Tomaten vorziehen: Gemüse für den Balkon in 5 einfachen Schritten selber ziehen

Auf deinem Balkon ist noch Platz für Gemüse? Dann solltest du jetzt Tomaten vorziehen, um im Herbst die Ernte zu genießen. 5 einfache Schritte findest du hier!

Weil sie ein paar Tage zu ihren Eltern fuhr, fragte mich meine Mitbewohnerin mal, ob ich ihr Gemüse aufessen würde. „Ich schau, dass es wegkommt“, sagte ich zu ihr. Liebend gerne mach ich das, dachte ich mir heimlich. In ihrem Kühlschrankfach lag nämlich noch ein wunderbarer Brokkoli, der mich schon seit Tagen anlachte. Und einige riesige, tiefrote Rispentomaten, auch wenn die im Kühlschrank eigentlich nichts verloren haben.

An diesem Abend war es also so weit. Ein simpler, aber köstlicher Tomatensalat sollte mein heiß ersehntes Abendessen sein. Ich stellte Balsamico-Essig, Honig, italienisches Olivenöl und Gewürze für die Salatsauce bereit, rupfte ein Paar Blätter vom Basilikum ab und schnitt die knackigen Tomaten in feine Scheiben. Vor dem Anmachen nahm ich ein Stück Tomate in die Hand, wollte den Moment zelebrieren. Langsam hob ich das Tomatenstück an, biss genüsslich hinein, der Saft quoll heraus. Und ich schmeckte: Nichts. Willkommen in der Welt der Supermarkt-Tomate.

Tomaten vorziehen: Das sind die Vorteile des Selberanbauens!

Ganz ehrlich, wahrscheinlich kennen wir das Trauerspiel mit so trostlosen Tomaten alle. Die typische Discounter-Tomate ist eben ein gängiger Fall von „große Klappe, nichts dahinter“. Es geht aber auch ganz anders: Dieses Jahr ziehen wir unsere Tomaten einfach selber!

Tomaten vorziehen: Viele bunte Tomatensorten in Händen und auf einem Holztisch
Und welche ist deine Lieblingstomate? © eflstudioart / stock.adobe.com

Riesige Ochsenherztomaten, gelbe Cocktailtomaten, gestreifte „Green-Zebra“-Tomaten: Die Vielfalt an Tomatensorten ist so faszinierend, dass es doch an ein Verbrechen grenzt, immer nur die gleichen zwei Sorten zu essen. Diese Vielfalt können wir mit selbst angebauten Tomaten viel besser nutzen. An entsprechendes Saatgut zu kommen, ist über Gärtnereien, Samentauschbörsen oder das Internet möglich: Sei kreativ und such dir deine ganz persönlichen Favoriten aus! Die regionalen, selteneren Sorten unterscheiden sich nicht nur in Farbe, Größe und Geschmack von typischen Tomaten, sondern punkten auch in Sachen Krankheitsresistenz und Anpassungsfähigkeit.

Neben der vielen Sorten, die es nur als Saatgut zu erwerben gibt, ist das Vorziehen von Tomaten auch deutlich günstiger, als auf gekaufte Tomaten-Pflänzchen zurückzugreifen. Außerdem hast du bei selber gezogenem Gemüse die volle Kontrolle darüber, womit dein Essen alles in Berührung kommt (und mit was eben nicht). Von deinen eigenen Tomaten kannst du mit etwas Glück wieder Saatgut fürs nächste Jahr nehmen und gehst so einen weiteren Schritt zur Selbstversorgung. Wer weiß, vielleicht wirst du gar zum Gemüse-Guru und züchtest bald deine eigenen Tomatensorten!

Anleitung: So klappt das Vorziehen von Tomaten in der Wohnung und auf der Fensterbank

Wann ist der richtige Zeitpunkt für das Vorziehen von Tomaten?

Bei aller Vorfreude auf den Frühling und deine eigenen, saftigen Tomaten solltest du mit der Anzucht nicht zu früh beginnen. Der Lichtmangel des ausgehenden Winters schadet deinen Pflanzen, wenn du sie zu früh säst. Der ideale Zeitpunkt für die Aussaat richtet sich danach, ob du deinen Tomaten ein Gewächshaus zur Verfügung stellen kannst. Wenn das der Fall ist, kannst du schon im Februar mit der Anzucht beginnen.

