Naschobst auf dem Balkon: Fruchtige Ernte vom Erdgeschoss bis zur Dachterrasse

Warum nur Gemüse und Blumen pflanzen, wenn auch noch Naschobst auf dem Balkon wachsen kann? Hier erfährst du, mit welchem Obst die Ernte funktioniert.

Lange vorbei sind die Zeiten, als der Balkon für mich nur ein Ort zum Kaffeetrinken und Wäschetrocknen war. Nicht nur Blumenkästen mit Geranien können das Geländer verzieren, sondern auch Pflanzen, die jede noch so kleine Fläche zum Insektenparadies oder Mini-Gemüsegarten machen. Aber können wir eigentlich auch Obst auf dem Balkon anbauen?

Na klar geht das! Vielleicht wird auf deinem Balkon kein mehrere Meter hoher Zwetschgenbaum und auch keine dichte Brombeerhecke gedeihen. Doch je nach Größe und Ausrichtung der Freifläche kannst du doch so einige Obstsorten sogar auf kleinstem Raum ernten.

Warum du nicht auf Naschobst auf dem Balkon verzichten solltest

Heutzutage müssen wir uns zum Glück nicht mehr selbst versorgen. Wir sind nicht mehr darauf angewiesen, im Sommer und Herbst unsere eigene Ernte einzukochen oder auf andere Art und Weise haltbar zu machen, damit wir auch im Winter vitaminreiche Nahrung bekommen. Frisches Obst und Gemüse steht uns durch den Supermarkt ganzjährig zur Verfügung – dank Initiativen wie dem Crowd Farming können wir diesen Fakt auch genießen.

Trotzdem ist Urban Gardening sicher nicht umsonst anhaltend beliebt: Der Fokus mag sich verschoben haben, aber die eigens angebauten Erdbeeren und Kirschen zu genießen, macht so viel Spaß. Wer die richtigen Sorten wählt, halst sich auch nicht zu viel Arbeit auf. Und der Aufwand, den wir uns machen, wird schließlich mit frischen, saftigen Früchten belohnt.

Naschobst auf dem Balkon: Beerenvielfalt in allen Farben

Beeren brauchen weniger Platz als Obst, das an richtigen Bäumen wächst. Sie sind vergleichsweise anspruchslos und halten sich frisch geerntet nur wenige Tage. Damit sind sie doch ideal für uns urbane Gärtnerinnen und Gärtner, die vor allem eins wollen: ein bisschen Naschobst auf dem Balkon.

Von der Hand in den Mund, so schmecken die verschiedenen Vitaminstückchen am besten. Beim Anbau von Beeren auf dem Balkon solltest du einige allgemeine Tipps beachten. Achte bei der Auswahl der Arten und Sorten darauf, ob sich die Pflanzen selbst befruchten können oder ob sie einen Partner brauchen. Auch wenn gerade die heimischen Beeren winterhart sind, solltest du sie im Winter möglichst nah an die Hauswand rücken und mit Vlies, Luftpolsterfolie oder Reisig gegen den Frost wappnen. Im Kübel sind die Wurzeln nicht so gut vor Kälte geschützt wie in der Erde und die Pflanzen darum anfälliger.

Hinzu kommen die kalten Ostwinde des Winters, die gerne durch die Häuserschluchten pfeifen und unsere Pflänzchen zusätzlich auskühlen. Auch im Sommer stehen die Beeren lieber vor Wind geschützt, im Winter solltest du darauf aber besonders achtgeben. Staunässe bekommt keiner Beerensorte gut. Deshalb solltest du im Pflanzgefäß eine Drainageschicht anlegen und überschüssiges Wasser abgießen. Gerade im Hochsommer darf es aber natürlich auch nicht zu trocken werden.

1. Erdbeeren: rote Geschmacks- und Sympathieträger

Jedes Jahr fiebere ich der Erdbeerzeit entgegen. Dass diese Früchtchen nur eine bestimmte Zeit des Jahres verfügbar sind, macht sie für mich umso großartiger. Die erste Erdbeere des Jahres kaufe ich immer am liebsten an einem der Stände, die ab Mitte April überall in der Stadt und an der Landstraße aus dem Boden schießen. Die erste, frische Erdbeere sollte möglichst groß und blutrot sein. Der Moment, in dem ich hineinbeiße und die Geschmacksexplosion an meinem Gaumen spüre, gehört zu den intensivsten Momenten des Frühlings!

