Rezept: Stollen – Plätzchen-Wettbewerb? Ohne mich!

Veronika ist dieses Jahr sehr sparsam mit Plätzchen und lässt sie sich lieber schenken. Ihren geliebten Dinkelstollen macht sie aber auf jeden Fall selbst!

„Und? Wie viele hast du schon?“ So lautet eine Frage, der man öfter mal begegnet, wenn es Richtung Weihnachten geht. Dabei wird nicht etwa darüber diskutiert, wie viele Weihnachtsgeschenke schon eingekauft, verpackt und schenkfertig sind. Und auch nicht um die Zahl der kunstvoll um jedes Gewächs gewundenen Lichterketten. Nein. Es geht um die Anzahl der Plätzchensorten. Als würde die bloße Zahl der Sorten darüber entscheiden, ob der Advent auch wirklich schön wird. Nicht immer wird die Frage so direkt gestellt, manchmal einfach nur als Information gegeben: „Ja, ich hab jetzt 16 Sorten, aber fünf ganz einfache mach ich schon noch.“

Zugegeben: Ich bin da eigentlich auch gerne mit dabei. Nicht ganz so plakativ vielleicht. Aber wenn ich mir dann meine gestapelten Dosen angeguckt hab und merkte, dass die üblichen Tütchen zum Verschenken zu klein waren – dann war ich schon ein bisschen stolz. Mein „Rekord“ liegt im letzten Jahr bei 14 Sorten Weihnachtsgebäck. Und ich bin da immer noch stolz drauf, weil (natürlich!) alle lecker sind.

14 Sorten Plätzchen von oben fotografiert
14 Sorten Plätzchen! © Veronika Schier

Couch statt Knethaken

Aber ich habe mich aus dieser Spirale, immer mehr und immer mehr zu machen, verabschiedet. Komplett. Wisst ihr, wie viele Sorten ich dieses Jahr hab bisher? Keine. Einzige. Mir war nicht danach. Warum soll ich mich durch Mandelsplitter und Marzipan quälen, wenn es für mich viel wohltuender ist, mit heißem Kakao und meinem Jane-Austen-Roman auf der Couch zu kuscheln, während die Katze neben mir schnurrt? Plätzchen sind keine Pflichtübung. Und ich finde man schmeckt, wenn sie gemacht wurden „weil es halt dazu gehört“. Gerade dieses Kleinzeug braucht Zeit, Aufmerksamkeit und ein bisschen Hingabe. Hab ich das nicht, lass ich es sein. So einfach ist das. Eine ähnliche Erfahrung hat auch Stephanie beim Plätzchen backen gemacht.

Mama und Schwiegermama haben jedenfalls schon fleißig gebacken und uns für die Adventssonntage versorgt. Dominosteine, Zimtsterne und der eine oder andre Lebkuchen werden gekauft. Bei einer Sache jedoch bin ich so wählerisch, da muss ich selber ran: Weihnachtsstollen. Ja, hin und wieder haben wir da auch schon einen gekauft. Und jedes Mal fanden wir ihn viel zu süß. Die dicke Puderzuckerschicht außen rum und in der Mitte ein großer Klumpen Marzipan sorgen für einen echten Zuckerschock. Als hätte man den nicht eh schon oft genug zur Weihnachtszeit. Und dann gibt’s da noch Zitronat und Orangeat, das Teufelszeug. Wenn sich so ein Klümpchen im Zahn verhängt… Lecker ist was andres. Oder?

Rezept Stollen selbstgemacht
Selbstgebackener Stollen mit Dinkelmehl. © Veronika Schier

Selbstgemachter Stollen – ohne geht’s nicht

Darum gibt es bei uns jedes Jahr selbstgemachten Stollen. Ohne Marzipan. Mit Zitronat und Orangeat, aber in lecker. Ich mach’s nämlich wie Mama und zerhäksle die kleinen Biester im Mixer, bis man auf gar nichts mehr beißen kann. Trotzdem sind sie wunderbar im Teig verteilt und bereichern den Dinkelstollen mit ihrem satten Aroma.

Und genau diesen köstlichen Stollen aus Dinkelmehl gibt’s heute für euch. Lasst euch bitte nicht abschrecken von der Länge des Rezepts! Ich hab die Herstellung des Hefeteigs genau beschrieben, aber im Grunde ist es nur: zusammenkippen, gehen lassen, kneten, gehen lassen, kneten, gehen lassen, backen, reinbeißen. 😉

Glaubt mir – es lohnt sich! Dieser Dinkelstollen ist so schlicht und dabei so aromatisch und lecker und dabei nicht zu süß.

Weihnachtsstollen mit Dinkelmehl

Das Rezept ergibt 3 Stollen mit einem Gewicht von jeweils ca. 900g. Wenn das zu viel ist, lassen sich die Zutaten sehr einfach halbieren.

Zutaten
  

  • 300 g Rosinen
  • 100 g Orangeat Lasst euch davon nicht abschrecken – da beißt ihr später garantiert nicht auf die Stückchen.
  • 100 g Zitronat
  • 80 ml Rum
  • 1 kg Dinkelmehl Type 630
  • 2 Würfel frische Hefe
  • 300 – 350 ml lauwarme Milch
  • 230 g Zucker
  • 2 Prisen Salz
  • 2 Eier Größe M 
  • 380 g weiche Butter
  • ¼ Fläschchen Zitronen-Aroma
  • 1 Fläschchen Bittermandel-Aroma
  • 200 g gehackte Mandeln

Für die Glasur (Optional)

  • 200 g Zucker
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • 100 g flüssige Butter
  • Puderzucker

Anleitungen

  • Am Abend vor dem Backen: Vermischt die Rosinen und den Rum in einer kleinen Schüssel kräftig miteinander und lasst sie abgedeckt über Nacht durchziehen.
  • Am nächsten Tag: Jetzt wird der Hefeteig hergestellt. Erwärmt die Milch lauwarm (nicht kochen! Sonst geht die Hefe kaputt). Drückt eine kleine Mulde in das Mehl und bröckelt die zwei Hefewürfel hinein. Die Hefe wird mit etwa der Hälfte der Milch, 1 EL Zucker und etwas Mehl vom Rand verrührt. Deckt die Schüssel mit einem Küchentuch ab und lasst alles an einem warmen Ort etwa 15 Minuten gehen.
  • In der Zwischenzeit zerkleinert Zitronat und Orangeat gründlich im Mixer. Auf diesem Weg geben sie ihr sattes Aroma später an den Stollen ab, es beißt aber niemand auf die unangenehmen Würfelchen.
  • Nach der ersten Gehzeit gebt ihr die restliche Milch, Zucker, Salz, Eier, Butter und Zitronen- und Bittermandel-Aroma dazu. Verknetet alles zu einem glatten Teig. Deckt die Schüssel wieder ab und lasst alles an einem warmen Ort mindestens 30 Minuten gehen, bis sich der Teig deutlich sichtbar vergrößert hat. Ich nutze immer die Gärstufe meines Backofens, aber ein warmes Eckchen an der Heizung geht genauso. Wenn ihr den Teig einfach bei Zimmertemperatur stehen lasst, dauert es etwas länger, funktioniert aber ebenso.
  • Röstet in der Zwischenzeit eure gehackten Mandeln ohne Fett leicht an. Durch das Rösten entfalten sie ihr Aroma besser.
  • Bestäubt eure Arbeitsfläche gründlich mit Mehl und gebt den gegangenen Teig darauf. Nun werden die Rumrosinen, Zitronat, Orangeat und die gerösteten Mandeln untergeknetet, bis sich alle Zutaten gleichmäßig verteilt haben. Nochmal abgedeckt an einem warmen Ort für etwa 30 Minuten gehen lassen.
  • Dann wird der Teig in drei etwa gleich große Stücke geteilt. Ein Teil sollte etwa 900 bis 950g wiegen. Daraus formt ihr längliche Stollen und legt sie auf zwei mit Backpapier belegte Backbleche. Lasst zwischen den zwei Stollen auf einem Blech etwas Platz – sie werden noch etwas aufgehen. Deckt die Stollen ab und lasst sie ein letztes Mal nochmal für etwa 30 Minuten gehen.
  • Gebacken werden die Stollen etwa 60 Minuten bei 170°C Ober-/Unterhitze. Backt die Bleche am besten einzeln und habt immer wieder ein Auge drauf. Nach etwa 45 Minuten Backzeit deckt ihr die Stollen mit Backpapier ab, damit sie nicht zu dunkel werden.
  • OPTIONAL: Vermischt Zucker und Vanillezucker, lasst die Butter schmelzen. Streicht die Stollen noch warm mit der flüssigen Butter ein und bestreut sie dick mit der Zuckermischung und anschließend mit Puderzucker

Ich verzichte immer auf das Einstreichen mit der Butter, sondern bestäube den Stollen nur vor dem Anschneiden etwas mit Puderzucker. In einer Kuchenbox oder in einem großen Gefrierbeutel sind die Stollen lange haltbar. Und nicht nur das: Sie ziehen richtig durch und werden jeden Tag aromatischer!

Wo ist der Unterschied zwischen Marzipan und Persipan?

Vielleicht seid ihr beim Kauf von Stollen oder Dominosteinen schon mal über den Begriff „Persipan“ gestolpert. Dabei handelt es sich um ein Ersatzprodukt zum echten Marzipan. Marzipan wird aus teuren Mandeln hergestellt. Für Persipan werden deutlich günstigere Aprikosenkerne verarbeitet. Das ist keineswegs schlecht oder schädlich – nur eben nicht so hochwertig wie echtes Mandelmarzipan und wird vor allem in günstigen Produkten verwendet. Hersteller in Deutschland sind dazu verpflichtet, die Verwendung von Persipan anzugeben, zur Not hilft auch der Blick auf die Zutatenliste: sind keine oder nur wenig Mandeln enthalten (wenn die also nicht oder erst sehr weit hinten aufgelistet sind), kann kein Marzipan enthalten sein. Wie so oft hilft also auch hier ein genauer Blick auf die Verpackung.

Alles Liebe

Veronika

>>> Mehr von unserer „… und wer isst das alles?“-Kolumne von Veronika Schier lesen.