Willst du aber auf dem Balkon oder im Hochbeet Tomaten anbauen, die ohne zusätzlichen Kälteschutz auskommen, ist der Februar definitiv noch zu früh. Wir empfehlen als Startpunkt zum Tomaten vorziehen die dritte Märzwoche. So hast du genug Zeit, dir über den Winter deine Lieblingstomaten rauszusuchen. Du kannst auch später mit der Aussaat beginnen. Startest du aber erst im April damit, Tomaten vorziehen, werden sie vielleicht nicht vor Saisonende im Herbst reif. Dann kannst noch versuchen, sie nachreifen zu lassen.

Tomaten vorziehen: Auf einem Balkon wachsen Tomaten in Kübeln neben Kapuzinerkresse, Studentenblumen und Thymian.
Das wird eine reiche Ernte! © PIXATERRA / stock.adobe.com

Tomaten vorziehen – Schritt 1: Welche Erde brauchst du für die Tomaten-Anzucht?

Wenn du dich für deinen liebsten Tomaten-Sorten entschieden hast und auch der Termin passt, kann es losgehen. Du brauchst jetzt Substrat und Gefäße. Zur Anzucht eignen sich im Prinzip alle möglichen Schalen. Du kannst kleine Anzuchttöpfchen als gepresstem Papier verwenden, das musst du aber nicht. hauptstadtgarten-Bloggerin Caro Engwert rät im Interview sogar von ihnen ab. Stattdessen kannst du auch kleine Tontöpfe oder alte Eierkartons benutzen. Schalen, z. B. vom letzten Champignon-Kauf und Plastik-Joghurtbecher eignen sich auch, allerdings musst du diese unten mit einem Messer anritzen, damit überschüssiges Wasser abfließen kann. Die kleinen Tomaten mögen keine Staunässe. Wegen des transparenten Deckels ist auch ein Mini-Gewächshaus für die Fensterbank eine gute Lösung.

Weil Tomaten Starkzehrer sind, brauchst du zur Aussaat am besten nicht nur einfache Anzuchterde.

Starkzehrer sind im Nutzgarten Pflanzen wie der Mais, die Kartoffel oder die Tomate, die viele Nährstoffe benötigen und dem Boden besonders viel Stickstoff entziehen. Schwachzehrer, wie mediterrane Kräuter oder Bohnen, brauchen hingegen nur wenige Nährstoffe.

Empfohlen wird als Substrat für Tomaten eine Mischung aus Anzuchterde und gewöhnlicher Gemüseerde oder auch gereifter, gut gesiebter Kompost. Hast du alle notwendigen Sachen versammelt, befüllst du deine Gefäße ungefähr 4 bis 5 cm tief mit Erde.

Tomaten vorziehen – Schritt 2: Tomaten aussäen

Nun kommen wir zum Aussäen der Tomaten! Bei kleinen Pflanzgefäßen wie Joghurt-Bechern, Anzuchttöpfchen oder Eierkartons solltest du pro Einheit auch nur einen Tomatensamen verwenden. Mach in der Mitte ein kleines Loch in die Erde, lege einen Samen hinein und bedecke ihn mit ein wenig Erde. Aber nicht mehr als 0,5 cm, sonst kommt eventuell nicht genug Licht heran.

Bei größeren Gefäßen kannst du auch mehrere Pflanzen einsäen, achte aber auf einen Abstand von 2 cm, besser gar 3 cm zwischen den Löchern. Nun musst du deine Tomaten angießen. Aber nicht mit der Gießkanne! Der Wasserstrahl könnte deine Samen wegspülen. Verwende lieber eine Sprühflasche und befeuchte alles gründlich. Vielleicht markierst du dir mit kleinen Schildchen, welche Tomatensorte in welchem Topf steckt. Nicht, dass du am Ende vergisst, welche Sorte (oder gar welches Gemüse) in welchem Gefäß wächst.

Tomaten vorziehen – Schritt 3: Standort und Temperatur für die Tomaten wählen

Deine Tomaten brauchen zum Keimen jetzt einen warmen Ort. Am besten liegt die Temperatur hier konstant über 20 °C. Beim Vorziehen in der Wohnung kannst du die Ansaat in der Nähe des Heizkörpers aufstellen. Ein ideales Mikroklima entsteht, wenn du deine Pflanzen mit transparenter Folie abdeckst, z.B. das Indoor-Gewächshaus oder Frischhaltefolie. Die Samen brauchen stets genug Feuchtigkeit. Vergiss aber nicht, regelmäßig (mindestens einmal pro Tag) zu lüften. Sonst fängt deine Anzucht schnell an zu schimmeln.

