Rauhnächte: Rituale und Bedeutung für 12 ganz besondere Nächte

Rückbesinnung zu den Ursprüngen: In den letzten Jahren haben wir die Rauhnächte wiederentdeckt. Ein Blick auf die Ursprünge und die Rituale für 12 ganz besondere Nächte im Jahreskreis.

Die Nächte zwischen Weihnachten und Heilige Drei Könige werden als Rauhnächte bezeichnet. 12 Nächte, die für je einen der 12 Monate im Jahr stehen und uns einladen zurückzublicken. Aber auch einen flüchtigen Blick auf das, was kommen mag zu werfen.

Wann sind die Rauhnächte 2022/23?

Diese besondere Zeit fällt zum Jahreswechsel 2022/23 auf die folgende Nächte:

  • Die erste Rauhnacht beginnt um Mitternacht des 24. Dezembers.
  • Die letzte Rauhnacht endet um Mitternacht des 5. Januars.

In einigen Überlieferungen beginnen die Rauhnächte bereits zur Wintersonnenwende (Thomasnacht) am 21. Dezember. Viele nutzen diesen Tag heute, um sich auf die kommenden Nächte vorzubereiten, z. B. um die Zettel für das 13 Wünsche-Ritual zu schreiben.

Bedeutung und Ursprung der Rauhnächte

Die Tage sind kurz und die Nächte umso länger. Ich kann mir heute kaum mehr vorstellen, wie die die kurzen Wintertage wohl für die Menschen waren, bevor es elektrisches Licht und Zentralheizungen gab. Im Kerzenschein den Abend zu verbringen, und zwar nicht, weil man es gemütlich findet, sondern weil es die einzige Möglichkeit war. Diese Zeit zwischen den Jahren fühlt sich heute manchmal schon ein wenig unwirklich an – der Effekt wird damals nur noch größer gewesen sein. Kein Wunder, dass man sich in dieser Zeit der Ritualen und Bräuchen beschäftigte und sich auch der Geisterwelt näher fühlt.

„Es ist die Zeit, sich von den Spuren des alten Jahres zu erholen, in sich einzukehren und das Schicksal neu zu weben.“

Caroline Deiß in „Geheimnisvolle Rauhnächte

Die Rauhnächte sind die Zeit, um in sich zu gehen und sich mit seinen Wünschen zu beschäftigen. Ein kleiner Rückzug aus dem Alltagstrubel und sich vorzubereiten auf das neue Jahr. Die Ursprünge liegen aber bereits sehr lange zurück, dass man heute gar nicht mehr alles darüber weiß – aber zurück gehen die Rauchnächte auf den Übergang vom Mond- zum Sonnenkalender. Das Mondjahr ist mit 254 Tagen etwas kürzer als das Sonnenjahr. Es blieben 12 Nächte „übrig“.

Überliefert ist von den Ritualen der frühen Rauhnächte kaum etwas, da in dieser Zeit alles nur mündlich weitergegeben wurde. Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen finden sich erst im 16. Jahrhundert.

Rauhnächte-Ritual: Räuchern

Rund um die Rauhnächte gibt es viele Rituale und Bräuche. Früher wurde diese Zeit auch „Rauch-Nächte“ genannt. Schon bevor das Christentum bei uns die vorherrschende Religion war, wurde das Ritual des Räucherns gelebt (Mehr über das Räuchern von Kräutern erfahren). Dadurch sollte böse Geister und Dämonen vertrieben, gute Geister willkommen geheißen, aber auch die Häuser gereinigt werden. Dies wurde sogar später im Christentum übernommen, wenn mit Weihrauch geräuchert wird.

Rauhnächte Rituale: Weihrauch und Kräuter auf Räucherkohle
Eine der wichtigsten Rituale der Rauhnächte: Räuchern. © Sonja Birkelbach – stock.adobe.com

Bei den Räucher-Ritualen gehst du jede Nacht mit deiner Räucherschale durch deine Zimmer und bläst in jede Ecke den Rauch. Dabei stellst du dir vor, wie sich alles Negative mit dem Rauch auflöst und dabei etwas Großartiges und Positives entsteht. Formuliere dabei auch deine Wünsche.

Früher wurden auch die Ställe mit dem Rauch gereinigt, weil die Menschen befürchteten, dass die bösen Geister den Nutztieren Schaden zufügen. Der Rauch sollte die Tiere beschützen.

