Bokashi: Antworten auf die wichtigsten Fragen

Hochwertigen Dünger in der Küche herstellen, das geht mit Bokashi. Eine Expertin für Küchenbokashi gibt Antworten auf alle Fragen rund um die Bokashi-Fermentierung.

Wer keinen Garten mit Komposthaufen hat, muss Erde und Dünger für Balkon- und Zimmerpflanzen teuer einkaufen. Wie schade, wenn Gemüsereste, Kerngehäuse und Brokkolistrunk im Müll landen. Aus Japan, dem Land, wo viele Menschen auf engstem Raum leben, kommt daher eine innovative Idee, wie sich in der kleinsten Küche Biomüll in Dünger umwandeln lässt – mithilfe von effektiven Mikroorganismen, die man den Abfällen hinzugibt. Unter Ausschluss von Sauerstoff entsteht das sogenannte Bokashi. Aber die Herstellung von Bokashi erfordert ein wenig Know-how und Erfahrung, wie ich bei meinem ersten Bokashiversuch feststellte. Die Fachexpertin für Küchenbokashi, Andrea de Moll, von der Gesellschaft zur Förderung regenerativer Mikroorganismen EM e.V. gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Bokashi-Herstellung:

Bokashi, das ist fermentierter Bioabfall. Wie entsteht daraus Dünger?

de Moll: Der Prozess ist ähnlich wie bei Sauerkraut. Die organischen Abfälle werden unter Luftausschluss fermentiert mithilfe von effektiven Mikroorganismen – das sind Milchsäurebakterien, Hefen und Photosynthese-Bakterien. Sie zersetzen bei der Fermentation die Zellwände des organischen Materials. Wird der fermentierte Bioabfall dann in die Erde gegeben, können die Bodenlebewesen das organische Material viel schneller zersetzen, so dass es innerhalb von maximal sechs Wochen zu Erde wird. Das Material ist so viel schneller pflanzenverfügbar als bei der gewöhnlichen Kompostierung.

Effektive Mikroorganismen haben die Fähigkeit, Schadstoffe aufzuspalten.

Andrea de Moll, EM e.V.

Was darf nicht in den Bokashi-Eimer?

de Moll: In den Bokashi-Eimer kann im Grunde alles an organischem Material. Im Gegensatz zum Kompost können mit Bokashi auch Fleisch und Milchprodukte verwertet werden. Auch Schalen von Zitrusfrüchten und Bananen, die gespritzt wurden, können in den Bokashieimer. Denn die effektiven Mikroorganismen haben die Fähigkeit, Schadstoffe aufzuspalten.

Dürfen Saucen und Suppen in den Bokashi-Eimer?

de Moll: Ich würde davon absehen, Suppen hineinzuschütten. Das Material sollte nicht zu flüssig sein. Es sollte einen Feuchtigkeitsgehalt von 30 Prozent nicht überschreiten. Das heißt, wenn man mit der Hand in das Material hineingreift und daraus einen Ball macht, sollte er kurz formstabil bleiben, bevor er auseinanderfällt. Ist der Bokashi mal zu feucht, kann man etwas Kleiepulver oder Haferflocken oder etwas Küchenkrepp hinzugeben, die die Feuchtigkeit binden.

Besser flüssiges EM oder Trocken-Ferment für Bokashi nutzen?

De Moll: Aus meiner Sicht ist flüssiges EM geeigneter, denn es lässt sich leichter in dem Material verteilen. Kommen die Mikroorganismen überall hin, sichern sie den Start der Fermentation zuverlässiger. Das Trockenferment nimmt Flüssigkeit auf und es entsteht weniger Bokashisaft. Beides zu verwenden ist meiner Ansicht nach nicht nötig.

Wie stark muss ich die Abfälle für Bokashi zerkleinern?

de Moll: Die Stücke sollten ungefähr eine Größe von einem Zwei-Euro-Stück haben.

Was mache ich falsch, wenn das Bokashi nach Erbrochenem riecht?

de Moll: Nach Erbrochenem sollte es nicht riechen. Es sollte säuerlich nach Sauerkraut riechen. Ein starker Geruch ist ein Zeichen, dass die Fermentation nicht hundertprozentig abläuft. Ein Grund kann sein, dass zu viel Sauerstoff an den Bokashi gekommen ist. Wichtig ist, dass man das Material zerkleinert und im Eimer gut zusammenpresst, damit sich keine Luft im Bokashi befindet. Außerdem sollte der Inhalt im Eimer abgedeckt werden, zum Beispiel mithilfe eines zweiten Siebs, das man mit Steinen beschwert.

Kann ich den Bokashi dann noch retten oder muss ich ihn entsorgen?

de Moll: Solange der Bokashi keine sichtbaren Anzeichen von Fäulnis zeigt, wie grünen oder schwarzen Schimmel, kann man den Inhalt auch bei strengem Geruch im Garten einsetzen. Beginnende Fäulnisprozesse lassen sich mithilfe einer ausreichenden Zugabe von effektiven Mikroorganismen unterbinden. Denn sie senken den pH-Wert in den sauren Bereich und verhindern die Vermehrung der Fäulnisbakterien.

Kann ich den stinkenden Bokashisaft noch verwenden?

de Moll: Grundsätzlich riecht Bokashisaft immer etwas mehr als der Bokashiinhalt. Sollte der Bokashisaft die typische gelb-braune Farbe haben, denke ich schon, dass der Bokashisaft im Giesswasser zum Düngen verwendet werden kann. Der Saft sollte aber stark mit Wasser verdünnt werden.

