Der Mond im August: Der kostbare Erntemond

Der Mond im August wirft ein wichtiges Thema auf: Zeit als kostbares Gut. Denn „Zeit haben“ ist selten geworden in unserer heutigen Gesellschaft. Je mehr Zeit wir gewinnen, desto mehr leiden wir unter Zeitmangel. Eine Idee, wie der Mond bei diesem Problem Abhilfe schaffen kann …

August ist Urlaubszeit. Egal ob am Strand von Mallorca oder am Seeufer: Wir können uns entspannt zurücklehnen, die Sonne auf der nackten Haut genießen und ab und zu ein erfrischendes Bad im Wasser nehmen. Die Zeit scheint stillzustehen. Und das, obwohl die Sonne sich längst schon wieder auf ihrer absteigenden Bahn befindet. Wie gut, dass die Erde die Sonnenwärme so lange speichert und deshalb verzögert auf die stetig schrumpfende Sonnenkraft reagiert. Die Natur hält diese Kraft jetzt in den süßesten Früchten vor, die wir nur von den Bäumen und Büschen zu pflücken brauchen. Ein Leben wie im Schlaraffenland!

Der Mond im August verhieß einen arbeitsreichen Monat

Das war nicht immer so. In der bäuerlichen Gesellschaft war die Zeit um den Erntemond die arbeitsreichste Zeit des Jahres. Dann begann das Wettrennen gegen den Verfall: All die Schätze der Natur mussten rechtzeitig von den Feldern hereingeholt und zumindest für so lange Zeit haltbar gemacht werden, dass sie den Winter über als Nahrung herhielten. Allen voran waren das Getreidesorten wie Weizen, Hafer und Gerste, aber natürlich auch Obst und Gemüse. Und die Kräuter, mit deren Hilfe man im Winter so mancher Krankheit vorbeugte oder sie heilen konnte. Bei so viel Arbeit war im August jede Kraft gefragt – auch die der Kinder. Die großen Ferien im Hochsommer haben ihren Ursprung also nicht darin, dass man den Schülern schon immer mehrere Wochen hitzefrei gönnte. Die Kinder waren daheim auf dem Hof einfach unentbehrliche Erntehelfer.

Der Mond als Zeitmesser

Immerhin war dieser Stress damals auf den Spätsommer und Frühherbst begrenzt. Danach, im Winter, herrschte zwar Kälte und Dunkelheit. Aber Zeit hatten die Menschen dann im Überfluss; beispielsweise um den Mond zu beobachten. Alte Kulturen nutzten den Mondzyklus unter anderem zur Zeitmessung: die des Monats, was mehr oder weniger einem vollen Mondphasen-Zyklus entspricht, und die der Woche. Denn jedes Mondviertel – von der ersten Sichel bis zum zunehmenden Halbmond, weiter bis Vollmond, dann bis zum abnehmenden Halbmond und schließlich bis zum völligen Verschwinden des Mondes am Himmel – nimmt im Schnitt sieben Tage in Anspruch.

So konnten sie bestimmte Daten in der Zukunft benennen und Zusammenkünfte planen. Das klang dann vermutlich etwa so: Treffen wir uns doch dieses Jahr am dritten Vollmond nach der Sommersonnwende mittags! Übersetzt in unseren Kalender ist das der Sonntag, 22. August 2021 um 13.17 Uhr. Natürlich lassen sich mit dieser alten Methode nicht alle Datums- und Uhrzeiten so exakt festlegen. Aber in einer Stammesgesellschaft, die gerade mal ein paar Dutzend Menschen umfasste, war das auch noch nicht nötig. Je komplexer die Gesellschaft wird, eine desto exaktere Zeitmessung verlangt sie.

Heute haben wir Atomuhren, die auf die 1,5 Trillionstel Sekunde genau gehen und wir sind eine globale Gesellschaft. Wir haben frische Früchte das ganze Jahr über und Heizungen, die unsere Wohnungen auch im Winter noch kuschelig warm halten.

Vom Zyklus der Jahreszeiten leben wir – sofern wir nichts mit der Landwirtschaft zu tun haben – ziemlich unabhängig. Oder anders: Als Familien mit schulpflichtigen Kindern haben wir eine 180-Grad-Drehung hingelegt und relaxen jetzt während der großen Sommerferien anstatt im tiefsten Winter. Die einzige Zeit, in der unser Leben noch immer den natürlichen Aktivitäts- und Ruhephasen folgt, ist die Nacht. Und selbst das ist nicht verbindlich, denn mithilfe des elektrischen Lichtes können wir der Nacht so viel Zeit stehlen, wie wir nur wollen. So betrachtet, müssten wir heute doch viel mehr Zeit haben als früher. Aber tatsächlich – die Grauen Herren aus „Momo“, meinem Lieblingsbuch von Michael Ende, lassen grüßen – leiden die meisten Menschen unter notorischem Zeitmangel.