Naschobst für den Balkon: hängende Erdbeeren
Manche Erdbeersorten wachsen hängend oder kletternd. © PIXATERRA / stock.adobe.com

Nun kannst du dir dieses Gefühl direkt nach Hause holen: Erdbeeren gehören wohl auf jeden Balkon. Sie brauchen nicht viel Platz und wurzeln nicht tief. Deshalb bieten sich einzelne Töpfe, klassische Balkonkästen oder das Hochbeet für den Anbau an. Es gibt aber auch kletternde Erdbeersorten, die gerne an einem Rankgitter hochkraxeln oder hängende Varianten für die Blumenampel. Sie sind Starkzehrer und brauchen ein besonders nährstoffreiches Substrat. Gemulcht mit Beinwell sind die Erdbeeren optimal versorgt. Erdbeeren wachsen aufgrund ihres Dursts nach Sonnenschein am besten auf einem Südbalkon. Vergiss an sehr sonnigen Tagen nicht das Gießen!

Immertragende Erdbeersorten tragen im Juni oder Juli einmal Früchte und nach einer Ruhephase erneut im Herbst. Liegt dein Balkon eher im Halbschatten, könntest du statt Erdbeeren auch Walderdbeeren anpflanzen.

2. Himbeeren: rosafarbene Träumchen

Im Garten brauchen Himbeeren viel Platz und bilden sogar gerne ungewünschte Ableger. Es gibt aber auch Sorten, die gezielt für den Anbau im Topf gezüchtet werden und daher gut auf unseren Balkon passen. Der Kübel sollte dabei möglichst groß sein und ebenso sonnig stehen. Himbeeren gedeihen auch im Halbschatten, allerdings werden die Früchte dann weniger süß. Je nachdem, wie windgeschützt dein Balkon ist, solltest du die Himbeeren stützen können, indem du sie zum Beispiel an ein Rankgitter oder das Balkongeländer bindest.

Hätte ich doch einen Balkon! Leider vertraue ich dem Tiefkühlfach in meiner Küche nicht so richtig und kann darum nicht einmal TK-Himbeeren kaufen. Und die Frischen gibt es jetzt noch nicht, oder sie kommen aus zweifelhaftem Anbau und fangen zügig an zu schimmeln. Hätte ich einen Balkon, würde ich eine Himbeersorte wählen, die zweimal im Jahr trägt. Nach Tipps zum richtigen Rückschnitt der Himbeeren fragst du am besten beim Kauf der Pflanzen. Hier musst du nämlich zwischen Herbsthimbeeren und Sommerhimbeeren unterscheiden.

Naschobst für den Balkon: Himbeeren
Schon der Anblick von erntereifen Himbeeren kitzelt meinen Gaumen. © pixularium / stock.adobe.com

3. Johannisbeeren: mild, sauer oder herb in drei Farben

Johannisbeeren gibt es in schwarz, rot und sogar weiß. Die weißen schmecken mild, die roten sauer und die schwarzen herb – doch auf dem Balkon können sie alle wachsen. Am besten wählst du bei den Johannisbeeren Sorten, die für den Kübel gezüchtet worden sind und sich selbst befruchten können. Für eine größere Erntespanne und Vielfalt an leckerem Obst bietet es sich dann an, verschiedene Farben zu wählen. Johannisbeeren sind auch mit relativ schattigen Standorten zufrieden – je sonniger sie jedoch stehen, desto süßer und voller schmecken sie bei der Ernte. Sie brauchen hin und wieder biologischen Beerendünger. Die Zweige, die Beeren getragen haben, werden im Folgejahr nicht mehr tragen und sollten deshalb zurückgeschnitten werden.