Bokashisaft und Flüssig-EM sollten nicht im Kühlschrank gelagert werden.

Andrea de Moll, EM e.V.

Auf meinem Bokashi ist weißer Schimmel. Ist er verdorben?

de Moll: Das ist kein Schimmel, das ist Kahm-Hefe. Das ist ein Zeichen, dass die Mikroorganismen ihre Arbeit machen. Diese Hefe entsteht meist am Übergang vom Bokashi zur Luft und ist völlig unbedenklich. Manchmal kann man auch im Bokashisaft Hefe in Form von weißen Flocken entdecken.

Wie oft kann ich meine Pflanzen mit Bokashisaft düngen?

de Moll: Der Bokashisaft sollte stark verdünnt werden, etwa 1 zu 100 bis 1000 je nach Pflanze. Starkzehrer wie Kürbis kann man in der Wachstumsperiode wöchentlich in einer Verdünnung 1 zu 100 düngen. Zimmerpflanzen kann man so alle zwei bis vier Wochen damit düngen.

Bokashisaft
Bokashisaft ist ein guter Flüssigdünger. © MyBears

Wie lange kann ich Bokashisaft aufbewahren?

de Moll: Am besten ist es, wenn man den Bokashisaft sofort verwendet, denn er verliert schnell an Qualität. Der Saft sollte auf jeden Fall luftdicht abgeschlossen und vor Licht geschützt gelagert werden. Stellt man ihn in den Kühlschrank, schränken die enthaltenen Milchsäurebakterien ihre Arbeit ein und sterben innerhalb von zwei Wochen ab. Sie arbeiten am besten im Temperaturbereich von 18 bis 22°C. Auch das EM sollte nicht im Kühlschrank gelagert werden. Steht der Bokashisaft gut verschlossen bei Raumtemperatur, kann er ungeöffnet bis zu 6 Monate gelagert werden.

EM und Ferment kosten Geld. Gibt es günstigere Alternativen?

de Moll: Alternativen wie Sauerkrautsaft oder Molke sind nicht mit Flüssig-EM vergleichbar. Was das EM auszeichnet, ist eine bestimmte Mikroben-Kombination von Hefen, Milchsäure- und Photosynthesebakterien. Die arbeiten im Team besonders effektiv. In Molke oder Sauerkrautsaft sind zum Beispiel keine Photosynthese-Bakterien.

Kann ich Bokashisaft statt EM als Ferment verwenden?

de Moll: Ich würde Bokashisaft nicht als Ersatz verwenden. Es mag eine gewisse Zeit funktionieren, aber wenn irgendwann unerwünschte Prozesse entstehen, verstärken sich diese durch die Zugabe des Bokashisafts. Die Wahrscheinlichkeit, dass das irgendwann nicht mehr funktioniert, steigt mit der Zeit.

Wie lange ist EM haltbar?

de Moll: In der Regel sollte man das EM nach Öffnung innerhalb von 4 Monaten aufbrauchen. Es wird danach nicht schlecht, aber die Aktivität der Mikroorganismen lässt dann nach. Man sollte das EM nicht im Kühlschrank aufbewahren, denn den enthaltenen Milchsäurebakterien ist es dort zu kalt.

Wieviel Zeit habe ich, um den Bokashieimer zu füllen?

de Moll: Im Grunde kann man sich so viel Zeit lassen, wie man braucht, um den Bokashieimer zu füllen. Solange keine Luft an das organische Material kommt, machen die Mikroorganismen weiter ihre Arbeit. Nach der letzten frischen Schicht sollte der Bokashi nochmal zwei Wochen ruhen.

Wenn ich keinen Garten habe, wie kann ich Bokashi vererden?

de Moll: Eine Möglichkeit ist, die Erde vom Vorjahr aufzuwerten, indem man Bokashi und Erde schichtweise im Verhältnis von 1 zu 1 in einen Eimer gibt und mit EM-Wasser-Gemisch anfeuchtet. Das Ganze sollte dann mindestens zwei Wochen stehen, bevor man den Inhalt als Komposterde einsetzen kann. Sollten größere Stücke verblieben sein, macht das nichts.

Die zweite Möglichkeit ist: Man nimmt einen Blumentopf und bedeckt den Boden mit einer Schicht Erde. Dann kommt eine Schicht Bokashi und dann wieder eine Schicht Erde. Und darauf topft man dann die Pflanze ein und gießt sie mit einem EM-Wasser-Gemisch an. Bis die Pflanze mit ihren Wurzeln an das Bokashi kommt, hat sich der pH-Wert bereits ausreichend erhöht. Die letzte Schicht Erde sollte aber mindestens 5 cm dick sein.

Was ist der Unterschied zwischen Bokashi und Kompost?

de Moll: In einem Komposthaufen entsteht teilweise große Hitze. Damit gehen die wärmeempfindlichen Nährstoffe des Ausgangsmaterials verloren. Kompost bleibt oft auch zu lange liegen und verliert mit der Zeit seine Düngewirkung. Beim Kompost geht auch mehr Masse verloren. Wenn man das gleiche Material einmal als Kompost und einmal als Bokashi lagert, hat man am Ende beim Bokashi deutlich mehr Material und vor allem pflanzenverfügbare Nährstoffe übrig. Abgesehen davon kann man mit Bokashi auch ohne Garten und Komposthaufen aus Bioabfällen Dünger herstellen. Und der Prozess der Düngerherstellung ist deutlich schneller als beim Kompost.

Interviewpartnerin: Andrea de Moll, Gesellschaft zur Förderung regenerativer Mikroorganismen EM e.V.; Kontakt: info@emev.de