Blühpatenschaft: Das Insektensterben bremsen

Es gibt immer weniger Insekten mit gravierenden Folgen für Natur und Mensch. Aber jeder einzelne kann etwas dagegen tun – mit einer Blühpatenschaft.

Wenn das Surren verstummt, wird kaum noch Obst und Gemüse auf unseren Tellern landen. Als rares Luxusgut wird es kaum erschwinglich sein. Was es bedeutet, wenn die Insekten und damit unsere Bestäuber verschwinden, kann man in der chinesischen Provinz Sichuan beobachten. Dort hat man die Insektenpopulation durch einen massiven Einsatz von Insektiziden so stark dezimiert, dass Obstbauern ihre Bäume jetzt per Hand bestäuben müssen. Ein Arbeiter schafft pro Tag maximal 30 Obstbäume. Ein Bienenvolk kann bis zu 16,5 Millionen Blüten pro Tag bestäuben.

Fleißige Biene heißt es daher nicht umsonst. Selbst hochtechnisierte Drohnen kommen an diese Leistung nicht heran. Der wirtschaftliche Wert der Bestäubungsleistung von Bienen wird für Europa auf 65 Milliarden Euro jährlich geschätzt. Aber auch andere Insekten sind an der Bestäubung beteiligt. Deshalb ist es nicht nur eine Frage des Umweltschutzes, sondern auch ein Wirtschaftsfaktor, dem Insektensterben Einhalt zu gebieten. Und jeder einzelne kann etwas dazu beitragen.

Biene bestäubt Blüte
Fleißige Biene: Sie zählt zu den wichtigsten Nutztieren. © badwiser – stock.adobe.com

Insektensterben: Ist es schon zu spät?

Ein Viertel aller Insektenarten in Deutschland sind bereits vor dem Aussterben bedroht. Bei Wildbienen stehen 40 Prozent der Arten vor der Ausrottung. Insgesamt sind 70 Prozent der Insektenarten rückläufig. Wenn Insekten weniger werden, bedroht das auch andere Tierarten, deren Futterquelle Insekten sind, wie zum Beispiel Vögel. Noch ist es nicht zu spät, das Insektensterben zu stoppen. Jeder einzelne kann dazu seinen Beitrag leisten zum Beispiel mit insekten- und bienenfreundlichen Balkonblumen oder einem Insektenhotel.

Mit Blühstreifen gegen das Insektensterben

Auch die Landwirtschaft hat bereits Maßnahmen gegen das Insektensterben ergriffen. Zum Beispiel wurden bienengefährliche Pflanzenschutzmittel vom Markt genommen. Aber was zunehmend weniger wird, unter anderem durch Flächenversiegelung, sind Lebensräume für Insekten. Landwirte legen deshalb Blühstreifen an. Dafür säen Bauern am Feldrand eine Wiese mit bienenfreundlichen Wildblumen wie Sonnen- und Mohnblumen aus, die Bestäubern als Nahrungsquelle dienen sollen.

Als Ausgleich erhält der Landwirt eine finanzielle Entschädigung aus öffentlichen Geldern, aber diese deckt nur die Kosten für Saatgut und Aussaat, erwirtschaften kann der Bauer damit nichts. Bei einem Hektar Blühwiese, auf der er nichts mehr anbauen kann, entsteht praktisch ein Verlust von rund 5.000 Euro, erklärt Landwirt Philipp Krainbring. Damit mehr Bauern größere Blühflächen anlegen, braucht es daher weitere Unterstützung. So wurde die Idee der Blühpatenschaften geboren.

Blühstreifen am Feldrand
Landwirte legen für mehr Biodiversität Blühstreifen aus Wildblumen an. © Peace – adobestock.com

Was ist eine Blühpatenschaft?

Als Blühpate können auch Menschen ohne Garten und Balkon einen Beitrag gegen das Insektensterben leisten. Für einen gewissen Geldbetrag wird man sozusagen Pate einer Blumenwiese und sorgt damit dafür, dass mehr Lebensraum für Insekten, aber auch Vögel und andere Säugetiere geschaffen wird.

Die Plattform Feldwerk zum Beispiel bringt Landwirte und interessierte Insektenschützer zusammen. Schon für 10 Euro im Jahr kann man dort Blühpate werden. Pro Euro pflanzt und pflegt der teilnehmende Bauer einen Quadratmeter Blühwiese. Für nur 10 Euro entstehen schon 10 Quadratmeter Lebensraum für allerlei Kleingetier. So wurden über Feldwerk im Jahr 2022 rund 9 Hektar Blühfläche realisiert. Das sind rund 90.000 Quadratmeter Blumenwiesen. Da schlägt das Bienenherz höher.

Blumenwiese
90.000 Quadratmeter Blühwiesen wurden 2022 gepflanzt. © Feldwerk