Umtopfen: Neue Energie und mehr Platz für Zimmerpflanzen

Ja, es ist Frühling und ja, alles schreit nach einem Neuanfang. Sobald es wärmer wird, haben wir alle Lust auf ein bisschen in der Erde wühlen. Das ist aber nicht DER Grund, dass du deine Pflanzen umtopfen solltest. Da gibt es noch viel wichtigere.

Auch wenn vieles danach aussieht, nur weil Frühling ist, ist das noch lange kein Anzeichen dafür, deine Zimmerpflanzen umzutopfen. Im Grunde spüren die Pflanzen in der Wohnung die Jahreszeiten nämlich gar nicht. Sie bekommen im Sommer zwar mehr Licht als im Winter und die trockene Heizungsluft fällt weg. Dem Wechsel der Jahreszeiten sind sie dennoch nur bedingt ausgesetzt. Wenn du eine Pflanzenlampe hast, dann ist für deine grünen Lieblinge sowieso dauernd Sommer. Deshalb gibt es weitaus bessere Gründe, seinen Zimmerpflanzen ein neues Substrat zu gönnen.

Umtopfen: Die richtige Vorbereitung

Pflanze raus, neue Erde rein und fertig. So einfach ist es nicht. Bevor du deine Zimmerpflanze umtopfst, solltest du dir ein paar Gedanken machen und auch sichergehen, dass du alles Zuhause hast, was du brauchst. Steht der geeignete Topf parat? Ist genug Erde da, um wirklich den ganzen Topf voll zu machen oder willst du gar dein Substrat selbst zusammenstellen? Hast du an die Drainage gedacht und welcher Topf soll es denn eigentlich werden? Ganz schön viele Fragen, oder?

Da merkt man direkt, dass das Umtopfen doch eine kleine Wissenschaft ist. Aber keine Angst, alles halb so wild. Am besten machst du dir vorher einen Plan, wie viele Pflanzen du umtopfen möchtest und wie viel Erde und neue Töpfe du dafür brauchst. Wenn du dir das überlegt hast, kannst du losziehen und alles besorgen. Vielleicht hast du aber auch schon alles beisammen? Dann kann es natürlich direkt losgehen.

Umtopfen: So erkennst du den passenden Zeitpunkt

Generell sagt man, dass Zimmerpflanzen etwa alle zwei bis drei Jahre ein neues Substrat gebrauchen können. Denn dann sind die meisten Nährstoffe aus der Erde verbraucht. Auch wenn deine Pflanze nicht mehr wächst, ist das ein Anzeichen dafür, dass sie sich über neue Erde freuen würde. Wenn du deinen Topf aufhebst und die Wurzeln schon stark nach unten austreiben, ist es höchste Zeit, der Pflanze mehr Platz zu gönnen. Das erkennst du vor allem, wenn du die Pflanze aus dem Topf nimmst, die Wurzeln deutlich erkennbar sind oder schon nach oben aus der Erde heraus wachsen. Manchmal sind es sogar mehr Wurzeln als Erde.

Du bemerkst den richtigen Zeitpunkt auch wenn du beim Gießen beobachtest, wie das Wasser abfließt.

Bleibt es nur an der Erdoberfläche und sickert nicht richtig oder nur sehr langsam nach unten, ist das ebenfalls ein Anzeichen. Und es gibt noch mehr.

  • Schädlinge wie Trauermücken in der Erde
  • Viele Ableger in einem Topf mit der Mutterpflanze
  • Kalk- und Salzablagerungen an der Substratoberfläche
  • Babypflanze befindet sich noch im Anzuchttopf

Wann du deine Pflanze besser noch im Topf lässt

So wie es Gründe fürs Umtopfen gibt, gibt es auch einige, die dagegen sprechen. Zum Beispiel wenn du deine Pflanze ganz neu gekauft hast. Allerdings bedeutet ein Standortwechsel für Pflanzen immer Stress. Lass sie also erst mal ankommen, schau, an welchem Ort in der Wohnung sie sich wohl fühlt und warte im besten Fall erst mal ein Jahr, ehe du ihr ein neues Substrat gönnst. Denn die Erde ist meistens schon optimal auf deren Bedürfnisse abgestimmt. Du musst dich also nicht sorgen, dass dein Liebling zu wenige Nährstoffe erhält.

Diese Pflanze sollte umgetopft werden. © Eva Goldschald

Wer zu viel und zu oft umtopft, kann der Pflanze damit auch schaden. Das wäre, als würdest du dauernd umziehen und könntest dich nirgends einleben. Vermeide also, dass du eine Art Helikoptereltern für deine Pflanze wirst und lass sie besser einfach mal stehen. Hast du die Pflanze gerade gegossen, solltest du ebenfalls mit dem Umtopfen warten.

Du kannst nämlich dann die alte Erde nicht richtig von den Wurzeln trennen und es kann passieren, dass du viele Wurzeln kaputtmachst. Sofern du keine Schädlinge an der Pflanze oder in der Erde hast, solltest du innerhalb des ersten Jahres nicht umtopfen.

Umtopfen: Eine Frage der Gattung

Manche Pflanzen wuchern so vor sich hin. Da scheint es, als könne man sie regelmäßig umtopfen. Andere verweilen jahrelang im selben Substrat und es stört sie gar nicht. Wir haben mal ein paar von den Kandidaten aufgelistet. Achtet aber immer darauf, dass jede Pflanze und jeder Standort individuell sind. Die Art ist also nicht immer ein Anzeichen für oder gegen umtopfen.

Diese Pflanzen bleiben lieber lang im selben Substrat

Diese Pflanzen wachsen schnell und brauchen häufiger mehr Platz

Beim Umtopfen kommt es auf den richtigen Topf an

Damit sich deine Pflanze auch im neuen Topf wohlfühlt, gilt es einiges zu beachten. Der neue Topf sollte nur maximal zwei Nummern größer sein als der alte. Der Abstand zwischen Topfrand und Wurzelballen darf dabei nicht größer als drei Zentimeter sein. Aber warum das Ganze? Ganz einfach: ist der Topf zu groß, steckt die Pflanze erst einmal alle Energie in die Wurzeln. Schließlich muss sie sich im großen Topf Halt suchen. Das dauert eine Weile, sodass dein grüner Mitbewohner lange keine oder nur ganz wenige neue Blüten oder Blätter bilden wird.

Sind die Wurzeln im Gegensatz zur vielen Erde ganz klein, kann sich sogar Staunässe bilden und die Wurzeln faulen mit der Zeit. Ganz wichtig ist übrigens ein Loch im Topf, damit das Wasser immer gut abfließen kann. Töpfe aus Ton entziehen der Erde wegen ihres großporigen Materials mehr Feuchtigkeit, du musst also mehr gießen. Gleichzeitig kann so ein Topf auch Staunässe vorbeugen. Plastikgefäße nehmen hingegen keine Feuchtigkeit auf.

Das passende Substrat

Der Topf ist ausgewählt, jetzt fehlt nur noch die passende Füllung. Du wirst schnell merken, dass die Auswahl an Substraten ziemlich groß ist. Neben klassischer Grünpflanzen- und Blumenerde gibt es für Zimmerpflanzen zum Beispiel Palmenerde, Orchideenerde, Kokoserde, Seramis, Blähton oder Perlit. Wenn du Lust auf Experimente hast, kannst du dein Substrat auch mischen. Ich mag zum Beispiel eine Mischung aus Pflanzenerde, etwas Kokoserde und Seramis. Dadurch wird die Erde schön fluffig und speichert trotzdem ausreichend Feuchtigkeit.

Man kann seine Pflanzen auch nur in Blähton oder Seramis topfen und ganz auf Erde verzichten. Mir fällt es dabei allerdings sehr schwer herauszufinden, wann ich denn nun wieder gießen muss. Pflanzen finden es auch toll, wenn du etwas Orchideenerde untermischt, weil die Erde dadurch noch mehr Luft bekommt. Achte unbedingt auf hochwertige Qualität. Erfahrungsgemäß stecken in billiger Erde oft Trauermücken.

Um ganz sicherzugehen, kannst du deine Erde bei etwa 100 Grad für etwa eine halbe Stunde im Backofen trocknen. So tötest du garantiert alle Schädlinge.

Außerdem solltest du der Umwelt zuliebe torffreie Erde verwenden. Wenn du Ableger umtopfst, eignet sich Anzuchterde am besten, weil sie nicht so stark gedüngt ist.

Die richtige Reihenfolge beim Umtopfen

Du hast es fast geschafft, alle „Zutaten“ besorgt und die Pflanze ist bereit für ihr neues Zuhause. Je nachdem, wie fest die Pflanze im Topf sitzt, musst du sie nun mit den Fingern etwas lockern oder den Topf vorsichtig zusammendrücken. Reiße die Pflanze auf keinen Fall mit Gewalt aus dem Topf, denn so brichst du im schlimmsten Fall alle Wurzeln ab. Dann schüttelst du den Wurzelballen leicht und entfernst vorsichtig die Erde. Das geht am besten, wenn die Pflanze komplett getrocknet ist.

Schau dir die Wurzeln an. Vielleicht sind einige vertrocknet oder abgestorben. Diese kannst du vorsichtig entfernen. Um das besser erkennen zu können, duscht du den Ballen vorsichtig ab.

Tonscherbe wird auf das Loch im Boden des Blumentopfes gelegt
Eine Tonscherbe oder ein flacher Stein decken das Loch im Topf ab, damit keine Erde herausfällt. © Eva Goldschald

Als Nächstes solltest du eine Tonscherbe oder einen flachen Stein auf den Boden des neuen Topfes legen, damit das Substrat nicht durch das Loch nach unten fällt. Jetzt füllst du etwas Seramis oder Kieselsteine als Drainage ein. Danach kommt eine etwa ein Drittel der Erde drauf und erst dann die Pflanze. Fülle den Topf anschließend nach und nach um den Wurzelballen herum mit Erde und drücke sie leicht fest.

Du kannst den Topf auch leicht anklopfen, damit sich das Substrat setzt. Danach füllst du den Topf bis drei Zentimeter unter den Topfrand. Somit läuft das Wasser beim Gießen nicht über. Als letzten Schritt darfst du die Pflanze kräftig gießen. Anschließend solltest du darauf achten, dass das Wasser komplett abgeflossen ist. Ab geht es nun in den neuen Übertopf.

Ein paar Tipps zum Schluss

Umtopfen bedeutet immer Stress für die Pflanze, du solltest sie danach also wieder an ihren gewohnten Platz stellen. Ausnahme: Sie hat sich am alten Standort gar nicht wohlgefühlt. Außerdem musst du sie mehrere Monate gar nicht düngen. Im neuen Substrat befinden sich bereits alle wichtigen Nährstoffe.

Übrigens: Manchmal braucht man für das Umtopfen gar keinen neuen Topf. Wenn der Platz ausreicht, die Erde aber trotzdem schon älter als zwei Jahre ist, kannst du sie auch mit neuem Substrat wieder in das alte Gefäß pflanzen.