Samenbomben selber machen: mehr bunte Flecken an allen Ecken!

Mehr Blumen braucht die Stadt! Mit dieser Anleitung kannst du Samenbomben selber machen und dein Viertel mit Grün in allen Ecken verzaubern.

Was für ein wunderbarer Frühlingstag! Das erste Mal in diesem Jahr bin ich ohne Jacke unterwegs und spaziere von der Tram-Haltestelle die Allee entlang zur Wohnung meiner Freundin. Nicht nur in den Vorgärten, sondern auch unter den Bäumen blühen die ersten Frühblüher wie Hyazinthen, Narzissen, Krokusse und mehr. Wer hat die denn alle gepflanzt?

Leider blüht es auch in Bremen längst nicht an jeder Ecke so bunt und vielfältig. Langweilige Rasenflächen, wacklige Betonplatten, Schotterwüste. Städtisches Alltagsbild – dabei geht es doch, wie man sieht, anders. Nun ist die Zeit, Hand anzulegen: Lass uns Samenbomben selber machen.

Natur in der Stadt: Hyazinthen wachsen zwischen Schotter
Die Natur kämpft sich immer wieder durch! © Lea Spahn

Der Ursprung der Samenbomben: Guerilla-Gardening

Der Wunsch nach der mehr Grün in der Stadt ist nicht neu. Die Guerilla-Gardening-Bewegung kennt ihn schon seit den 1970er Jahren. Die ersten urbanen Gärtnerinnen und Gärtner bepflanzten heimlich und im Alleingang öffentliche Brachen mit Blumen und sogar Gemüse. Wie wir bei wOnne träumten sie schon damals davon, der Natur auch zwischen Hochhäusern, Bahnlinien und Einkaufsstraßen eine Heimat zu schenken. Sie wollten und wollen ein lebenswertes Umfeld für Menschen, Tiere und Pflanzen schaffen.

Um diesen Traum nicht nur in schlecht besuchten Parks, ruhigen Wohngegenden und abgeschiedenen Industriegebieten verwirklichen zu können, entwickelten sie die Samenbombe. Solchen Blumenkugeln können wir auch an belebten Orten jederzeit platzieren. Gerade für die Umweltbewegung sind die Samenbomben auch ein subtiler und sinnvoller Protest. Und der hat Erfolg. Mittlerweile legen die meisten Städten schon mehr Wert darauf, öffentliche Flächen zum Beispiel mit Wildblumen-Wiesen zu bepflanzen.

Samenbomben selber machen: Welche Samen für Seedbombs?

Auch in der Wirtschaft hat man das Potenzial von Samenbomben erkannt. Du kannst sie bei vielen Anbietern fertig kaufen. Aber wieso kaufen, wenn wir die Samenbomben selber machen können?

Samenbomben selber machen: 5 Samenbomben auf einem Tisch mit einer Hand
Mit Samenbomben in der Hand in eine blumige Zukunft! © IMAGO / Westend61

Saatgut findest du im Internet, in der Gärtnerei, dem Baumarkt und in Bio-Supermärkten. Bevorzuge bei der Auswahl deiner Samen heimische Blumen, Kräuter und Gräser. Diese sind robuster. Außerdem vermeidest du so, dass sich invasive exotische Pflanzen ausbreiten können. Sonst kannst du noch darauf achten, möglichst bienenfreundliche Blumen auszuwählen. Darüber freuen sich auch Hummeln, Schmetterlinge und Falter. Das Saatgut sollte möglichst samenfest sein.

Für eine bunte Blumenwiese kannst du deine Lieblingsblumen vermischen oder gleich eine passende Saatgut-Mischung erwerben.

Typische Blumen, deren Saatgut du beim Samenbomben selber machen verwenden kannst:

Verwende außerdem torffreie Erde für deine Seedbombs. Du kannst sie mit Kompost, Kaffeesatz oder Eierschalen um ein paar Nährstoffe anreichern. Durch die Tonerde, die auch zu den Zutaten für deine Seedbombs gehört, sind die bald wachsenden Blumen aber prinzipiell schon ganz gut versorgt.

Samenbomben selber machen: Anleitung für Zuhause

Samenbomben selber machen

Equipment

  • 1 große Schüssel zum Vermischen
  • Zeitungspapier / Eierkartons zum Trocknen
  • 1 Sieb (eventuell)

Zutaten
  

  • 200 g Tonerde
  • 200 g torffreie Blumenerde
  • 50 g Saatgut von heimischen Blühpflanzen

Anleitungen

  • Gib als Erstes die Erde in eine große Schüssel, zermalme größere Klumpen und entferne übrige Stücke wie Rinde. Im Zweifelsfall kannst du die Erde auch sieben.
  • Nun gibst du Samen und Tonerde hinzu und vermischst alles gründlich.
  • Nun rührst du nach und nach Wasser ein, bis eine geschmeidige Masse entsteht. Sie sollte ungefähr die Konsistenz von Mürbeteig haben.
  • Nun formst du mit den Händen Kugeln in der Größe einer Walnuss. Deine Bomben können auch kleiner sein, nur nicht zu groß. Sonst fängt das Saatgut unter Umständen schon an zu keimen.
  • Die Kugeln lässt du in Eierkartons, auf Zeitungspapier oder auf einer Backunterlage zwei bis drei Tage trocknen. Damit sich von allen Seiten gleichmäßig trocknen, kannst du sie hin und wieder umdrehen.

Notizen

Die Menge ergibt etwa 6 bis 8 Samenbomben.
Samenbomben selber machen: Samenbomben trocknen in großen Eierpaletten
Gleich noch die Eierkartons upcyceln! © Norman Voigt (normanvoigt@posteo.de) / stock.adobe.com

Samenbomben selber machen: Wohin mit den Kugeln?

Jetzt haben wir unsere eigenen Samenbomben – aber wohin wollen wir sie werfen? Fremde Grundstücke solltest du damit lieber nicht verzieren. Das kann nicht nur deine Nachbarn beziehungsweise die Anlieger verärgern, sondern sogar als Sachbeschädigung zur Anzeige gebracht werden. Auch an Stellen, über die regelmäßig viele Menschen und/oder Hunde laufen, lohnen sich die Seedbombs nicht.

Typische Plätze, an denen die du deine Samenbomben unterbringen könntest, sind dagegen Baumscheiben, Verkehrsinseln, Kreisverkehre oder Bahndämme. Der beste Zeitpunkt, um eine Samenbombe zu platzieren, ist übrigens kurz vor einem kräftigen Regenguss. So hat das Saatgut optimale Bedingungen zum Keimen. Ist deine Pflanzstelle nicht gerade überlaufen, kannst du durchaus auch mit der Gießkanne oder der Wasserflasche nachhelfen.

Je länger du darüber nachdenkst, welche Plätze du mit Samenbomben „angreifen“ könntest, desto mehr werden dir sicher einfallen. Vielleicht steckst du dir vorsichtshalber bei jedem Spaziergang ein paar in die Jackentasche, nur um gewappnet zu sein. Auch auf dem eigenen Balkon kannst du Samenbomben verwenden. Steck die Kugel einfach in einen Topf mit Blumenerde, gieße alles an und beobachte die Blumen beim Keimen!

Wenn du nun richtig Lust aufs Blumenpflanzen in der Stadt hast und brache Flächen kennst, könntest du auch mal bei der Verwaltung deiner Stadt anfragen, ob du dich nicht um eine Bepflanzung kümmern kannst – so gehst du den vollständig legalen Weg 😉.

Samenbomben selber machen: eine bunte Wildblumenwiese in der Stadt
Lass uns die Stadt mit Blumen unsicher machen! © IMAGO / Reichwein

Samenbomben selber machen ohne Tonpulver: Alternative Katzenstreu

Tonerde findest du in der Drogerie bei den Kosmetikprodukten oder im Baumarkt. Wenn du Samenbomben selber machen willst und eine Katze als Haustier hältst, kannst du aber vielleicht einfach Katzenstreu verwenden. Dieses muss aber zu 100 % aus Betonit bestehen und darf keine zugesetzten Duftstoffe enthalten. Für die Samenbomben zerkleinerst du die Katzenstreu-Klumpen im Mörser zu einem feinen Pulver. Sonst funktioniert die Anleitung genauso wie mit Tonpulver.

Wie lange sind Samenbomben haltbar?

An einem kühlen und trockenen Ort kannst du die Samenbomben bis zu zwei Jahren aufheben. Danach nimmt die Keimfähigkeit des Saatguts rapide ab. Zur Lagerung kannst du zum Beispiel die alten Eierkartons verwenden.

Auch als Geschenk eignen sich die selbstgemachten Samenbomben: Wenn du ausrangierte Eierschachteln noch bunt anmalst oder mit einer schönen Schleife umwickelst, hast du die Seedbombs gleich hübsch verpackt. Auch zur DIY-Idee auf dem Kindergeburtstag eignet sich die Anleitung. Samenbomben selber machen geht schließlich kinderleicht!

Eine besonders charmante Idee für mehr Blumen in der Stadt ist das Beetmobil aus Frankfurt. Hier kannst du mehr darüber erfahren.

Du hast einen Schrebergarten oder sogar ein eigenes Grundstück? Dann sieh dir doch dieses kraut&rüben-Video an, wie du einen Wildblumenwiese selbst anlegen kannst: