Rezept: Kürbisguglhupf zum Warmwerden und Dahinschmelzen

Meckern ist für viele Menschen ihr Lieblingszeitvertreib. Dabei könnten wir die Zeit doch auch zum Backen und Genießen nutzen – einen Weg zu mehr Entspannung bietet dieser Kürbisguglhupf.

Übers Wetter schimpfen – nur Small Talk?

In den sozialen Medien kursieren immer wieder spaßige Sprüche, wie schön es wäre, wenn das Wetter im Jahr aufgeteilt wäre. Und zwar in zwei Wochen hübsches Schneegestöber Ende Dezember. Und den Rest des Jahres wahlweise 25 oder 35 Grad bei Sonnenschein.

Natürlich ist mir bewusst, dass das nicht so ganz ernst gemeint ist. Und doch habe ich unter Freunden, Bekannten und Kollegen immer mehr Leute, die sich beschweren, wenn es im Sommer mal mehrere Tage regnet und wenn es im Mai nicht sofort laue 23 Grad hat. Oder wenn der Herbst manchmal gräulich und matschig ist. Ich habe für solche Meckereien tatsächlich wenig Verständnis.

Vielleicht liegt es an meiner Herkunft als Dorfkind. Zwar bin ich nicht auf einem Bauernhof aufgewachsen, sondern als „Häusler“, dennoch wurde mir mitgegeben, wie wichtig der Sommerregen ist, ebenso der Wechsel der Jahreszeiten. Wenn ich aber bei Diskussionen um schlechtes Wetter auf den Bedarf der Natur verweise, darauf, dass uns gerade die Jahreszeiten eine Vielfalt an Früchten rund ums Jahr bescheren, ernte ich oft genug Kopfschütteln oder Augenverdrehen. Daraus schließe ich, dass sich manche nicht nur aus Small-Talk-Gründen übers Wetter beschweren. Sondern, dass sie das wirklich so empfinden. Und kein Verständnis (mehr?) für den Sinn dieses Kreislaufs haben. Dass der feine Spargel, den sie im Mai verzehren, nur wegen dem Wechsel der Jahreszeiten gedeihen kann. Und die wärmende Kürbissuppe nun mal nur der Herbst möglich macht. Abgesehen davon, dass sie bei andauerndem Hochsommer wahrscheinlich nicht schmecken würde.

Ärger kostet zu viel Energie

Ich halte mich da lieber an den Münchner Komiker Karl Valentin: „Ich freue mich, wenn es regnet. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.“ Warum Energie darauf verwenden, mich über Dinge zu ärgern, die ich nicht ändern kann? Warum nicht vielleicht sogar die schönen Seiten daran sehen? Und wenn das mal nicht geht – anpassen. Natürlich stand ich auch schon grummelnd im Regenschauer an der S-Bahn-Haltestelle. Nachdem letzten Mal hab ich mir umgehend einen ultraleichten Miniregenschirm zugelegt, der nun meine Handtasche nicht mehr verlässt.

Das gilt natürlich nicht nur für Ärger über Regen. Oft genug verschwenden wir wertvolle Energie, Zeit und Gedanken daran, uns über Dinge aufzuregen, die wir nicht ändern können. Und da gibt es jeden Tag sehr viele. Die Öffis fahren nicht so zuverlässig, wie wir das gerne hätten. Die Kommentare auf Instagram sind unverschämt oder doof oder irrational. Diese eine TV- oder Radiowerbung ist so unendlich nervig. Und ab September stehen schon die Lebkuchen in den Regalen und Halloween ist doch auch so eine amerikanische Modeerscheinung, was soll das bei uns überhaupt und… und, und.

All diese Dinge können wir nicht beeinflussen. Unseren Umgang damit aber schon. Klar kann man sich ärgern, über all diese Dinge. Das ist wichtig, wir müssen auch schimpfen und mal grummelig sein. Und manchmal will man sich in eine blöde Situation reinsteigern, den Frust darüber rauslassen. Wir brauchen diese Ventile.

