Regrowing: Gemüse aus Resten auf der Fensterbank nachziehen

Beim Gemüseschnippeln landen allerlei Reste im Müll, aber das muss nicht sein: Mit Regrowing kannst du aus Gemüseresten ganz leicht neue Triebe ziehen!

In den letzten Jahren ist das Prinzip des „Regrowings“ immer bekannter geworden. Das englische Wort bedeutet so viel wie „nachwachsen lassen“. Statt Gemüsereste also wegzuwerfen, werden diese aufgehoben, in Wasser gestellt, in Erde gepflanzt und kurze Zeit später bilden sich wieder neue Früchte. Wer ein bisschen Gartenerfahrung hat, der wird vielleicht schon mal was von Stecklingsvermehrung gehört haben – und genau dieses Prinzip kommt hier zum Einsatz.

Regrowing: Ein zweites Leben für Gemüsereste

Genauso wie Microgreens ist Regrowing für alle spannend, die keinen großen Garten oder Balkon zur Verfügung haben und dennoch ein bisschen frisches Gemüse haben wollen. Zum Nachziehen brauchst du nicht viel: Vom Platz her reicht das Fensterbrett schon aus und ein paar Gläser und Pflanzgefäße sind dort schnell aufgestellt.

Auf der Fensterbank Regrowing Sellerie und Salat
Hier wird Sellerie und Salat auf der Fensterbank nachgezogen. © Daria Minaeva – stock.adobe.com

Dieses Gemüse eignet sich für Regrowing

Manche Gemüsesorten sind besser geeignet als andere. Bei Salat, wo die Salatherzen intakt sind, bilden sich neue Blätter. Bei Karotten und anderem Knollengemüse wächst das Grün nach. Neue Knollen bilden sich aber nicht. Ich finde: Kein Problem – das Grün ergänzt optimal den Salat oder einen grünen Smoothie.

Regrowing klappt gut mit:

  • Porree
  • Chinakohl
  • Pak Choi
  • Frühlingszwiebel
  • Möhren
  • Salat
  • Stangen-Sellerie
  • Rettich
  • Fenchel
  • Wurzelpetersilie
  • Rote Bete
  • Mangold

Für Anfänger eignen sich am besten Lauchgemüse und Salat. Das klappt eigentlich immer und der Erfolg motiviert.

Bei diesem Gemüse klappt Regrowing nicht so gut

Aber nicht jedes Gemüse eignet sich: Bei Blumenkohl, Brokkoli und Romanesco handelt es sich um Blütenanlagen und wird blühen, statt nachzuwachsen. Auch bei Weißkohl, Rotkohl und Kohlsprossen klappt das Nachziehen nicht.

Regrowing von Erdbeeren, Paprika und Tomaten? Auch das sieht man immer mal wieder im Netz. Wurzelwerk hat einige dieser Ideen getestet. Für das Nachziehen von Erdbeeren, Paprika und Tomaten gibt es andere Wege, die deutlich besser funktionieren. So vermehrst du Erdbeeren lieber über Stecklinge als über die Samen.

Regrowing auf der Fensterbank: Lauch, Frühlingszwiebel und Avocado
Erst im Wasser Wurzeln bilden lassen und dann einpflanzen. So geht Regrowing. © Florian Weiss – stock.adobe.com

Tipps und Tricks zum Regrowing

Ein paar Tipps zum Nachziehen von Gemüse:

  • Vom Gemüse sollten etwa 2-3 cm mit einem Wurzelansatz vorhanden sein. Bei einem Salat sollte das Salatherz auch noch intakt sein. Bei vielen Salatköpfen aus dem Supermarkt ist der Strunk oft sehr kurz geschnitten – schau hier mal im Bio-Markt oder auf dem Wochenmarkt vorbei.
  • Dann füllst du ein Glas oder Schale mit Wasser und stellst den Gemüserest hinein. Du kannst auch alte Marmeladengläser oder Dosen ausspülen und wiederverwenden.
  • Das Wasser sollte alle zwei Tage ausgewechselt werden. Das Wasser riecht sonst unangenehm und es erhöht das Fäulnis-Risiko an Schnittstellen
  • Stelle sicher, dass der Standort hell ist. Direktes Sonnenlicht sollte aber vermieden werden.
  • Wer mag, kann nach etwa 1 Woche das Gemüse auch in Erde setzen. Bei Wurzelgemüse sollte der Blattansatz frei bleiben und weiterhin Licht bekommen.
  • Nach einiger Zeit treibt das Gemüse wieder aus.
  • Temperaturen um 20° C sind ideal zum Nachziehen.

Stelle auch auf jeden Fall sicher, dass deine Gemüsereste gesund sind und keine kranken Stellen aufweist. Auch der Blattansatz sollte intakt sein, da sonst keine neuen Blätter nachwachsen.