Die Raunächte, ihre Zuordnung im Jahreskreis und geeignetes Räucherwerk:

Jede Nacht steht für einen Monat im Jahreskreis und einer Aufgabe. Auch wird dafür passenden Räucherwerk empfohlen:

  1. 25. Dezember – Januar: zurückblicken, Altes loslassen | Weihrauch
  2. 26. Dezember – Februar: still werden, zur Ruhe kommen | Weihrauch, Zedernholz
  3. 27. Dezember – März: sich für andere und sein Inneres öffnen | Weihrauch, Wacholder
  4. 28. Dezember – April: auf sein Inneres vertrauen | Weihrauch, Myrrhe, Tanne
  5. 29. Dezember – Mai: sich Gutes tun, genießen | Weihrauch
  6. 30. Dezember – Juni: verzeihen, vergeben, Beziehungen heilen | Beifuß, Wermut
  7. 31. Dezember – Juli: die eigenen Gefühle wahrnehmen | weißer Salbei, Kampfer, Kiefernholz
  8. 01. Januar – August: Entscheidungen fürs neue Jahr treffen | Weihrauch, Myrrhe, Zedernholz
  9. 02. Januar – September: Impulse der letzten Nächte prüfen und sortieren | Myrrhe, Tanne
  10. 03. Januar – Oktober: achtsam werden für das, was ist | Kampfer, Weihrauch, Wacholderspitzen
  11. 04. Januar – November: dankbar sein für das, was ist | Weihrauch
  12. 05. Januar – Dezember: den Sinn der Impulse der letzten Nächte erkennen | Weihrauch, Myrrhe

Zu den wichtigsten Rauhnächten zählen die Nächte von Weihnachten, Silvester und vor dem Dreikönigstag. Statt jede Nacht eigenes Räucherwerk zu nutzen, bietet sich alternativ an, eine passende Räuchermischung mit Weihrauch, Sandelholz und Drachenblut zu verbrennen:

Generell gibt es noch weitere Tage im Jahr, die sich für Räucherrituale und Wünsche besonders gut eignen:

Rauhnächte-Ritual: 13 Wünsche verbrennen

Ein sehr schönes Ritual, welches ich neben dem Räuchern als sehr schön empfinde und auch für mich übernommen habe, ist das Verbrennen von Wünschen. Bevor die Rauhnächte beginnen, mache ich mir Gedanken, was ich mir vom kommenden Jahr erhoffe. Formuliere deine 13 Wünsche, schreibe sie auf jeweils auf einen Zettel und dann faltest du sie so, dass du den Text nicht mehr lesen kannst.

Am 25. Dezember nehme ich den ersten Zettel hervor und verbrenne ihn ungelesen. Das mache ich jeden Abend, bis von meinen 13 Wunschzetteln nur noch einer übrig ist. Dieser letzte Wunsch wird nicht verbrannt – ich darf den Zettel öffnen und lesen. Damit dieser Wunsch wahr wird, bin ich selbst zuständig.

Rauhnächte-Ritual: Traumtagebuch führen

In der Zeit zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag entfaltet sich das kommende Jahr vor uns. Ein weiteres Rauhnachts-Ritual ist es, ein Tagebuch zu führen. Achte auf folgende Dinge wie das Wetter, die zwischenmenschlichen Beziehungen oder deine Träume. Dies soll dabei helfen, wertvolle Erkenntnisse für die Zukunft zu ziehen. Wie wird das Wetter im Juli? Der 31. Dezember kann darauf Hinweise liefern. Auch unsere Träume können uns uns Hinweise geben, was im kommenden Jahr passieren könnte.

Und mach dir keine Sorgen, falls du einen Albtraum hast. Das heißt nicht, dass dich ein Unglück erwartet. Träume spiegeln das, was dich intensiv beschäftigt. Meistens steht der Tod im Traum für eine anstehende Veränderung.

Brauchtum und Aberglaube rund um die Rauhnächte

Über die Jahrhunderte haben sich viele unterschiedliche Bräuche und Geschichten rund um diese besondere Zeit des Jahres entwickelt: So soll man Kerzen im Haus und an Fenstern bei Dunkelheit aufstellen, um böse Geister zu vertreiben oder zu Silvester richtig viel Lärm machen, um diese ebenfalls zu verjagen. Erinnert dich das nicht auch an unsere Weihnachtsbeleuchtung und Böller zum Jahreswechsel?

Auch hört man öfter, dass man zwischen den Jahren keine Wäsche waschen und aufhängen soll. Der Aberglaube sagt, dass sich Dämonen darin verfangen könnten oder die Wäsche stehlen, um diese als Leichentuch für den Besitzer zu verwenden. Gruselig, oder?

Rauhnächte Rituale: Perchten
Im Alpenraum ziehen während der Rauhnächte die Perchten durch die Dörfer. Manfred Herrmann – stock.adobe.com

Apropos gruselig: Eine weitere Vermutung zur Herkunft des Begriffs Rauhnächte ist das mittelhochdeutsche Wort „rûch“. Dies bedeutet so viel wie haarig, aber auch wild. Im Alpenraum sind in zur Weihnachtszeit die Perchten bekannt: Frau Percht zieht mit ihrem Gefolge über das Land – in Pelze gehüllt und mit gruseligen Tiermasken ziehen sie lärmend durch die Dörfer. Ihr Ziel? Den Winter lautstark austreiben.

Du siehst, die Zeit der Rauhnächte und die damit verbundenen Rituale ist vielfältig. Falls du selbst mit dem Räuchern beginnen möchtest, findest du bei uns im wOnne-Shop auch ein passendes Stövchen: