Winterharte Sukkulenten: Diese 4 Sukkulenten überwintern gerne draußen

Du bist gießfaul? Dann könntest du deinen Balkon mit winterharten Sukkulenten bepflanzen! Welche geeignet sind und was du beachten solltest, erfährst du hier.

Immer wenn ich meine Freundin auf einen Kaffee besuche, wandert mein neidischer Blick aus ihrem Küchenfenster zum Balkon der Nachbarn. Die Kästen sind voll bepflanzt – und gerade der Kasten, der zum besagten Fenster herüber zeigt, quillt vor Hauswurz quasi über. Das darf doch nicht wahr sein! Die haben Berge meiner Lieblingssukkulente und ich habe noch nicht mal einen Balkon.

Aus gegebenem Anlass möchte dir darum heute verschiedene winterharte Sukkulenten vorstellen und erklären, was du beachten musst, wenn du Sukkulenten ganzjährig draußen auf dem Balkon oder im Garten pflanzen willst.

Winterharte Sukkulenten: Geht das überhaupt?

Kommen Sukkulenten nicht aus der Wüste? Dann dürften sie doch gar keine Kälte vertragen. So pauschal kann man das nicht sagen: Sukkulente Pflanzen gibt es in allen Regionen der Erde, wo große Trockenheit herrscht und sich die lokalen Pflanzen an diese extremen Bedingungen angepasst haben. Somit existieren auch frostresistente Sukkulenten-Arten, mit denen wir unseren Balkon verschönern können.

Winterharte Sukkulenten: Das müssen wir beachten

Im Sommer freuen sich viele Sukkulenten über direktes, üppiges Sonnenlicht. Werden die Temperaturen aber kühler, müssen Aloe vera, Geldbaum und Agave nach drinnen umziehen, weil sie sonst erfrieren.

Dennoch gelten für ihre frostfesten Kolleginnen ähnliche Regeln. Sukkulenten lieben vollsonnige, warme, trockene Standorte. Schließlich ist es ihre Spezialität, Wasser zu speichern und mit möglichst wenig auszukommen. Nässe vertragen sie überhaupt nicht, auch nicht im Winter. Deshalb bieten sich überdachte Südbalkone an.

Winterharte Sukkulenten: Sempervivum im Balkokasten
Hauswurz pflanzt sich gerne fort und füllt schnell den ganzen Balkonkasten. © imago images / Westend61

Für den Topf oder Balkonkasten solltest du Kakteenerde verwenden – zu viele Nährstoffe bekommen den Sukkulenten nicht. Alternativ kannst du Blumenerde mit viel Sand auflockern. Darunter darf eine Drainage-Schicht aus Blähton oder Tonscherben nicht fehlen. Wasser muss sehr gut abfließen können. Ums Gießen musst du dir im Winter nicht viele Sorgen machen – im Gegenteil: Achte darauf, dass die Erde eher trocken bleibt und keinerlei Staunässe entsteht.

Trotz Winterhärte sollte die Erde im Topf oder Kasten nicht durchfrieren. Dafür kannst du Töpfe und Kästen unten und an den Seiten mit beispielsweise Vlies umwickeln.

Winterharte Kakteen: Opuntien vertragen Kälte

Opuntien stammen auch Zentralamerika, deshalb sind nicht alle der auch als Feigenkakteen bezeichneten Pflanzen winterhart. Einige Arten kommen jedoch sehr gut mit den winterlichen Temperaturen klar. Zu den winterharten Feigenkakteen gehören zum Beispiel:

  • Opuntia imbricata
  • Opuntia ficus indica
  • Opunita tortispina
  • Opuntia engelmanii
  • Opuntia cymochila
  • Opuntia fragilis
Winterharte Kakteen: Opuntia ficus indica blüht gelb.
Opuntien bilden aus ihren Blüten manchmal essbare Früchte, sogenannte Kaktusfeigen. © PantherMedia / songsak aromyim / IMAGO

Grüße vom Dach: Hauswurz

Die Hauswurz, oder lateinisch Sempervivum („immer lebend“), gehört zu den Sukkulenten-Arten, die bei uns in Mitteleuropa heimisch sind. Dabei gibt es etliche Trivialbezeichnungen für diese Pflanze, zum Beispiel Donnerkraut oder Jupiterbart. Diese gehen teilweise auf den Aberglauben zurück, dass Hauswurz vor Blitzeinschlägen schützen kann – die Namen beziehen sich auf antike Götter (Jupiter bei den Römern, Thor bzw. Donar bei den Germanen).

