Rezept: Zitronenkuchen

Der erste Kuchen im neuen Jahr sollte leicht und einfach sein: Veronika backt hier bevorzugt einen leckeren Zitronenkuchen und sinniert über Neujahrsvorsätze.

Schon seit langem starte ich mein persönliches Backjahr mit einem der einfachsten Kuchen überhaupt: Zitronenkuchen. Einfache Zubereitung, bekannter Geschmack, keine Experimente. Warum? Genau deswegen. Man weiß, was man kriegt.

Die Advents- und Weihnachtszeit bis zu Heilige Drei Könige strotzt nur so vor satten Aromen, schweren Düften und üppigen Geschmäckern. Da ist die Weihnachtsgans mit ihren Festtagsbratenkollegen, da gibt es viel Zimt, Glühwein- und Punschgewürze, kräftige Lebkuchen, vanillesüße Plätzchen, aromatische Fondue-Brühe.

Immer der Erste

Kurz: Reizüberflutung für Gaumen und Nase, fast am Fließband. Versteh mich nicht falsch: Ich genieße jede einzelne Völlerei bis in letzte. Ich liebe Weihnachten gerade wegen seiner Üppigkeit. Aber nach dem 6. Januar ist dann auch wieder gut. Dann brauch ich Pause von Aufwand und Tamtam und Überfluss. Keine Sorge. Es kommt jetzt kein Diätvorsatz oder der Vorschlag, doch mal auf Kuchen und Süßes zu verzichten. Gott bewahre! Dann hätte ich ja keine Kolumne mehr.

Gute Vorsätze? Naja.

Um ehrlich zu sein, hab ich das mit den guten Vorsätzen zum Jahreswechsel nie so richtig verstanden. Denn im Prinzip ändert sich nichts. Außer einer Zahl, wenn wir das Datum schreiben. Ja, ich weiß, viele nutzen dieses äußerliche Detail als Anlass für eine Veränderung im persönlichen Leben. Und fast genauso viele sind spätestens Mitte Februar wieder da, wo sie vorher waren. Der „alte Trott“ ist stark. Gewohnheiten lassen sich selten dauerhaft per Datumsanzeige verändern.

Der Klassiker ist, „mehr Sport“ zu machen. Ich war nie sportlich. Kein Verein, Bundesjugendspiele waren mir ein Graus. Ich habe nie die Erfahrung gemacht, dass Sport mir etwas gibt, außer demütigender Versuche, vor den Augen der ganzen Klasse diesen verfluchten Federball zu treffen. Bis ich vor einigen Jahren auf Reha war. Dort war Sport ein wichtiger Teil des Tagesplans.

Und plötzlich hab ich gemerkt: Hey, das tut wirklich gut. Da verändert sich was. Und: Ich bin gar nicht so ungeschickt, wenn man mir das Passende anbietet.

Danach hab ich angefangen zu joggen und mich im Fitnessstudio angemeldet (und bin auch hingegangen!). Seitdem bin ich – mal mehr, mal weniger – mehrfach pro Woche in Bewegung. Eine Veränderung muss in unserem Inneren beginnen, ehe wir sie nach außen tragen können. Nur dann ist der Wunsch, etwas zu verändern, natürlich gewachsen und nicht von außen aufgepfropft. Und nur dann hat diese Veränderung überhaupt eine Chance, nachhaltig und dauerhaft zu sein. Und die Veränderung muss zu uns passen. Würde ich den Vorsatz fassen, weniger oder gar nicht mehr zu backen, wüsste ich von Vornherein, dass ich scheitere.

Das Backen bleibt

An meinem Backverhalten wird sich also auch im neuen Jahr nichts ändern – und falls doch, hat das sicher nichts mit der Jahreszahl zu tun. Natürlich könnte ich jetzt ganz toll modern „zuckerfrei“, kalorienarm und was-weiß-ich-wie backen. Möchte ich aber nicht. Ich mag meine Kuchen so, wie sie sind. Und heute mag ich Zitronenkuchen. Genau so, wie ich ihn als Kind schon mochte. Mit einer Tasse Tee oder heißer Schokolade.

Und das tollste am Zitronenkuchen ist: Er lässt sich ganz leicht verändern – ganz ohne Vorsätze! Bei dem Rezept handelt es sich nämlich um einen Rührkuchen. Und der ist so variabel, wie du das haben möchtest. Keine Lust auf Zitrone? Lass den Abrieb weg, gib Kakao dazu und Schokostückchen oder Rosinen, fertig ist der Schokokuchen. Mit Rotwein statt Milch (ja, das kann man 1:1 ersetzen) wird ein saftiger Rotweinkuchen draus. Auch nicht gut? Bittermandelaroma und Rosinen sind auch eine tolle Kombination. Und so weiter. Die Variationen enden, wo dein Mut zum Experiment aufhört.

Zitronenkuchen mit Puderzucker bestäubt auf einem Tortenteller aus Schiefer auf einem hellen Holztisch.
Leicht und lecker: ein Zitronenkuchen. © Veronika Schier

Rezept: Zitronenkuchen

Arbeitszeit 1 Std. 30 Min.

Equipment

  •  Guglhupf- oder Kastenform
  • Holzstäbchen für Stäbchenprobe

Zutaten
  

  • 250 g  weiche Butter
  • 275 g Zucker
  • 1 Päckchen Vanillezucker 
  • 500 g Mehl
  • 4 Eier Größe M
  • 1 Prise Salz
  • 1 Päckchen Backpulver
  • 125 ml Milch
  • 1 Päckchen Zitronenabrieb Den bekommt man in Bio-Qualität in der Backabteilung.
  • Butter und Mehl für die Form

Optional

  • gefriergetrocknete Himbeeren, Zitronensaft, Puderzucker

Anleitungen

  • Heize den Backofen auf 160°C Ober-/Unterhitze vor.
  • Schneide die Butter in Stückchen und verrühre sie mit Zucker und Vanillezucker, bis eine cremige Masse entstanden ist. Das kann mehrere Minuten dauern. Lass den Zutaten dafür Zeit. Wenn du eine Küchenmaschine hast, bereite in der Zwischenzeit alle anderen Zutaten vor. Wenn du mit einem Handrührer arbeitest, brauchst du etwas Geduld. Denn das Geheimnis hinter einem Rührkuchen ist – rühren, rühren, rühren. Je länger, desto fluffiger wird er am Ende.
  • Füge Eier und Rum hinzu. Ich schlage die Eier immer einzeln in einer Tasse auf, ehe ich sie in die Rührschüssel gebe. Das mache ich, seit mir einmal ein großes Stück Eierschale in den Teig gefallen ist und von der Küchenmaschine gleich ordentlich verteilt wurde.
  • Gib Mehl, Backpulver und Salz hinzu und vermenge alles gründlich, so dass es keine Mehlklümpchen mehr gibt.
  • Zum Schluss kommt noch die Milch hinzu und wird ebenfalls gründlich mit der Masse verrührt. Der Teig hat die richtige Konsistenz, wenn er „leicht reißend vom Löffel fällt“: Zieh den Rührhaken aus der Schüssel. Die Masse sollte am Haken hängen, aber langsam wieder nach unten fallen. Wenn der Teig zu fest ist und nicht zurückfällt, gib noch einen kleinen Schluck Milch hinzu und mach den Test nochmal. Ist der Teig zu flüssig, hilft ein Esslöffel Mehl.
  • Ich hab dieses Mal noch gefriergetrocknete Himbeeren unter den Teig gehoben. Das ist kein Muss, aber ich hatte sie da und sie mussten weg. Du kannst sie natürlich weglassen. Oder durch Rosinen oder Schokostücke oder oder oder setzen. Guck einfach, was der Vorratsschrank so hergibt.
  • Fette und Mehle deine Backform gründlich und füll den Teig gleichmäßig und glatt ein.
  • Der Kuchen braucht etwa 1 Stunde im vorgeheizten Backofen.
  • Vergiss die Stäbchenprobe nicht, ehe du das gute Stück aus dem Ofen nimmst: Holzspießchen in den Kuchen stecken, rausziehen. Wenn noch Teig dranklebt, braucht er noch Zeit. Wenn nicht, ist dein Kuchen fertig!
  • Da wir keine Freunde von Zuckerguss sind, bestäube ich den Zitronenkuchen nach dem Auskühlen immer nur mit etwas Puderzucker.
  • Für Zuckerguss vermischst du Zitronensaft mit Puderzucker, bis eine dickflüssige Masse entsteht, und bestreichst den Kuchen damit.

Ein paar Gedanken zum Zitronenabrieb und Rum-Aroma

Ich bevorzuge tatsächlich den Abrieb aus der Tüte, da mir das Abschaben der frischen Frucht zu fummelig ist und ich oft keine Verwendung für die restliche Zitrone habe. Wenn du lieber frischen Abrieb nutzt, achte unbedingt darauf, dass die Zitrone Bio-Qualität hat und den Vermerk „Schale zum Verzehr geeignet“ trägt. Ehe du sie nutzt, wasch sie gründlich mit heißem Wasser ab. Die übrige Frucht kannst du auspressen und den Saft für Zuckerguss verwenden.

Um den Rum brauchst du dir übrigens keine Sorgen zu machen, auch wenn Kinder oder Schwangere den Kuchen essen werden: die Menge ist, auf den ganzen Kuchen gerechnet, sehr gering. Außerdem verdampft der Alkohol durch die lange Backzeit und die hohe Temperatur. So bleibt zwar der abrundende Rumgeschmack erhalten, der Alkohol ist aber deutlich unter 0,5 % (eine reife Banane enthält bis zu 1 %). Solltest du dennoch Bedenken haben, kannst du stattdessen natürlich Rumaroma nutzen.

Alles Liebe,

Veronika

>>> Mehr von unserer „… und wer isst das alles?“-Kolumne von Veronika Schier lesen.