Rezept: Herbstlicher Zupfkuchen mit Quittengelee und Zimtstreuseln

Was hat Selbstoptimierung mit Zupfkuchen zu tun? Nichts – und genau deswegen liebt Veronika die herbstliche Variante mit Quitten und Zimtstreuseln umso mehr.

Es gibt Rezepte oder Gerichte, die machen einen unmittelbar zufrieden. Sie geben uns das Gefühl von Geborgenheit. Von Daheimsein. Von „Alles ist gut“. Oder zumindest von „Alles ist erträglich“. Für manche ist es die Nudelsuppe, die Oma bei ersten Erkältungssymptomen sofort aufsetzte, während man selbst unter der Wolldecke auf die Couch gepackt wurde. Für andere sind es diese ganz besonderen Lebkuchen, die es nur bei der einen Tante gibt und die auch trotz Rezept nie so schmecken, wie dort auf der Bank des völlig überheizten Kachelofens.

Solche Leckereien pflegen unsere Sinne von der Nase bis zum Gaumen. Sobald uns ihr Geruch entgegenschleicht, schaltet unser Gehirn um auf „Wohlfühlen und Entspannen“.

Ihr Geschmack lässt uns für einen kurzen Moment innehalten. Sorgen und Bedenken sind für einen kleinen Moment einfach weniger groß, weniger wichtig, weniger schwer. Derlei Köstlichkeiten pflegen unsere Seele. Sie haben Nährwerte, die nicht auf Inhaltstabellen oder Portionsempfehlungen wiedergegeben werden können.

Gönnen können

Gerichte wie diese dürfen und sollten wir genießen, ohne auf BMI, Kalorien oder Nährwerte zu achten. Wir sind andauernd von Zahlen, Fakten, Ratschlägen umgeben, die alle dazu führen sollen, dass wir uns selbst besser machen. Besser essen, besser leben, besser sporteln. Besser sein. Egal, wie selbstbewusst wir sind: die permanente Aufforderung zur Selbstoptimierung hinterlässt Spuren in uns. Irgendetwas im Kopf sagt uns, wir sollten das zweite Stück Kuchen weglassen, weil es nicht gesund ist. Oder lieber noch eine Runde joggen gehen und danach eine Low-Carb-Protein-Bowl essen, statt sich mit einem Buch (oder einem Film oder auch gar nichts), einer Tasse Kakao und Keksen auf der Couch einzurollen.

Danach zu streben, besser zu werden, ist an sich nicht falsch. Entwicklung liegt in unserer Natur. Ruhezeiten aber eben auch. Das gilt nicht nur für unseren Körper, sondern auch für unsere Seele. Und manchmal sind diese Pausen für die Seele sogar die wichtigeren. Mal nicht die Kalorien oder Schritte zählen, mal nicht überlegen, wie „instagram-wert“ das Foto ist. Mal nicht irgendwie verschämt sein, wenn man den Kollegen am Montag erzählt, dass man am Wochenende schon wieder nur „einfach daheim rumgesessen“ ist. Kurz: Kopf aus – Genuss an. Und sich genau das gönnen, auf was man gerade Lust hat. Ganz egal, ob das jetzt Lifestyle ist oder nicht.

Rezept für einen herbstrlichen Zupfkuchen von oben fotografiert
Dieser Zupfkuchen bringt die leckerste Seite des Herbst in eure Wohnung. © Veronika Schier

Mein Wohlfühlkuchen: der Zupfkuchen

Zurück zu den Wohlfühlgenüssen. Bei mir gibt es da, zugegeben, nicht nur einen. Tatsächlich war Kochen und Backen für meine Mama immer schon ein Weg, ihre Zuneigung auszudrücken. Dieses Verhalten hab ich übrigens eins zu eins übernommen: Ich mag dich. Hier, nimm Kuchen.

Mein absoluter Wohlfühlkuchen ist aber ganz klar Zupfkuchen. Der knusprige Boden und die knackigen Streusel, dazwischen eine cremig-weiche Füllung, die süß nach Vanille schmeckt und wunderbar mit dem buttrigen Teig zusammenpasst. Auch wenn er ein oder zwei Tage steht und der Boden schon etwas durchgeweicht ist, löst ein Stück Zupfkuchen bei mir nur positive Gefühle aus. Heimelig, kindsein, wohlfühlen. Ein völlig unschuldiger Genuss.

Dass er noch dazu recht einfach gemacht ist, hab ich erst als Erwachsene erfahren. Genauso, dass man ihn gut variieren kann, wenn man Lust darauf hat und ihm vielleicht einen saisonalen Touch verleihen möchte.

Heute hab ich deswegen einen herbstlichen Zupfkuchen für euch. Die Cremefüllung wird ergänzt durch Haselnüsse und Quittengelee, die Streusel obendrauf strotzen nur so vor Zimt. Alles zusammen ergibt einen herrlich aromatischen Kuchen, der perfekt in die goldene Jahreszeit passt.

Herbstlicher Zupfkuchen mit Quittengelee und Zimtstreuseln

Equipment

  • Springform Ø  26-28cm

Zutaten
  

Für den Mürbeteig braucht ihr:

  • 100 g Zucker
  • 200 g Butter in Stücke geschnitten
  • 300 g Mehl
  • 1 Ei

Für die Füllung braucht ihr:

  • 500 g Quark Ob Voll-, Halbfett oder Magerstufe ist Geschmackssache.

  • 250 g Butter flüssig
  • 150 g Zucker
  • 3 Eier
  • 1 Päckchen Puddingpulver Vanille
  • 1-2 EL Rum
  • 100 g gemahlene Haselnüsse
  • 200 g Quittengelee

Für die Zimtstreusel braucht ihr:

  • 50 g Butter
  • 50 g Zucker
  • 75 g Weizenmehl
  • 1 EL Zimt

Anleitungen

Mürbeteig:

  • Zucker, Butter und das Ei verknetet ihr mit der Küchenmaschine oder den Händen zügig. Dann gebt ihr das Mehl dazu und arbeitet alles gründlich unter, bis ein einheitlicher, glatter Teig entstanden ist. Zu einer Kugel geformt und in Folie gewickelt, lasst ihr ihn im Kühlschrank gut eine Stunde ruhen.
  • Die Springform muss gefettet und gemehlt werden.
  • Nach der Ruhezeit knetet ihr die Teigkugel auf einer gut bemehlten Arbeitsfläche nochmal kurz durch und rollt ihn mit dem Nudelholz auf die passende Größe aus. Legt die Springform damit aus und formt einen großzügigen Rand. Teigreste könnt ihr zu Keksen verarbeiten.
  • Heizt den Backofen auf circa 175°C Ober-/Unterhitze vor.

Füllung:

  • Zum Zerlassen der Butter nutze ich immer einen kleinen Topf. In der Mikrowelle passiert es mir sonst regelmäßig, dass ich die Zeit zu lange einstelle. Dann macht es irgendwann „Plopp!“ und die Butter ist in der ganzen Mikrowelle verteilt. Wenn ihr also die Mikrowelle nutzt – gut aufpassen.
  • Die flüssige Butter verrührt ihr mit Zucker, Quark, Eiern, Puddingpulver und Rum, bis eine glatte, cremige Masse entstanden ist.
  • Bestreut den Teigboden mit den gemahlenen Haselnüssen. Sie ziehen später Feuchtigkeit und verhindern, dass der Boden durch das Gelee eventuell zu matschig wird.
  • Das Quittengelee verteilt ihr gleichmäßig auf dem Teigboden, genauso wie die Quark-Vanille-Masse.

Streusel:

  • Zucker, Mehl und Zimt vermischt ihr gründlich in einer Schüssel. Auch hier wird die Butter zerlassen und dann zur Zimtmischung gegeben. Verrührt alles mit einem Löffel, bis die Masse schön krümelig ist.
  • Die Streusel verteilt ihr jetzt auf der Käsemasse, dann kann der Kuchen in den Ofen. Er wird etwa eine Stunde gebacken.
  • Wenn ihr das gute Stück aus dem Ofen nehmt, sollte die Oberfläche fest sein, aber darunter sollte die Masse noch gut „wabbeln“. Sie wird fest, wenn der Kuchen auskühlt.

Lasst eurem Herbstlichen Zupfkuchen Zeit dafür. Ich war – wieder einmal – zu ungeduldig, und die Seiten sind mir etwas nach außen weggesackt. Das stört den Geschmack zwar nicht, sieht aber auch nicht hübsch aus. Und treibt – bei mir jedenfalls – den Puls unnötig nach oben… 😉

Übrigens: Wenn ihr Quittengelee und Zimtstreusel weglasst, stattdessen 50 g Kakao in den Mürbeteig gebt, ihn etwas dünner ausrollt und die Teigreste als Streusel auf der Quarkmasse verteilt, habt ihr einen klassischen Russischen Zupfkuchen vor euch.

Extra-Tipp: Natürlich könnt ihr auch den feineren, französischen Mürbeteig nutzen, den ich euch bei der Apfel-Birnen-Tarte mit Zimt gezeigt habe.

Alles Liebe,

Veronika

>>> Mehr von unserer „… und wer isst das alles?“-Kolumne von Veronika Schier lesen.