Der Mond im August: Wie er uns dabei hilft zur Ruhe zu kommen

Vielleicht sind die Mondkalender ja gerade deswegen so beliebt: Sie rücken den Mond, das natürliche Himmelslicht der Nacht, ins Zentrum des Geschehens. Natürlich ist er nicht das Zentrum, das ist immer noch die Sonne. Aber die Nacht – das Passive, der Schlaf, die Ruhe, das Zu-Sich-Kommen ist nun mal das, was den westlichen Kulturen in ihrer regen Betriebsamkeit heutzutage immer mehr abhanden kommt. Vielleicht geht es vielen aber auch um das Wissen über den richtigen Zeitpunkt, beispielsweise zum Fensterputzen oder zum Wäschewaschen. Die Mondkalender-Ratgeber versprechen sogar, dass wir sehr viel seltener Fenster putzen und Wäsche waschen müssen, wenn wir uns an diese Regeln halten. Schon wieder: Zeit sparen!

Was diese Tätigkeiten betrifft, halte ich mich allerdings fast nie daran. Vielleicht, weil ich in einem naturwissenschaftlichen Elternhaus groß geworden bin und immer für alles eine logische Erklärung brauche. Logisch ist in meinen Augen, dass der Mond vor allem auf lebende Organismen wirkt – umso mehr, je mehr die Organismen einer natürlichen Rhythmik wie dem Mondlicht oder der Gezeitenwirkung ausgesetzt sind. Wo ich mir absolut keine Mondwirkung erklären kann und auch noch nicht festgestellt habe, sind Waschmaschinen und Putzmittel.

Aber natürlich nutze ich einen Mondkalender! Zum Beispiel versuche ich, wiederkehrende Ruhepausen entsprechend den Mondphasen einzuhalten: Auf zwei produktive, arbeitsreiche Wochen rund um Vollmond folgen zwei Wochen der Regeneration rund um die dunklen Neumondnächte. Auch wenn ich die günstigsten Tage zum Kräuterernten finden will oder wenn ich meinen Garten und die Zimmerpflanzen pflege, gehe ich nach dem Mond. Ich glaube, die Pflanzen danken mir die Regelmäßigkeit, mit denen ich sie gieße. Nun, vielleicht würde mir meine Familie auch regelmäßiges Putzen und Wäschewaschen danken …

Der Mond im August hilft bei der Ernte

Zwischen Mariä Himmelfahrt (15. August) und Mitte September erlangen die Heil- und Nutzkräuter eine besondere Reife. Aus ihnen werden dann Kräuterbuschen gebunden, die im Winter beispielsweise als Tee oder zum Räuchern dienen. Man sammelt sie bei abnehmendem Mond, weil sie dann weniger Wasser aus dem Boden gesogen haben und schneller trocknen. Noch wichtiger aber ist möglichst trockenes Wetter. Typische Kräuter hierfür sind beispielsweise Arnika, Johanniskraut, Kamille, Königskerze, Salbei, Spitzwegerich, Wermut, Beifuß, Schafgarbe, Baldrian, Alant, Wegwarte, Liebstöckel, Frauenmantel, Pfefferminze und Thymian.

Tipps, um den Mond im August zu beobachten

Wer unerfüllte Wünsche hat, sollte Mitte August den Nachthimmel beobachten: Um den 12. August herum gibt es nämlich besonders viele Sternschnuppen zu sehen. Dann durchquert die Erde eine Trümmerwolke des Kometen Swift-Tuttle, die auch „Meteorstrom der Perseiden“ genannt wird. Von dort regnen immer wieder kleine Meteore auf die Erde und verglühen in der oberen Atmosphäre. Auf diese Weise entstehen bis zu 60 Sternschnuppen pro Stunde, die aus dem hoch über uns stehenden Sternbild Perseus zu entspringen scheinen. In diesem Jahr sind die Beobachtungs-Bedingungen besonders günstig, da der Mond dann nur als hauchfeine zunehmende Sichel sichtbar ist, die schon früh am Abend untergeht und der nächtliche Sternenhimmel somit von keinem anderen Himmelslicht erhellt wird.

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