Bis heute wird insbesondere Sempervivum tectorum gerne als Dachbegrünung eingesetzt, etwa im Alpenraum. Auch im Topf am Hauseingang oder im Balkonkasten kommen die bizarr geformten Rosetten gut zur Geltung.

Winterharte Sukkulenten: Rosablühende Hauswurz in einer Schale
Hauswurz bildet nicht nur bizarre Rosetten, sondern auch kreative Blüten. © imago images/Manfred Ruckszio

Bienenfreundliche Sukkulenten: Fetthennen

Unter dem Namen Sedum, zu Deutsch Mauerpfeffer oder Fetthenne werden viele sukkulente Arten zusammengefasst. Die meisten sind auf der Nordhalbkugel heimisch und kommen teilweise sogar in Sibirien vor. Kein Wunder, dass die winterhart sind!

Manche Fetthennen eignen sich super als Bodendecker im Steingarten oder auf kargen Böden. Auch als Balkonpflanzen sind sie beliebt – viele Sorten, etwa der weiße Mauerpfeffer (Sedum album) oder Sedum telephium bilden haufenweise kleine Blüten aus, die bis in den Herbst hinein verschiedenen Insekten Nahrung bieten und uns in rot, weiß oder gelb Freude bereiten.

Winterharte Sukkulenten: Weißer Mauerpfeffer blüht fein
Die feinen Blüten des weißen Mauerpfeffers sind auch bei Bienen und Hummeln beliebt. © IMAGO/imagebroker

Unerwartete Kandidatinnen: Yucca-Palmen

Ich kenne Yucca-Palmen, auch Palmlilien genannt, vor allem als genügsame Bürobewohner, die selbst dann überleben, wenn lange Home-Office-Phasen oder Urlaubszeiten eine intensive Pflege unmöglich machen. Einige Arten dieser Sukkulente können aber ganzjährig auf dem Balkon kultiviert oder sogar in den Garten ausgepflanzt werden. Vorsichtshalber sollte der Kübel aber recht nah an der Hauswand stehen und mit Folie umwickelt vor tiefem Frost geschützt werden. Regenschutz ist auch für Yuccas wichtig. Zu den winterfesten Palmlilien gehören unter anderem:

  • Yucca filamentosa
  • Yucca gloriosa
  • Yucca brevifolia
  • Yucca baccata
  • Yucca aloifolia

Mehr zum Überwintern von Kübelpflanzen erfährst du bei kraut&rüben.

Vielfalt: noch mehr Sorten winterharte Sukkulenten

Es gibt einige weitere Sukkulenten und Kakteen, bei denen einzelne Sorten winterhart sind. So ist die Escobaria vivipara frostfest, ein paar Agaven-Arten, z.B. Agave havardiana oder ovatifolia. Auch manche Mittagsblumen (Delosperma) kannst du ganzjährig auf dem Balkon kultivieren. Da kalte Winter in Mitteleuropa ohnehin immer seltener werden und Temperaturen von unter – 10 °C höchstens noch in Mittel- oder Hochgebirgen vorkommen, dürfte die Liste der Sukkulenten, die draußen gedeihen, in den kommenden Jahren immer länger werden.

Winterharte Kakteen: Escobaria vivipara blüht rosa
Wusstest du, wie toll Kakteen – hier Escobaria vivipara – blühen können? © imago images / Peter Probst

Winterharte Sukkulenten: einen Steingarten anlegen

Wer einen eigenen Garten hat, kann winterharte Sukkulenten verwenden, um einen ganzjährig grünen Steingarten anzulegen und sich auch in der kalten Jahreszeit über die Pflanzen zu freuen. Wie wäre es mit einer Yucca-Palme in der Mitte, umgeben von einigen Kakteen und rundherum ein Teppich aus Sedum?

Der Steingarten sollte aber, auch wenn er sehr pflegeleicht ist, nicht zu viel Fläche einnehmen. Vögel freuen sich eher über eine einheimische Hecke mit Möglichkeit zum Brüten, Insekten über eine Blühwiese und viele bienenfreundliche Pflanzen. Für dich und deine lieben kannst du Hochbeete aufstellen und leckeres Gemüse oder Naschobst ernten.

Hast du jedoch nur einen Balkon mit Nordausrichtung, der durch starken Niederschlag regelmäßig klitschnass wird, würde ich dir von einer Bepflanzung mit Sukkulenten abraten. In diesem Artikel findest du aber trotzdem passende Tipps, wie du deine Balkonkästen bepflanzen kannst.