängen, der abbrach. Schließlich tat sich vor ihr eine Felsspalte auf, durch die sie entkommen konnte. Weil sie von einem Hirten verraten wurde, der das Wunder mit dem Felsen beobachtet hatte, fasste man sie aber trotzdem.

Wieder eingesperrt stellte sie den abgebrochenen Zweig in einen Krug mit Wasser. Barbara wurde zum Tode verurteilt und durch ihren eigenen Vater getötet. Am Tage ihres Todes begann der Kirschzweig zu blühen – den Vater hingegen erschlug kurz darauf ein Blitz. Auf diese Geschichte geht also unser Brauch zurück. Später sollen im Winter auch die bereits verdorrten Blumen auf Barbaras Grab erneut erblüht sein.

Erinnerst du dich an das Gedicht zum Barbarazweig aus der Grundschule?

Ich musste in der Grundschule zum Barbaratag mal ein Gedicht auswendig lernen und vor der Klasse vortragen. Damals war das nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung. Rückblickend gefällt mir der Text von Josef Guggenmos aber sehr gut.

Geh in den Garten am Barbaratag
Gehe zum kahlen Kirschbaum und sag:

Kurz ist der Tag, grau ist die Zeit.
Der Winter beginnt, der Frühling ist weit.
Doch in drei Wochen, da wird es geschehn:
Wir feiern ein Fest, wie der Frühling so schön.

So fühlen wir uns durch die Dunkelheit des Novembers hindurch. Draußen ist es kalt und nass, das Wetter des goldenen Oktobers, wie wir ihn dieses Jahr hatten, ist endgültig vorbei. So ein richtiger Winter, mit Schnee und Eis, der draußen Spaß machen könnte, ist auch nicht in Sicht. Da ist Weihnachten natürlich etwas, worauf man sich erst recht freuen kann.

Baum, ein Zweig gib du mir von dir.
Ist er auch kahl, ich nehm ihn mit mir:

Und er wird blühen in seliger Pracht
mitten im Winter in der Heiligen Nacht.

Egal, wie wir Weihnachten feiern, ein wenig Frühling in der Wohnung tut über die langen, dunklen Monate auf jeden Fall gut! Ob unsere Zweige aber wirklich pünktlich beginnen zu blühen, muss sich erst zeigen.

An welchem Tag wird der Barbarazweig geschnitten?

Üblich ist es traditionellerweise natürlich, die Zweige genau am 4. Dezember zu schneiden. Für den Erfolg ist dies nicht unbedingt ausschlaggebend – am besten gehst du so vor:

  1. Gehe Anfang Dezember zu einem Kirschbaum oder einem anderen geeigneten Gehölz und schneide einen oder mehr Zweige ab. Am besten wählst du Zweige, die schon ein paar kleine Verästelungen haben. Wenn du keinen Zugriff auf einen passenden Baum hast, kannst du auch Zweige kaufen.
  2. Die Pflanzen müssen schon den ersten Frost abbekommen haben, sonst haben sie keinen fiktiven Winter erlebt. Wenn es noch nicht gefroren hat, kannst du die Zweige einfach für ein oder zwei Nächte in den Eisschrank oder die Tiefkühltruhe legen.
  3. Schneide die Zweige unten schräg an, so können sie mehr Wasser aufnehmen.
  4. Entferne Seitentriebe im unteren Bereich der Zweige.
  5. Reinige eine große Blumenvase gründlich und stelle die Zweige in frisches Wasser.
  6. Die Zweige fangen besser an zu blühen, wenn du sie nicht gleich einen sehr warmen Raum stellst, sondern zunächst in einen kühlen und nach einigen Tagen in einen wärmeren Raum stellst und so den Frühling imitierst.
  7. Die Zweige mögen keine trockene Luft, also besten nicht direkt neben der Heizung aufstellen. Um ihnen besonders gut zu tun, kannst du deine Barbarazweige regelmäßig mit Wasser besprühen.
  8. Nach drei bis vier Wochen solltest du mit den Zweigen einen vorgezogenen Frühling erleben. Wechsle in diesem Zeitraum am besten alle zwei bis drei Tage das Wasser in der Vase.

Barbarazweige: welcher Baum eignet sich am besten?

In der Tradition verwendet man für Barbarazweige, genauso wie in der Legende, natürlich einen Kirschzweig. Darüber hinaus kannst du aber die Zweige anderer Pflanzen verwenden, sowohl von Obstbäumen als auch von Ziersträuchern. Von Forsythien, Mandelbäumchen, Johannisbeeren, Zwetschgenbäumen oder Wildsträuchern wie Schlehen lassen sich blühende Barbarazweige gewinnen. Wichtig ist, dass du darauf achtest, dass die Äste rundliche Knospen haben, damit schöne Blüten überhaupt erst entstehen können.

Barbarazweig: ein Kirschzweig mit Knospen gefroren im Winter
Die Zweige brauchen schon Blütenknospen und ein paar Mal Frost, um aufblühen zu können. © melsunny / Adobe Stock

Glaube und Aberglaube um den Barbarazweig: Ein blühendes Orakel

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wird der Brauch der Barbarazweige überregional im deutschen Raum erwähnt und praktikziert. Je nach Region sagt man den Zweigen unterschiedliche Vorhersagefähigkeiten nach:

Erblühten die Zweige pünktlich zum Heiligen Abend und blühten sie zahlreich, sollten sie eine gute Ernte und ein glückreiches Jahr vorhersagen. Im Gegensatz dazu sollten schlecht oder gar nicht blühende Zweige im Aberglauben eine schlechte Ernte und Jahr voller Unglück vorhersagen. Manche Menschen unkten sogar, dass nicht blühende Zweige den Tod eines Familienmitglieds vorhersagen.

In Niederösterreich wählte jedes Familienmitglied einen eigenen Zweig aus und markierte ihn mit einem Namensschild. Derjenige, dessen Zweig als erstes aufblühte, sollte im nächsten Jahr am meisten Glück haben. Jeder könnte außerdem noch einen Wunsch auf einem Zettel an den Zweig hängen. Blüht der Zweig auf, würde auch der Wunsch in Erfüllung gehen.

In Teilen von Franken war es üblich, ganze Bäume aus Kirschzweigen in der Zimmerecke zu arrangieren und diese mit Gebäck und weihnachtlicher Deko zu schmücken. Diese Barbarabäume könnten ein Ursprung für unsere moderne Weihnachtsbäume sein. Der Brauch der Barbarabäume wurde allerdings im 18. Jahrhundert verboten, weil dadurch die eigentlichen Obstbäume zu stark geschädigt wurden.

Lass dich von den Zweigen nicht unter Druck setzen

Ob du nun Zweige aus dem Park nimmst, in Mamas Garten Kirschbaumzweige abschneidest oder ein paar Äste beim Baumarkt erstehst: Ich wünsche dir viel Erfolg beim Erblühen lassen. Auf das all deine Wünsche in Erfüllung gehen und du viel Glück haben wirst! Lass dich aber nicht grämen, wenn sie nicht aufgehen. Letzten Endes sind wir doch alle selbst dafür verantwortlich, wie viel Glück wir empfinden. Und mit unserem Content auf wOnne helfen wir dir dabei natürlich gerne