Nach 10 bis 14 Tagen kommen die Tomaten-Pflänzchen zum Vorschein. Am besten kommen die Anzuchtschalen jetzt an einen lichtdurchfluteten, etwas kühleren Ort (16 – 18 °C). Eine Fensterbank mit Sonnenschein bietet sich an, sei aber vorsichtig, wenn sich ein Heizkörper direkt darunter befindet. Dann wird es den Pflänzchen zu warm und sie vergeilen. Das bedeutet, dass die Stängel der Tomate rasant wachsen und lang werden, sich aber gelblich färben und leicht abbrechen. Die Erde solltest du weiterhin schön feucht halten.

Tomaten vorziehen: Tomatenkeimlinge in Anzuchtschalen aus Pappe
Die Anzuchttöpfe aus Pappe sind biologisch abbaubar. © Petra Schueller / stock.adobe.com

Tomaten vorziehen – Schritt 4: Tomaten pikieren

Auch wenn es schwerfällt: Wachsen zwei Pflänzchen zu nah beieinander, solltest du die kleinere, schwächere von beiden abzupfen. So bekommt die größere mehr Platz und Nährstoffe und du am Ende der Saison einen besseren Ertrag.

Wenn deine Keimlinge nach den Keimblättern die ersten Laubblätter ausbilden, ist es Zeit, sie zu pikieren. Jede Tomate bekommt jetzt ihren eigenen Topf mit einem Durchmesser von mindestens 9 cm. So vermeidest du es, die Pflanzen ein weiteres Mal umzutopfen, bevor sie ins Freiland können.

Hast du die Tomaten einzeln in Eierkartons oder Anzuchtplatten ausgesät, kannst du sie recht einfach mitsamt dem Wurzelballen herausdrücken und in den bereits mit Anzuchterde gefüllten Topf setzen. Die Pflanze sollte nun tiefer in der Erde sitzen als vorher. Sitzen bei dir noch mehrere Pflanzen in einem Gefäß, musst du sie jetzt vereinzeln. Am besten geht das mit einem Pikierstab oder einem Löffelstiel. Die Töpfchen jeder Pflanze füllst du mit Anzuchterde auf. Sorge dafür, dass weiterhin überschüssiges Wasser abfließen kann, etwa in eine Untertasse. Die Tomaten wohnen jetzt noch ein paar Wochen auf deiner Fensterbank.

Tomaten vorziehen – Schritt 5: Tomaten abhärten und auspflanzen

Achte weiterhin darauf, dass es den Tomaten nicht zu warm wird. 16 – 18° C sind ideal. Wenn sich die Tomaten an ihre neuen Töpfe gewöhnt haben und schnell größer werden, kannst du sie bald vorsichtig von unten mit der Gießkanne wässern. Da deine Tomatenpflanzen nur durch eine Scheibe gefiltertes Sonnenlicht und Zimmerluft gewohnt sind, solltest du sie vor dem Auspflanzen abhärten. Dafür stellst du die Pflanzen an warmen Tagen an einen schattigen Platz deines Balkons, aber nicht in die Sonne.

Tomaten vorziehen: Junge Tomatenpflanzen kannst du Mitte Mai ins Hochbeet auspflanzen.
Bald wachsen im Hochbeet frische Tomaten. © iMarzi / stock.adobe.com

Abends musst du die Pflanzen wieder in die Wohnung holen. Mitte Mai, je nach Sorte haben die Tomaten nun in der Regel eine Höhe von 30 cm erreicht, können die Tomaten endgültig raus auf den Balkon. Achte aber darauf, dass die Eisheiligen, auch die Kalte Sofie, schon vorbei sind. Schon ein kleiner Frost kann deinen Tomatenpflanzen den Garaus machen.

Im Balkonkübel oder Hochbeet brauchen die Tomaten schön viel Platz. Das Pflanzgefäß sollte mindestens 30 cm tief sein, besser tiefer. Ein Stab zum Klettern verschafft den Pflanzen ihren Platz an der Sonne, eine Überdachung schützt sie vor zu viel Feuchtigkeit durch Regen. Eine anschauliche Anleitung zum Tomaten vorziehen findest du auch in diesem Video der Kolleginnen bei kraut&rüben:

Tomaten vorziehen: Düngen, Krankheiten behandeln und eigene Samen ziehen

Zum Düngen der Tomatenpflanzen bietet sich zum Beispiel Kaffeesatz an, der wohl bei vielen ohnehin als Küchenabfall anfällt. Auch nach dem Auspflanzen brauchen deine Tomaten nämlich Pflege: Sonst drohen Krankheiten wie Blütenendfäule. Allerdings kannst du vielleicht am Ende dieser Saison deine eigenen Tomatensamen abnehmen. Wie das geht, erfährst du in diesem kraut&rüben-Video: