Rezept: weiche Schokokekse – Wie mich das Jagdfieber packte

In ihrem bisher persönlichsten Text gesteht Veronika ihre Probleme im Umgang mit Social Media. Zum Trost gibt’s ein Rezept für weiche Schokokekse aus Amerika.

Als ich vor etwa drei Jahren anfing, regelmäßig zu backen, hab ich auch die ersten Fotos gemacht. Das diente für mich als Dokumentation meines Hobbies, aber natürlich auch, um meiner Mama zu zeigen, was ich so zaubere. Irgendwann dachte ich mir, dass mir das nicht reicht: Die Fotos liegen unsortiert auf dem Handy rum und werden früher oder später verschwinden. Dabei macht es gerade beim Backen sehr viel Freude, die eigenen Fortschritte zu sehen.

Die Lösung für mich: ein Instagram-Account! Meine Intention war, ein einfaches Backtagebuch zu führen, nur eben öffentlich. Einen Ort, an dem ich meine Kuchenfotos gesammelt ablege. Dass ich dabei noch Inspirationen bekam und einigen großartigen Patissiers folgen konnte, war ein schöner Nebeneffekt. Ich buk also vor mich hin, knipste mehr oder minder geschickt meine Bilder und stellte sie auf Instagram. Natürlich hab ich mich über Herzchen und Kommentare gefreut („Woah! Ich bekomm jetzt teilweise schon über 30 Likes!“), aber das war nicht meine Hauptmotivation. Ich hab gebacken, was uns schmeckte, was ich ausprobieren wollte, was mir Spaß machte.

Natürlich fing ich irgendwann an, anderen Hobbybäckern und Tortenkünstlern zu folgen. Ich bekam Backtrends mit, befand viele davon für albern und schüttelte den Kopf, wenn auf einmal auf jedem noch so kleinen Backwerk riesige „Sprinkles“ (Zuckerstreusel in allen Formen, Farben und Größen) präsentiert wurden. Von Motivtorten mit Fondant will ich gar nicht sprechen. Denn darüber könnte ich viel schreiben, und kaum etwas davon wäre sehr nett.

Wenn das Fieber überhitzt

Irgendwann wurde ich zu einem so genannten „Follow Train“ eingeladen. Das ist eine Gruppe von Instagram-Nutzern, die sich alle einem bestimmten Thema widmen. Innerhalb dieser Gruppe folgt jeder jedem mit dem Ziel, sich gegenseitig mehr Reichweite, mehr Sichtbarkeit, mehr Likes zu verschaffen. Freudig und frohen Mutes nahm ich die Einladung an, verteilte Herzchen und folgte allen anderen Teilnehmern. Auch meine Follower-Zahl stieg – für meine Verhältnisse – deutlich an. Einzelne Beiträge hatten plötzlich über einhundert Likes.

Hinzukamen die kleinen Videos in den Stories. Hier präsentierten sich hauptsächlich die Bäckerinnen, perfekt gestylt, im Auto sitzend und erzählten, dass sie jetzt nach der Arbeit „noch schnell einkaufen waren, damit ich was Feines für euch backen kann“. Nebenbei erfuhr ich noch, dass diese Userin gerade ihr neues Hochbeet bepflanzt hatte. In der nächsten Story war zu sehen, wie sie ihre blitzblanke und riesige Küche mit Kochinsel vorm Schlafengehen „noch kurz saubermachte“.

Alles supertoll, superbeschäftigt, superschön und superperfekt.Ich sah das. Und wurde traurig. Niedergeschlagen. Schämte mich.

Für meine urgemütliche 15-Quadratmeter-Wohnküche, die ich noch zwei Jahre zuvor mit meinem Mann voll Freude ausgesucht und seither jedem Gast mit Stolz präsentiert hatte. Dieser zugegeben manchmal etwas chaotische Raum (jeder Raum, der mit mir zu tun hat, wird irgendwann chaotisch) ist das Herz unseres Hauses. Hier backe ich, hier essen wir, bewirten Gäste, unterhalten Freunde, machen Spieleabende und führen alberne, intensive und spannende Gespräche.

Und Instagram hatte es geschafft, mir den Eindruck zu vermitteln, dieser wunderbare Raum wäre unzureichend. Es war dem Algorithmus gelungen, dass ich dachte, meine etwa eineinhalb Quadratmeter Arbeitsfläche würden nicht reichen. Dabei hatte ich hier schon unzählige Marmorkuchen gebacken, Macarons gezaubert, Pralinen gegossen und eigene Torten kreiert. Ich hatte auf dieser Fläche mich und andere Menschen glücklich gemacht.

Das war alles vergessen. Weil Instagram mich dazu gezwungen hatte, mich mit anderen zu vergleichen und die Zahl meiner Likes über meine eigene Freude und sogar über mein Wohlbefinden zu stellen.

Das Fieber abkühlen

Bald wurde mir klar, dass das so nicht weitergehen konnte. Ich war niedergeschlagen wegen etwas, das ich immer gern gemacht hatte. Die Entscheidung fiel recht schnell. Ich verabschiedete mich von steigenden Follower-Zahlen und dreistelligen Likes – und verließ den Follow Train. Einige der Leute, denen ich folgte, schaltete ich auf stumm. So haben sie noch meinen Like (für die Reichweite), aber ich bin nicht mehr mit ihrem perfekt inszenierten Leben konfrontiert.

Ich bestimme wieder selbst, was ich backe. Ich bin nicht mehr von einem Algorithmus getrieben. Seitdem stagniert meine Reichweite bei etwa 360, meine Beiträge bekommen wieder etwa nur 30 Herzchen. Da ich nicht davon leben muss, ist mir das relativ schnuppe – auch, wenn ich mich natürlich über jeden digitalen Zuspruch freue! Aber ich konzentriere mich auf die „Likes“, die wirklich wichtig sind: meine eigene Zufriedenheit und Komplimente von den Leuten, die mein Gebäck tatsächlich essen. Und manchmal ist das beste Kompliment, wenn der Mann nichts sagt und glücklich grinsend das dritte Stück Kuchen mampft.

Weiche Schokokekse von oben fotografiert auf einem Teller gestapelt
Ein Berg leckerer weicher Schokokekse. Was braucht es mehr? © Veronika Schier

Weiche Schokokekse – Wie in Amerika

Wie schaff ich jetzt einen kunstvollen Bogen vom Text zum Rezept für weiche Schokokekse? Egal. Ich hab euch heute mein mit Abstand einfachstes Gebäck mitgebracht. Diese amerikanischen Cookies gehen immer, sind wirklich einfach und soooo lecker. Viel Spaß beim Nachbacken!

Weiche Schokokekse (Chocolate Chip Cookies)

Zutaten
  

  • 2 Eier
  • 130 g weißen Zucker
  • 150 g braunen Zucker
  • 1 TL Salz
  • 1 TL Backpulver
  • 1 TL Bio-Vanilleextrakt (gibt’s im Supermarkt bei den Backaromen)
  • 200 g sehr weiche Butter
  • 380 g Mehl
  • 200 g Zartbitterschokolade Hier könnt ihr Tafeln in Stücke hacken. Es gibt aber auch Schokostücke oder -tropfen zu kaufen. Ich persönlich finde diese „Chocolate chips“ ein kleines bisschen hübscher. Für den Geschmack ist es aber egal.

Anleitungen

  • Nehmt die Butter einige Zeit, bevor ihr anfangt, aus dem Kühlschrank und lasst sie weich werden. Ich schneide sie dann gleich in kleine Stücke, dann geht das schneller und sie lässt sich leichter einarbeiten. Also: Butter aus dem Kühlschrank, klein schneiden.
  • Alle Zutaten der Reihe nach in eine Rührschüssel geben und mit dem Knethaken vermengen. Fangt mit einer niedrigen Stufe an, sonst steht ihr in einer Staubwolke. Gerade am Anfang sieht es nach unglaublich viel Mehl aus, aber sobald die weiche Butter eingearbeitet ist, ergibt sich ein wunderbar klebriger Teig.
  • Seid vorsichtig beim Probieren – der Teig ist jetzt schon unglaublich lecker. Ich muss mich da immer sehr stark an die enthaltenen rohen Eier erinnern, um nicht die ganze Schüssel leerzuprobieren…
  • Heizt den Backofen auf 150°C Ober-/Unterhitze vor.
  • Aus dem Teig formt ihr Kugeln und legt diese auf ein mit Backpapier belegtes Blech. Ich wiege sie immer ab und mache jeden Keks etwa 30g schwer. Die „echten“ American Cookies sind zwar eher doppelt so groß, aber mir sind sie kleiner einfach lieber. Natürlich bleibt das ganz euch überlassen.
  • Lasst reichlich Abstand zwischen den Kugeln, denn die fließen stark auseinander und werden zu den bekannten großflächigen Keksen. Ich packe immer etwa zwölf oder 13 Kekse auf ein Blech. Sollten sie euch dennoch ineinanderlaufen (passiert mir je-des-mal), macht das nichts. Man kann sie, wenn sie zerlaufen sind und noch weich, ganz leicht mit einem Messer oder einer Teigkarte auseinanderschieben oder nach dem Auskühlen an der Kante brechen. Sie sind dann nicht mehr ganz rund, aber das tut dem Genuss beim Naschen später keinen Abbruch.
  • Die Kekse kommen für etwa 18 – 20 Minuten in den Ofen. Jedes Blech wird einzeln gebacken. Wenn ihr mit einer flachen Gabel leicht auf die Oberfläche drückt und diese einsinkt, aber nicht reißt, sind sie genau richtig. Die Kekse sind zwar noch sehr blass, aber nur so bleiben sie innen so schön weich.
  • Lasst die Kekse komplett auskühlen, bevor ihr nascht. Sonst krümeln sie euch unter der Nase weg.
  • Solltet ihr komplett durchgebackene Kekse bevorzugen, könnt ihr sie einfach ein paar Minuten länger im Ofen lassen. Dann werden sie dunkler, knuspriger und sind als Dauergebäck in einer luftdichten Dose sehr lange haltbar. Die soften Kekse halten auch locker einige Tage, verlieren aber ihren weichen Kern, weil sie austrocknen. So weit kommt es bei uns im Haus nie.

Notizen

Das Rezept ergibt 38 – 40 Cookies je 30g. Wem das zu viel ist, der kann die Mengen ganz einfach halbieren.
Rezept-Variation:
Ihr könnt die Kekse übrigens ganz leicht variieren: Die 200g Zartbitterschokolade könnt ihr leicht austauschen. Natürlich gegen jede andere Schokolade, die ihr gerne esst. Ich verwende auch öfter eine Mischung aus dunkler und weißer Schoki. Die Kombination von weißer Schokolade und getrockneten Cranberries ist auch ganz wunderbar. Aber auch Nüsse und Kerne könnt ihr verwenden.
Für Kindergeburtstage (wobei das Alter des Geburtstagskindes keine Rolle spielt) könnt ihr bunte Schokolinsen, Karamellpralinen oder, oder, oder verwenden. Etwas Kakao im Teig bringt leckere Schokokekse. Und japanisches Matcha-Pulver sorgt für einen grünen Hingucker. Hier empfehle ich die Kombination mit weißer Schokolade.

Seid kreativ bei den weichen Schokokeksen und probiert euch aus!

Alles Liebe

Veronika

>>> Mehr von unserer „… und wer isst das alles?“-Kolumne von Veronika Schier lesen.