Microgreens: Kleine Vitaminbomben vom Fensterbrett

Frisch, lecker, vitaminreich und außerdem 365 Tage im Jahr verfügbar. Die Rede ist von Microgreens: junges Grünkraut, das unter den Urban Farmern schon längst kein Hype mehr ist und sich nun auf den auf dem Vormarsch in all unsere Küchen macht.

Was sind Microgreens?

Der Begriff Microgreens klingt irgendwie technisch, „a little bit international“ und recht unnatürlich. Keine Sorge. Wenn wir von Microgreens sprechen, meinen wir nichts anderes als kleine, junge Gemüsekeimlinge, die aus Gemüse- und Kräutersamen gezogen werden.

Andere Namen für Microgreens sind Schösslinge, Grünsprossen und Grünkraut.

Microgreens und Keimsprossen werden gerne mal über einen Kamm geschoren, sie unterscheiden sich allerdings im Anbau. Keimsprossen wachsen ohne Substrat und werden im Ganzen, also auch mit den Wurzeln, verspeist. Bei Keimsprossen handelt es sich nur um die aufgeplatzten Samen, aus denen erste Wurzeln sprießen. Dies passiert im Dunkeln bei Feuchtigkeit.

Microgreens dagegen wachsen als Mini-Pflanze auf Erde und bevorzugen es hell und luftig. Das steigert ihren Vitamin- und Mineralstoffgehalt. Bei der Ernte abgeschnitten und gegessen werden nur der aufwachsende Spross und die ersten kleinen Blätter. Diese enthalten den Blattfarbstoff Chlorophyll.

Microgreens: So baust du dein eigenes Grünkraut an

Um Microgreens anzubauen, brauchst du weder viel Zeit noch viel Platz, sondern nur ein paar Schalen, etwas Blumenerde oder Substrat, ein Sieb, eine kleine Gießkanne, eine Sprühflasche und einen Löffel. Nicht zu vergessen: Saatgut!

Microgreens: Aus kleinen Samen wird frisches Grün.
Die Anzucht der kleinen Schösslinge gelingt auf kleinstem Raum – auch in unkonventionellen Pflanzgefäßen. © Elena – stock.adobe.com
  1. Lass das Saatgut über Nacht in einem Glas mit etwas Wasser vorquellen.
  2. Befülle eine Schale mit Erde und befeuchte sie vorab. Das hat den Vorteil, dass die Saat gut an der Erde kleben bleibt und nicht beim anschließenden Gießen weggespült wird.
  3. Es gibt eigens für Microgreens produzierte Anzuchtschalen, die Kultivierung gelingt aber auch auf Tellern, in alten Joghurtbechern oder -doppelter Eyecatcher- in Eierschalen.
  4. Nun schnappst du dir deine eingeweichten Samen und gießt das Wasser durch ein feines Sieb ab.
  5. Nun verteilst du die Saatkörnchen dicht in deinen vorbereiteten Schalen und drückst sie mithilfe eines Löffels Leicht an.
  6. Besprühe die Samen immer mal wieder mit Wasser, damit sie nie ganz austrocknen. Wenn du das erste Grün zu Gesicht bekommt, gieß die zarten Pflänzchen nur noch Vorsicht von unten, damit sie gesund bleiben. Mit Wasser von oben solltest du sie nun nicht mehr besprühen.

Keine Angst vor weißen Fäden: Bei einigen Microgreens-Sorten bilden sich auch oberhalb der Erde sehr kleine, weiße Wurzeln aus, die gerne mal mit Schimmel verwechselt werden.

Beliebte Microgreens: Sorten, Aussehen, Ernte, Geschmack – wirklich vielfältig

Gesund sollen sie sein. Und schön. Zum Glück bringen Microgreens beide dieser Attribute mit, um als vitale Küchendekoration einziehen zu dürfen. Ein kleiner Auszug aus ihrer Gemüse-Akte:

Microgreens bieten eine beeindruckende Sortenvielfalt.
Microgreens für alle! © ronstik – stock.adobe.com
  • Brokkoli: mildes Kohlaroma, leuchtend grün, erntereif nach 14 bis 21 Tagen
  • Koriander: scharf bis zitronig, erntereif nach 10 bis 16 Tagen
  • Buchweizen: schmecken süß-säuerlich und leicht nussig, grüne Blättchen, rötlicher Spross
  • Rote Beete: eine der schönsten Sorten, ein wahrer Augen- und Gaumenschmaus, erntereif nach 16 bis 21 Tagen
  • Grünkohl: fein-herber Geschmack, dunkelgrünes Vitalstoffwunder
  • Kresse: der Klassiker aus Kindertagen, würziger bis scharfer Geschmack
  • Radieschen: würzig-scharf, erntereif nach 5 bis 8 Tagen
  • Weizengras: eine kleine Wiese auf der Fensterbank, perfekt für Smoothies, erntereif nach 14 bis 20 Tagen
  • Rucola: pfeffrig-nussig, erntereif nach 10 bis 14 Tagen
  • Basilikum: gerade die roten Sorten sind optisch ansprechend, aromatisch-pfeffriges Würzkraut, erntereif nach 14 bis 21 Tagen

Auch lecker: Wenn du Kresse magst, solltest du auch mal Rettich und Senf in der Microgreens-Version probieren. Ebenfalls empfehlenswert: Erbsen- und Linsengrün in Miniaturformat.

Microgreens: Saat und Zubehör kaufen

Achte beim Kauf darauf, dass du zum Verzehr geeignete Microgreens-Saat kaufst. Saatgut erhältst du sowohl im stationären Handel (Gartenmarkt, Supermarkt, Baumarkt) sowie in vielen Online-Shops. Neben dem Saatgut und ganz viel Zubehör für die Gemüse-Loggia auf der Fensterbank sind auch Startersets und vorab zusammengestellte Saat-Mixe erhältlich.

Wenn dir gerade ein bisschen nach tropischem Flair ist, dann empfehlen wir dir die Microgreens-Kokosnuss von Grow-Grow Nut. Das gute Stück haben wir schon ausprobiert und in unserem Shop aufgenommen. Das Set besteht aus einer echte Kokosnuss, Kokoserde und Bio-Saatgut (Brokkoli, Radieschen & Rucola) und ist für 14,90 € zu haben.

Microgeens aus der Kokosnuss: die Grow-Grow Nut
Gemüse aus der Kokosnuss – das hat doch gleich etwas von Urlaub. © Franziska Wangelin

Microgreens: Vorteile der kleinen Schösslinge

Sie sind ideal für alle Gemüsefreunde, die es gerne einfach und schnell mögen.

  • Microgreens gedeihen innerhalb weniger Tage und du brauchst keinen großen Erfahrungsschatz für eine erfolgreiche Anzucht.
  • Wenn du eigenes Saatgut verwendest oder beim Kauf auf die Herkunft achtest, bist du in puncto Regionalität bestens aufgestellt.
  • Positive Ökobilanz: Durch die Anzucht auf der eigenen Fensterbank vermeidest du lange Transportwege, energieaufwändige Kühlketten und Verpackungsmüll.
  • Schont die Geldbörse: Gutes Saatgut und Erde sind nicht allzu teuer und das weitere Equipment hast du sicherlich schon im Haus. Wenn nicht, kannst du etwas kreativ werden. Als Schalen eignen sich auch Teller oder andere flache Gefäße. Leere Sprühflaschen findest du möglicherweise in deinem Badezimmer, z.B. von aufgebrauchtem Kosmetikmitteln. Reste solltest du vorab gut ausspülen.
  • Dekorativer Hingucker und Vitaminbomben in Einem: Häufig enthalten Grünsprossen mehr Vitamine, Antioxidantien und Mineralstoffe als ihre ausgewachsenen Verwandten.

Microgreens: Wahre Vitaminbomben oder noch so ein Food-Hype?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. empfiehlt fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag zu essen, davon dreimal Gemüse (insgesamt etwa 400 g) und zweimal Obst (insgesamt etwa 250 g). Microgreens enthalten viele Vitamine und Mineralstoffe, aber wir verzehren im Vergleich zu einer großen Salatgurke, gegarten Brokkoliröschen oder Radieschen nur wenige Gramm von ihnen, deshalb ersetzen sie nicht den Verzehr von Gemüse, sondern ergänzen ihn vielmehr als würzige Komponente. Außerdem nimmst du beim ausschließlichen Verzehr von Grünsprossen nicht genügend Ballaststoffe zu dir.

Laut der Verbraucherzentrale Bremen lockt das ein oder andere Unternehmen mit irreführenden Versprechen, so zum Beispiel, dass einige Sorten der Microgreens Krankheiten lindern oder gar verhindern können. Hierzu gibt es keine belegbaren Studien.

Nichtsdestotrotz bereichern Microgreens die ausgewogene Küche, peppen mit ihrem würzigen Geschmack viele Gerichte auf und bringen Farbe in die Bude – gerade dann, wenn draußen winterliche Tristesse herrscht.