Naschobst für den Balkon: weiße Johannisbeeren am Strauch
Schwarz, rot oder weiß – welche sind deine liebsten Joannisbeeren? © Stefanie Ortanderl / stock.adobe.com

Rote Johannisbeeren geben mir ein Gefühl von Sommer zuhause. Im Garten meiner Oma waren die sauren Beeren meine allerliebste Nascherei. Hoffentlich kann ich selber irgendwann welche ernten. Hast du etwa noch nicht alle Johannisbeeren von deinem Balkon genascht? Dann könntest du mit den restlichen noch Veronikas köstlichen Käsekuchen mit Johannisbeeren und Skyr backen:

4. Heidelbeeren: blau, genügsam und bestens topfgeeignet

Heidelbeeren, oder wie sie mittlerweile wenigstens in meiner Empfindung häufiger genannt werden, Blaubeeren, sind oft im Kübel sogar besser aufgehoben als im Freiland. Sie mögen wegen ihres natürlichen Lebensraums keine typische Gartenerde, sondern brauchen ein leicht saures Substrat. Beim Einkauf im Baumarkt solltest du deshalb für die Heidelbeeren, egal ob für den Garten oder für den Topf, zur Rhododendron-Erde greifen. Diese hat den passenden pH-Wert. Heidelbeeren mögen kein kalkhaltiges Wasser. Darum solltest du sie möglichst mit Regenwasser und nicht mit Leistungswasser gießen.

Naschobst für den Balkon: Kulturheidelbeeren
Bist du schon bereit für die Ernte? © jb / stock.adobe.com

5. Kiwis: grüne Südländer ohne Exotenflair?

So richtig exotisch wirken Kiwis nicht. Der Supermarkt meines Vertrauens hat sie ganzjährig im Sortiment, besonders teuer sind sie auch nicht und im Gegensatz zu Ananas oder Granatäpfeln waren sie in meiner Kindheit schon stets im Speiseplan präsent. Aber dass wir sie sogar hierzulande als Naschobst auf dem Balkon anbauen können, war mir dennoch neu!

Manche Kiwi-Sorten für den Balkon sind tatsächlich winterhart – wenn es dir möglich ist, solltest du die Pflanzen dennoch an einem kühlen, hellen Ort im Inneren überwintern. Während des Sommers mögen die Kiwi-Sträucher sonnige, windgeschützte Balkone und möglichst große Kübel mit leicht saurer Erde. Auch bei den Kiwis gibt es selbstbefruchtende Sorten – mindestens zwei Pflanzen nebeneinander vereinfachen aber den Prozess und sorgen für einen besseren Ertrag. Kiwis brauchen ein Rankgitter oder ähnliches zum Klettern. Gegen Herbst können wir die kleinen, grünen Sonnenanbeterinnen dann ernten.

Naschobst für den Balkon: Kiwis
Wenn es bei dir ausgefallen zugehen soll, dann pflanz doch ein paar Kiwis! © Lucie / stock.adobe.com

Andere Beeren wachsen als Hochstämmchen oder besondere Züchtung ebenfalls gut im Topf. Vielleicht probierst du dich an diesen Sorten als Naschobst auf dem Balkon:

  • Stachelbeeren
  • Brombeeren
  • Moosbeeren (Cranberrys)
  • Preiselbeeren

Naschobst auf dem Balkon: Was ist Säulenobst überhaupt?

Erdbeeren auf dem Balkon bauen sowieso schon viele Urban Gardeners auf ihrem Balkon an, Beerensträucher im Kübel sind ebenso recht pflegeleicht. Aber wie schaut es mit „richtigen“ Obstbäumen aus? Nun, auch Äpfel, Birnen, Zwetschgen und mehr können wir auf dem Balkon direkt vom Baum in den Mund ernten. Die Lösung dafür heißt Säulenobst.

Der Begriff stammt aus dem Formobstbau – hier werden Obstbäume gezielt so gezüchtet und kultiviert, dass sie in einer bestimmten Form wachsen. In den Obstgärten früherer Könige diente dies der Zierde, mit einem an der Hauswand rankenden Birnenbaum sorgte man schon früher für optimierte Platznutzung. Der Begriff Säulenobst bezeichnet darum Bäume, die keine ausladende Krone bilden, sondern gerade nach oben wachsen. Sie werden sowohl im professionellen Anbau als auch für Obsthecken in kleinen Gärten eingesetzt. Auch für unsere Balkone sind sie die richtige Wahl.

Allerdings brauchst du für die richtige Befruchtung oft zwei Bäume – die können mit ihrem großen Kübel, Erde und Wurzelwerk sehr schwer werden. Informiere dich im Zweifelsfall lieber beim Vermieter oder der Hausverwaltung über die maximale Traglast deines Balkons.