„Radieschenblätter schmecken durch ihre Senföle besonders aromatisch, sie sind als Kresse-Alternative auf dem Butterbrot ebenso fein wie im Pesto. Schon wenig Fenchelgrün gibt Salaten einen aparten Anisgeschmack, und Karottengrün mag als Salatwürze nicht jedermanns Geschmack sein, es bereichert aber grüne Smoothies. Und Pesto mit dem jungen Gemüsegrün geht fast immer.“

Elisabeth Melzer, kraut&rüben

Regrowing für Experiementierfreunde

Okay, du hast die Basics gemeistert und schon erfolgreich Salat, Lauch und Fenchel nachgezogen? Vielleicht sind folgende Regrow-Projekte etwas für dich? Aber vorsicht, hier musst du wirklich Geduld mitbringen: Nicht immer klappt das Experiement.

  • Ananas: Du brauchst den Blätteransatz und die oberen Teile einer reifen Ananasfrucht. Den Ananasrest setzt du in ein Glas mit Wasser für eine Woche, danach pflanzt du es ein. Die Ananas braucht viel Licht und Wärme – ein Wintergarten ist optimal. Nach 3 bis 4 Jahren wächst manchmal eine Ananas. Aber ärger dich nicht, falls es nicht klappt: Eine schöne Zimmerpflanze kommt auf jeden Fall dabei heraus.
  • Avocado: Den Kern einer Avocado für einige Wochen im Wasserbad Wurzeln bilden lassen und dann einpflanzen. Manchmal kommt es aber auch vor, dass sich gar keine Wurzeln bilden. In ein paar Jahren hast du einen kleinen Avocado-Baum herangezogen.
Regrowing Lauchzwiebeln und Avocado auf der Febsterbank
Lauchzwiebeln, Avocado und ein weiterer Steckling zum Vermehren. © Mehriban – stock.adobe.com

Pilze in der Wohnung nachziehen

Ohja, bei Pilzen klappt das Nachziehen auch ziemlich gut! Du kannst beim Kochen die Pilzkappen nutzen und die Stiele setzt du wieder in die Erde. Eine kleine Spitze des Stiels sollte rausgucken, der Rest muss von Erde bedeckt sein. Es dauert nur wenige Tage, bis man die Regrow-Pilze ernten kann. Die Pilze brauchen Licht und Temperaturen zwischen 12 und 25 Grad und eine hohe Luftfeuchtigkeit – meist passt hier das Badezimmer oder die Küche gut. Champignons sind genügsamer: Sie brauchen kaum Licht.

Fazit: Lohnt sich das?

Ich muss zugeben, dass die Ernte beim Regrowing nicht sonderlich üppig ist. Aber ich habe unglaublich viel Spaß dabei, den Wachstum zu beobachten. Ich habe einmal morgens Lauchzwiebeln in ein Wasserglas gestellt und konnte bereits am Abend sehen, dass hier bereits etwas passiert ist. Das begeistert mich ungemein und so erfreue ich mich immer wieder daran aus Resten etwas „Neues“ wachsen zu lassen. Klar, es kommt kein neuer Salatkopf dabei heraus und die kleinen Blätter sind oft nur eine Hand voll -aber die kleinen Blätter sind zart und äußerst aromatisch.

Regrow your Veggies Buchcover auf heller Arbeitsplatte
So sieht das Cover von „Regrow your Veggies“ aus. © Stephanie Drewing

Buchtipp: „Regrow Your Veggies“

Du hast jetzt Lust, mehr über Regrowing zu erfahren? Dann empfehle ich dir das Buch „Regrow Your Veggies“ von Melissa Raupach und Felix Lill. Auf 128 Seiten finden sich Tipps und reich bebilderte Anleitungen, wie man verschiedene Gemüsesorten am besten zum Nachwachsen bewegen kann. Man merkt, dass die Autoren hier mit viel Herzblut an das Thema herangegangen sind und viel ausprobiert haben, um das Buch zu schreiben.

Regrow your Veggies Buchcover auf heller Arbeitsplatte
Ein Blick ins Buch. © Stephanie Drewing

Kurz gesagt: Das Buch macht Spaß. Mir gefällt besonders gut, dass sich im Detail verschiedene Gemüse- und auch einigen Obstsorten gewidmet wird. So gibt es z. B. für den Romana-Salat eine Doppelseite, bei dem jeder Schritt mit Fotos erklärt und wie geerntet wird und was man am Ende mit den jungen Blättern so machen kann. Bei allen Sorten findet sich auch eine kleine Tabelle mit Infos zum Schwierigkeitsgrad sowie Licht-, Wärme und Feuchtigkeitsbedürfnis der nachwachsenden Pflanzen. Dies ist sehr hilfreich, um das nächste Regrowing-Projekt auszuwählen.

Infos zum Buch:

Mehr darüber, wie du über Stecklinge vermehrst, erfährst du bei unseren Kollegen von kraut&rüben: