Mistelzweige zum Knutschen: Die sagenumwobenen Halbschmarotzer

Mistelzweige sind eine beliebte Dekoration zur Weihnachtszeit und sollen Verliebten Glück bringen. Die immergrünen Ästchen wachsen kugelförmig als Halbschmarotzer auf Gehölzen mit weicher Rinde.

Andere Namen für Misteln sind Albranken, Druidenfuß, Wintergrün und Hexenbesen. Gerade letzter ist nicht verwunderlich, wenn man schaut, wie viele Sagen und Mythen sich um Mistelzweige drehen.

Mistelzweige: Ausflug in die Botanik

Die Mistel umfasst drei Unterarten, die sich äußerlich sehr ähneln, aber bei ihren Wirtsbäumen Unterschieden machen:

  • Kiefernmistel: wachsen nur auf Kiefern
  • Tannenmistel: wachsen nur auf Tannen
  • Laubholzmistel

Die Laubholzmistel ist die am weitesten verbreitetste Art. Sie gedeiht auf Obstbäumen, Weiden, Pappeln, Linden, Robinien und Ahorn. Eichen und Buchen meidet sie dagegen. Gerade in der Winterzeit, wenn die Wirtsbäume ihr Laub verlieren, fallen die grünen Mistelnester besonders auf.

In der Blüte stehen Misteln von Februar bis Mai. Die weiß-milchigen Beeren bilden sie im späten Herbst aus. Diese sind eine willkommene Nahrungsquelle für den ein oder anderen Vogel: Misteldrosseln und Seidenschwänzen bedienen sich gerne an ihnen und verteilen die Samen mit ihrem Kot auf potenziellen neuen Wirtsbäumen.

Misteln sind nicht unumstritten, schließlich stehlen sie ihren Wirten Wasser und Nährstoffe. Dafür treiben sie einen bis zu einem halben Meter tiefen Keil in das Gewebe des befallenden Baumes und zerstören dabei seine Zellwände. Dies kann zum Absterben des Wirtsbaumes führen.

Um Mistelzweige ranken viele Sagen und Mythen

Eine davon ist die nordische Göttersage um die Liebesgöttin Frigga und ihren Sohn Balder. Der böse Gott Loki drohte damit, Balder umzubringen. Frigga flehte jedes Tier und jede Pflanze an, ihren Sohn zu verschonen, nur die Mistel vergaß sie. Und so passierte es, dass Balder mit einer Pfeilspitze aus Misteln getötet wurde. Der Sage nach verwandelten sich die Tränen, die Frigga um ihren Sohn vergoss, zu den weißen Beeren des Mistelzweigs.

Nach drei Tag konnte Frigga ihren geliebten Balder zurück ins Leben holen. Ihre Freude darüber war so groß, dass sie jeden küsste, der unter dem Baum entlang ging, auf dem der Mistelzweig wuchs, der ihrem Sohn das Leben ausgehaucht hatte. Die unheilbringenden Misteln mussten Frigga versprechen, niemandem nunmehr Unheil zu bringen.

Für die Kelten galten Misteln als magische Pflanzen mit Zauberkräften und für die Germanen waren sie Glücksbringer zur Wintersonnenwende. Dieser Brauch wurde vermutlich von den Christen übernommen.

Vielleicht nicht ganz wahr, aber zumindest filmreif – Asterix & Obelix-Fans wissen jetzt Bescheid: Mistelzweige verheißen Glück, Stärke und Zauberkräfte. Für den Druiden Miraculix waren sie Hauptbestandteil seines gebrauten Zaubertrunks.

Der Kuss unter einem Mistelzweig – oh, wie romantisch

Darauf haben jetzt alle gewartet, schließlich ist er der bekannteste Brauch: der obligatorische Kuss unter einem Mistelzweig in der Weihnachtszeit.

Der Brauch sagt, dass sich ein Mädchen und ein Junge, die sich unter dem Zweig treffen, küssen dürfen. Je mehr weiße Beeren der Mistelzweig trägt, umso besser, denn sie gelten als „Kusskugeln“. Bei jedem Kuss wird eine abgepflückt. Der junge Herr darf seine Auserwählte so lange küssen, bis alle Mistelbeeren abgepflückt sind. Weiter heißt es, dass eine Frau den Kuss nicht ablehnen darf, ein Mann aber schon. Kommt niemand vorbei, der sie küsst, bleibt sie im kommenden Jahr ledig.

Diese Herangehensweise dürfte jetzt aber bitte auf das 21. Jahrhundert angepasst werden. Liebe Frauen, wer will schon jeden Dahergelaufenen küssen?

Mistelzweige als Dekotrend

Schon bevor der Tannenbaum zu Weihnachten Einzug in Häuser und Wohnungen hielt, war die Mistel hier bei uns in Mittel- und Nordeuropa angesagter Weihnachtsschmuck. Wie so vieles kam dieser Trend dann auch bei unseren vorangegangenen Generationen aus der Mode, aber vieles erlebt bekanntlich ein Revival – so auch der Mistelzweig.

Aufgehängte Mistelzweige mit roter Schleife
Im Türrahmen oder an der Wand sind Mistelzweige ein Hingucker in der Weihnachtszeit. © Franziska Wangelin

Mistelzweige gibt es auf Märkten und beim Floristen zu kaufen. Auch ein Blick in Kleinanzeigenportale kann sich lohnen. Hier bietet so manch mistelgeplagter Obstbaumbesitzer die Halbschmarotzer an und das sogar teilweise kostenlos. Wenn du beim Spaziergehen im Wald oder im Park Misteln entdeckst, darfst du dir auch welche mitnehmen – vorausgesetzt, dass du herankommst. Hier gilt die sogenannte Handstraußregel:

„Jeder darf (…) wild lebende Blumen, Gräser, Farne, Moose, Flechten, Früchte, Pilze, Tee- und Heilkräuter sowie Zweige wild lebender Pflanzen aus der Natur an Stellen, die keinem Betretungsverbot unterliegen, in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf pfleglich entnehmen und sich aneignen.“

Bundesnaturschutzgesetz, § 39 Absatz 3

Jetzt versiehst du die Mistelzweige nur noch mit einem roten Band oder einer Jutekordel und fertig ist der grüne Türschmuck. Auch als zierlicher Kranz um Kerzen oder Bestandteil von Gestecken sind Mistelzweige wunderschöne Hingucker.