6. Äpfel: Der heimische Obstklassiker schlechthin

Der Apfelbaum eignet sich am besten zur Kultivierung als Säulenobst. Baumschulgärtner können sie so züchten, dass sie ihre schlanke Form behalten und je nach Sorte zwei bis maximal vier Meter groß werden. Achte beim Kauf unbedingt darauf, echtes Säulenobst zu kaufen – nicht nur einen entsprechend zurechtgestutzten Jungbaum. Am besten kaufst du beim Fachhandel ein. Dort kannst du dich zum Beschnitt und zu passenden Partnern beraten lassen. Apfelbäume sind nicht selbstbefruchtend. Gibt es in deiner Umgebung keinen, musst du gleich zwei Pflanzen auf deinem Balkon platzieren.

Naschobst für den Balkon: Apfelbaum als Säulenobst
Äpfel sind, gemessen am Pro-Kopf-Konsum, das beliebteste Obst in Deutschland. © Annabell Gsödl / stock.adobe.com

Frische Äpfel von Balkon sind aber kein Ding der Unmöglichkeit – ganz im Gegenteil. Säulen-Apfelbäume tragen oft schon im zweiten Jahr Früchte. Die Erntemenge ist natürlich nicht so groß wie bei einem gigantischen Baum mit viel Platz im Garten. Für große Früchte solltest du die angesetzten Früchte nach der Blüte ausdünnen. Beträgt der Abstand zwischen den Fruchtständen schließlich etwa 5 cm, kannst du im Herbst saftige Äpfel ernten!

7. Birnen: Das doppelte Früchtchen

Vollkommen zu Unrecht steht die Birne im Schatten des Apfels. Aber nur wenn das Fruchtfleisch noch schön fest und nicht matschig ist – meiner Meinung nach. So ein Birnbaum wäre für Naschobst auf dem Balkon etwas Feines. Leider tut es ein einzelner Baum aber nicht. Birnen sind nämlich ebenfalls nicht selbstbefruchtend. Ob ein passender Partner im näheren Umkreis steht, ist je nach Wohngebiet fraglich. Drum pflanze lieber gleich zwei zusammenpassende Bäumchen auf deinen Balkon.

Bei Säulenobst solltest du stets einen Kübel mit einem Fassungsvermögen von mindestens 30 l wählen. Sonst hat das Wurzelwerk nicht genug Platz. Umtopfen bedeutet nicht nur für Zimmerpflanzen, sondern auch für Säulenobst Stress – also verwende, wenn es so weit ist, einen Kübel, der ein paar Jahre vorhält.

Naschobst für den Balkon: Birnen am Rankspalier
Birnen können sogar an einem Rankgitter wachsen. © Tatjana Balzer / stock.adobe.com

8. Kirschen: Süß, sauer oder einfach beides?

Während die erste Erdbeere auf der Zunge das geschmacklich beste Erlebnis des Frühlings ist, könnte die rosa-weißen Blüten des Kirschbaums das optisch größte Frühlingswunder sein. Wie wunderbar die vollen Zweige an den Plätzen und Straßen, in den Parks und Schrebergarten im Sonnenschein strahlen. Und auf dem Balkon? Geht auch!

Es gibt Sauerkirschbäume und Süßkirsch-Sorten speziell für den Balkon. Bei Kirschbäumen gibt es, anders als bei Äpfeln und Birnen, auch selbst befruchtende Pflanzen. Aber Sauerkirschen können Süßkirschen befruchten – wie wäre es denn mit einem süßsauren Duo auf deinem Balkon? Auch hier gilt: Wenn die Kirschen mit richtig viel Sonne auf der Haut reifen können, werden sie süßer. Sauerkirschen kommen hingegen prima mit Halbschatten zurecht. Und was passt noch auf deinen Balkon?

Naschobst für den Balkon: reife Kirschen in der Hand
Eine Handvoll Kirschen kannst du auch auf dem Balkon ernten. © arvin s/EyeEm / stock.adobe.com

In diesem Video zeigt dir unsere Kollegin Elisabeth von kraut&rüben, wie reichhaltig sie ihren Balkon bepflanzt. Hier wächst von Stachelbeeren über Tomaten bis hin zu Kräutern wirklich alles!

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