Kein Grund zur Panik: So gehst du mit Wespen-Besuch um

Im Moment kann man ihnen nicht entfliehen: Wespen sind immer mit dabei. wOnne verrät dir, wie du in Gegenwart von Wespen gelassen bleibst.

Wespen sind nicht beliebt. Gerade in den letzten Wochen konnte ich dies immer wieder beobachten, wenn ich mich auf die Terrassen von Cafés und Restaurants niederließ: An fast allen Tischen wird gepustet, gewedelt und geschimpft: Weg mit den Wespen ist der Wunsch. Servicekräfte weisen mich darauf hin, dass ich mich lieber im Inneren niederlassen soll, weil draußen die Wespen so aktiv sind. Puh! Dabei ist es eigentlich gar nicht so schwer – hier findest du ein paar Handlungsempfehlungen, wie du in Koexistenz mit den gelb-schwarzen Gästen dein Essen genießen kannst.

Wespen sind unsere Freunde

Von den etwa 700 Wespenarten in Deutschland sind nur zwei Arten bei Menschen regelmäßig zu Besuch: die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) und die Deutsche Wespe (Vespula germanica).

Wespen sind Nützlinge für unser Ökosystem: Sie verspeisen viele kleine Insekten, die oft als Schädlinge wahrgenommen werden (Blattläuse, Larven, Raupen…) oder Aas. Auch arbeiten sie ebenso fleißig wie die Bienen als Bestäuber. Aufgrund des Naturschutzgesetztes dürfen Wespen nicht grundlos getötet werden, da sie ein wichtiger Baustein der Biodiversität in Deutschland sind.

Wespen auf Schinken
Um den eigenen Nachwuchs zu versorgen, benötigen Wespen proteinreicher Nahrung. © Marco Binder – stock.adobe.com

Zu Beginn des Sommers suchen Wespen nach proteinreicher Nahrung, da sie ihre Brut damit ernähren. Sie fangen Insekten, fressen Aas und landen auch gerne auf Fleisch und Aufschnitt.

Ausgewachsene Wespen bevorzugen aber Kohlehydrate und Süßes. Normalerweise suchen sie Fallobst auf, aber Süßes von uns Menschen ist gerade in urbanen Lebensräumen schneller und leichter zugänglich.

2022 ist ein Wespenjahr

In diesem Jahr gibt es mehr Wespen als in den letzten Jahren zuvor. Das Wespenvolk geht im Herbst ein und nur die Königinnen überwintern. Sie tragen eine Samenblase aus dem Vorjahr mit sich und können damit Eier befruchten und ein neues Volk gründen. Weil es dieses Frühjahr sehr warm war, haben besonders viele Wespen-Königinnen überlebt.

Wespennester sind nur für ein Jahr bewohnt. Verlassene Nester werden nicht wieder besiedelt.

Doch das Wetter sorgt im Moment auch dafür, dass Wespen besonders aggressiv auf der Suche nach Nahrung sind und in Städten auch immer häufiger auf menschliche Lebensmittel setzen: Es ist zu trocken und zu heiß. Normalerweise ernähren sich Wespen von anderen Insektenarten, diese haben aber die aktuelle Witterung nicht überlebt und stehen nicht als Nahrung zu Verfügung. Auch sind Wespen durstig, da vor allem in urbanen Räumen kaum Wasserstellen für Insekten zur Verfügung stehen.

Wespen auf Pflaumenkuchen
Die Wespe selbst bevorzugt Süßes: Pflaumenkuchen schmeckt ihr scheinbar besonders gut. © Jürgen Kottmann – stock.adobe.com

Tipps im Umgang mit Wespen

Zuerst verrate ich dir, was du nicht machen solltest, denn Wespen sind recht friedliche Insekten und stechen nur, wenn sie bedroht werden. Und das wollen sie auch gar nicht, da es immens viel Energie kostet, das Gift für einen (weiteren) Stich zu produzieren. Im Gegensatz zu Bienen können Wespen mehrfach zustechen.

  • Nicht nach Wespen schlagen oder mit den Händen wedeln: Durch die ruckartigen Bewegungen fühlen sie sich bedroht.
  • Nicht Anpusten: Auf das Kohlendioxid im Atem reagieren Wespen ebenfalls aggressiv, da es Gefahr bedeutet.
  • Nicht die Flugbahn zum Nest verstellen: Du wärst sicher auch genervt, wenn ständig ein Hindernis deine Eingangstür blockiert. Mit 3 Meter Abstand zum Nest bist du auf der sicheren Seite.
  • Verzichte auf blumige Parfüms und stark riechende Cremes: Wespen werden von dem Geruch angezogen.
  • Keine Wespenfallen aufstellen: Oft wird im Internet empfohlen, eine Wespenfalle mit süßen Lockstoffen oder Bier aufzustellen. Davon rät auch der NABU ab, da Wespen hier einen qualvollen Tod sterben.
Wespen an einem heruntergefallenem Apfel
In der Natur landen Wespen häufig auf Fallobst. © Brent Barnsdale – stock.adobe.com

Sei nett zu Wespen: Tipps, wie ihr euch besser versteht

Am wichtigsten ist es, ruhig zu bleiben. Ich weiß, das sagt sich immer so leicht – aber wenn du bewusst darauf achtest, wirst du bald merken: Deine Ruhe geht auch auf die Insekten über. Was dich wiederum für weitere Begegnungen entspannter werden lässt, zumindest geht es mir so.

  • Nahrungsmittel sollten im Freien abgedeckt werden. Der Bierdeckel auf dem Glas ist nach wie vor eine gute Option! Wenn du gerade am Essen bist, ist dies allerdings nicht so einfach umzusetzen.
  • Ablenkungsmanöver: Ich persönlich habe in Restaurants und Cafés die besten Erfahrungen gemacht, wenn ich den Wespen eine Alternative angeboten habe. Ich habe einen Teller beiseitegestellt, auf denen sich etwas Aufschnitt, ein paar Obstreste und Marmelade befanden. Die Wespen haben sich nicht mehr für mein Frühstück interessiert, sondern waren nur noch am „Wespen-Teller“. Dies funktioniert auch am heimischen Balkon oder der Terrasse.
  • Den Mund abwischen: Nicht nur nervig, sondern auch gefährlich ist es, wenn Wespen im Gesicht rumfliegen. Es hilft nach dem Essen, sich die Lippen und Mundwinkel einmal feucht abzuwischen, damit dort kein süßer Geruch mehr ist, der die Tiere anlockt.
  • Trinkhalme aus Glas: Um Plastik zu sparen, nutze ich Glas-Trinkhalme. Vorteil: Ich seh direkt, falls doch mal eine Wespe reinkriechen sollte.
  • Wassersprühflasche: Wespen mögen keinen Regen. Sollten die Insekten doch etwas zu aufdringlich werden, hilft zerstäubtes Wasser aus einer Sprühflasche. Verwende hierfür nur Sprühflaschen, in denen sich Wasser befindet und nicht auch Rückstände von Reinigungsmittel, die den Wespen schaden können.
  • Hast du einen eigenen Garten mit Obstbäumen? Wespen futtern hier besonders gerne am Fallobst. Lass es nicht einfach liegen, sondern sammel‘ es regelmäßig ein und bring es an eine Stelle im Garten, den du nicht häufig nutzt.
  • Hänge eine zerknüllte braune Papiertüte auf: Wespen denken, es handelt sich um ein anderes Nest und bleiben fern.
  • Aroma-Duftstoff, Kaffeepulver verbrennen und Räucherstäbchen: Hilft Outdoor nur bedingt, da der Wind die Duftstoffe zu schnell verweht und Rauch wird von Wespen einfach umflogen.
Ablenkungsmanöver: der Wespenteller. © Stephanie Drewing

Was tun beim Wespenstich?

Falls es doch mal zu einem Stich kommt: Für die meiste Menschen sind diese nicht gefährlich. Es tut zwar weh und es kommt zu Schwellungen und Juckreiz, aber das war es meist schon. Vorsichtig sollte man allerdings bei Stichen im Mund- und Rachenraum oder bei Kindern sein: Hole hier zur Sicherheit den Rat eines Arztes ein. Wenn eine Allergie auf Insektenstiche bekannt ist, sollte ein Notarzt gerufen werden. Weitere Handlungsempfehlungen findest du beim NDR.