Praxis-Test: Bokashi – Dünger aus Bioabfall

Biomüll im Handumdrehen in Dünger verwandeln. Das habe ich in meiner Küche ausprobiert. Meine Erfahrungen und Praxistipps für die Bokashi-Fermentierung.

Kartoffelschalen, Brokolistrunk, Kerngehäuse, säuberlich in Stücke schnitten – was aussieht wie Rohkostsalat geht in den großen schwarzen Eimer. Daraus soll Dünger für meine Balkonpflanzen werden. Und zwar mit Bokashi, einer Methode, die Japaner für Stadtmenschen erfunden haben, die keinen Garten und Komposthaufen haben. Das Wort Bokashi bedeutet „Fermentiertes Allerlei“.

Klingt nach eingelegten Gurken. Und das ist auch garnicht so weit weg davon: Die Bioabfälle werden mithilfe von Milchsäurebakterien, Hefen und Photosynthesebakterien fermentiert. Damit sollen sie schneller als bei der Kompostierung zu Humus werden, ganz ohne lästige Gerüche. Klingt erstmal gut. Aber wie alltagstauglich ist die Methode? Um das zu testen, habe ich mir das Bokashi-Starter-Set vom Hersteller Fairfox besorgt.

Hier mein Erfahrungsbericht:

Bokashi-Eimer
Für den Test nutzte ich das Bokashi-Starter-Set von Fairfox. © Katharina Krenn

Wie viel Aufwand ist Bokashi?

Deckel auf und rein damit! So einfach ist Bokashi leider nicht. Man muss die organischen Abfälle gut zerkleinern. Nicht größer als eine 2-Euro-Münze sollten die Stücke sein, empfiehlt die Expertin für Küchenbokashi, Andrea de Moll. Außerdem sollte man die Abfälle separat sammeln, damit man den Eimer nicht zu oft öffnen muss. Ich verwende dafür eine verschließbare Tupperbox. Diese sollte man immer wieder reinigen, denn es darf kein Schimmel entstehen.

Auch beim Befüllen gilt es einiges zu beachten. Jede Füllung muss schön gleichmäßig im Eimer verteilt, mit flüssigem Ferment besprüht und mit trockenem Ferment bestreut werden. Dann muss das ganze gut zusammengepresst werden, damit keine Zwischenräume im Bokashi bleiben. Man macht sich dabei gerne mal die Hände und sogar die Arme schmutzig. Manche Hersteller liefern eine Kelle aus Plastik zum Verdichten mit.

Bokashi Biomüll kleingeschnitten in Tupperdose gesammelt
Es empfiehlt sich, die Bioabfälle zu sammeln. © Katharina Krenn

Igitt! Fäule im Bokashi!

Da die Effektiven Mikroorganismen (EM) nur unter Ausschluss von Sauerstoff gut arbeiten, sollte so wenig Luft wie möglich an den Bokashi – sonst entsteht Fäulnis. Und das, kann ich aus Erfahrung sagen, riecht nicht gut. Nach gut einer Woche schlägt mir beim Öffnen des Eimers ein penetranter Gestank entgegen, als hätte jemand in den Eimer erbrochen – ein Zeichen, dass Fäulnisbakterien am Werk sind, wie ich erfahre. Es ist wohl zu viel Sauerstoff an den Bokashiinhalt gekommen.

Das Problem: Man muss den Inhalt im Eimer separat abdecken. Aber wie? Im Starter-Set war kein Zubehör zum Abdecken im Inneren. Im Internet finden sich alle möglichen DIY-Bokashi-Abdeckungs-Ideen. Ich versuche es mit einem Bienenwachstuch, das den Inhalt möglichst luftdicht abdecken soll. Das hineingefaltete Tuch beschwere ich mit einer Schieferplatte.

Mindestens so wichtig wie die Zugabe des Ferments, in dem sich die erwünschten Mikroorganismen befinden, ist es, die Abfälle im Eimer gut zu verdichten, sodass keine Luftlöcher bleiben und die Flüssigkeit in das Sammelreservoir des Eimers abfließen kann. Nachdem also in meinem Bokashi scheinbar Fäulnisbakterien aktiv sind, zerkleinere ich die Abfälle stärker und sprühe eine Extraportion EM-Flüssigkeit.

Bokashi Blick in den Eimer von oben am Küchenboden
Fermentiertes Allerlei © Katharina Krenn

Wie stark stinkt Bokashi?

Bokashi riecht säuerlich und ist sicher nichts für jeden. Oft wird der Geruch mit Sauerkraut verglichen, aber ich finde, dass er einen unverkennbaren Eigengeruch ähnlich Maissilage (Kraftfutter für Kühe) hat. Sobald Fäulnisbakterien ins Spiel kommen, wird es richtig unangenehm. Man erkennt das an dem Geruch nach Erbrochenem.

Trotz beginnender Fäule (sichtbare Anzeichen wie Schimmel gab es nicht) habe ich den Bokashi-Eimer weiter gefüllt. Der Geruch wurde weniger, nachdem ich mehr EM verwendete und den Inhalt besser verdichtet habe. Der Bokashi-Saft riecht auf jeden Fall intensiver als das fermentierte Allerlei. Daher sah ich davon ab, meine Zimmerpflanzen damit zu düngen. Auch wenn der Saft stark riecht, sei er aber nicht unbedingt schlecht und könne weiter stark verdünnt als Flüssigdünger eingesetzt werden, beruhigt mich Andrea de Moll, Expertin für Küchenbokashi von der Gesellschaft zur Förderung regenerativer Mikroorganismen EM e.V.

Grundsätzlich riecht Bokashisaft immer etwas mehr als der Bokashiinhalt.

Andrea de Moll, EM e.V.

Bokashisaft als Dünger

Nach 5 Tagen öffnete ich das erste Mal den Zapfhahn des Bokashi-Eimers. Es flossen zirka 50 ml Bokashisaft heraus. In der bräunlichen Flüssigkeit schwammen weiße Hefeflocken. Nach einer Woche floß deutlich mehr Flüssigkeit. Ich habe ab diesem Zeitpunkt alle drei Tage Bokashisaft abgelassen. Damit alles an Flüssigkeit herausfließt, habe ich den Eimer beim Abzapfen am Ende immer leicht schräg gehalten. Einige Male kam deutlich mehr Bokashisaft heraus als die mitgelieferte Plastiktasse (150 ml) auffangen kann. Daher verwendete ich ab dem Zeitpunkt ein Marmeladenglas.

Das Gute daran: Damit lässt sich der Flüssigdünger geruchsfrei aufbewahren, denn der Bokashisaft riecht deutlich strenger als das Bokashi im Eimer. Allerdings machte ich anfangs den Fehler, dass ich den Bokashisaft in den Kühlschrank stellte. Warum das schlecht ist und wie lange man den Saft aufbewahren kann, erfahrt ihr im Interview mit Andrea de Moll. Jedenfalls dankten mir meine Balkontomaten und Erdbeeren die Düngergabe mit reichlich Fruchtansatz. Auch mein Hibiskus blühte kräftig nach dem Bokashi-Wasser.

Für das Sammeln des Bokashisafts habe ich ein Marmeladenglas verwendet. © Katharina Krenn

Was kostet ein Bokashi-Set?

Einen Bokashi-Eimer mit Ferment gibt es ab 50 Euro. Eingefleischte Bokashi-Fans haben meist zwei Eimer. So kann, während der eine Behälter für die finale Fermentierung ruht, ein weiterer befüllt werden. Wer sich noch nicht ganz sicher ist, sollte das Ganze erstmal mit einem Eimer testen, sonst hat man am Ende mehr Müll produziert als vermieden. Ich komme gut mit einem Eimer aus, da ich nicht das gesamte Jahr Bokashi und Dünger produzieren möchte.

  • 1 l EM-Lösung Effektive Mikroorganismen ca. 5 bis 10 Euro
  • 1 kg Bokashi-EM-Ferment ca. 7 bis 10 Euro (man braucht pro Eimerfüllung etwa 20 Gramm)

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Bokashi EM und Ferment
Für die Fermentierung gibt es flüssiges und trockenes Ferment im Handel. © Katharina Krenn

Meine Erfahrung mit Bokashi

Ich bin ehrlich: Bokashi ist mit etwas Aufwand verbunden. Und es erfordert etwas Fingerspitzengefühl für die Handhabung und eine gewisse Geruchstoleranz. Ein Vorteil gegenüber Biomüll ist, dass sich im Bokashi-Eimer keine lästigen Fruchtfliegenschwärme bilden. Ich würde aber das nächste Mal zu einem kleineren Eimer greifen. Für einen Single wie mich füllte sich der 19-Liter-Eimer nur sehr langsam.

Der Bokashisaft als Flüssigdüngerzugabe hat meinen Balkonpflanzen sichtbar gutgetan. Meine Tomaten und Erdbeeren dankten es mir mit reicher Ernte. Auch der Hibiskus blühte kräftig nach der Düngergabe.

Kauft man die Zutaten allerdings teuer ein, spart man nicht wirklich Geld. Berechnet man die Kosten für Trockenferment und Effektive Mikroorganismen kommt man auf 8 bis 10 Euro pro Eimerfüllung. Nicht viel weniger zahlt man im Handel für 40 l Komposterde. Laut Expertin für Küchenbokashi reicht jedoch die Zugabe von Flüssig-EM aus. Das Trockenferment kann man also getrost weglassen. Das reduziert die Kosten auf 5 Euro pro Eimer.

Fazit: Trotz des Aufwands wird das nicht mein letzter Bokashi sein. Der erste geht in mein neu gebautes Hochbeet in meinem Schrebergarten. Ich möchte versuchen mithilfe von Holzkohle Terra Preta aus Bokashi herzustellen. Wenn das klappt, steht einer reichen Hochbeeternte nächstes Jahr nichts mehr im Wege. Der nächste Bokashi ist für meine Balkonpflanzen. Nach der Ernte meines Balkongemüses möchte ich die alte Erde im Balkonkasten mit Bokashi beleben, da spare ich mir den aufwendigen Erdwechsel im Frühjahr.

Meine Praxistipps für Bokashi-Anfänger

  1. Zerkleinerte Abfälle in verschließbarer Tupperbox sammeln.
  2. Abwaschbare Plastikabdeckung für den Bokashi-Inhalt nutzen.
  3. Bei starkem Geruch, mehr Flüssig-EM sprühen und eine Handvoll Gesteinsmehl einstreuen.
  4. Verschließbares Weckglas für Bokashisaft verwenden.
  5. Beim Abzapfen des Bokashisafts, gegen Ende den Eimer leicht schräg halten, um alles auszugießen.
  6. Nicht zu feuchtes Gut einfüllen oder mit trockenem Füllgut (z. B. Haferflocken) kombinieren.

Bokashi ist nichts für dich? Wie wäre es mit einer Wurmkiste?