Positiv denken! Klingt doof, aber mit Kürbisguglhupf geht’s ganz leicht

Aber solche Dinge sollten keinen kostenlosen Daueraufenthalt in unserem Kopf haben. Das macht uns blind für Schöneres und für andere Blickwinkel. Niemand zwingt uns, die Lebkuchen im September zu kaufen. Was stören sie uns also, wenn sie einfach nur rumstehen – und anderen vielleicht schon eine Freude machen? Gleiches gilt für Halloween. Wir können es einfach ignorieren. Oder sogar ein paar Kleinigkeiten bereitlegen und uns mit den Nachbarskindern freuen.

Wenn es das nächste Mal also ein Wochenende verregnet und der geplante Ausflug deswegen nicht stattfinden kann – ärgern wir uns. Kurz. Und suchen dann nach einer Alternative. Gibt es vielleicht ein Museum, das wir schon lange einmal besichtigen wollten? Oder wäre das vielleicht die Gelegenheit für einen längst fälligen Familienbesuch? Und vielleicht schnappen wir uns unsere Gummistiefel, packen uns gut ein und machen einen Herbstspaziergang. Wieder daheim gibt es dann eine heiße Dusche und Essen vom Lieblingslieferservice.

Und wenn wir vor dem Spaziergang noch Zeit gefunden haben, meinen Kürbisguglhupf in den Ofen zu schieben, duftet die Wohnung sogar ganz wunderbar nach Gewürzen. Und wir können uns Regentag mit Kuchen versüßen.

Beim nächsten Nervmoment gilt also: Nicht ärgern. Umdenken 😉.

Ich verwende in der Küche eigentlich immer Hokkaidokürbisse. Die sind einerseits sehr praktisch. Im Vergleich zu anderen Kürbissen ist ihre Schale nämlich so dünn, dass sie mitverarbeitet werden kann. Man spart sich das Schälen. Aber natürlich könnt ihr auch jede andere Sorte Speisekürbis für diesen feinen Guglhupf verwenden.

Kürbisguglhupf

Zutaten
  

  • 600 g Kürbis
  • 300 g Butter
  • 4 Eier
  • 300 g Zucker
  • 2 Päckchen Vanillezucker
  • 600 g Mehl
  • 1,5 Päckchen Backpulver
  • etwa 1 EL Gewürze: zum Beispiel Kardamom, Zimt, Anis, Muskat oder fertiges Lebkuchengewürz

Anleitungen

  • Zunächst muss der Kürbis entkernt (und eventuell geschält)werden. Schneidet ihn dann in etwa zwei bis vier Zentimeter große Stücke. Gebt die Würfel in einen Topf und bedeckt sie knapp mit Wasser. Nun wird der Kürbis in rund zehn Minuten weichgekocht. Gießt das Wasser ab, gebt die Butter in Stücke geschnitten dazu und püriert alles miteinander.
  • Der Backofen wird auf 180°C Umluft (160° Ober-/Unterhitze)vorgeheizt.
  • Die Eier werden nun mit dem Zucker und dem Vanillezuckerschaumig aufgeschlagen. Lasst euch Zeit damit, bis die Masse wirklich cremig und sehr hellgelb ist.
  • In einer Schüssel vermischt ihr Mehl, Backpulver und die Gewürze. Diese könnt ihr ganz nach eurem Geschmack hinzufügen. Hier könnt ihr euch gerne ausprobieren. Und natürlich könnt ihr die Gewürzmenge je nach Jahreszeit anpassen: im Frühherbst mag es mancher vielleicht noch nicht ganz so weihnachtsgewürzig wie etwa Ende November.
  • Rührt die Mehlmischung gründlich unter die Eiermasse. Zum Schluss kommt noch das Kürbispüree hinzu.
  • Nun fettet und mehlt ihr eine Guglhupfform gründlich, schon kommt der Teig in die Form und für etwa 60 Minuten auf der mittleren Schiene in den Backofen.
    Wenn er euch zu dunkel wird, deckt ihn nach etwa 30 Minuten mit Alufolie oder Backpapier ab.
  • Macht am Ende der Backzeit eine Stäbchenprobe: Nehmt ein Schaschlikstäbchen aus Holz und stecht an verschiedenen Stellen in den Kuchen. Ist das Stäbchen sauber, ist der Kuchen durchgebacken. Hängt noch etwas Teig am Stäbchen, braucht der Kuchen noch Zeit. Geht dann zunächst in Schritten von fünf Minuten mit der Backzeit hoch, bis der Kuchen durch ist. Die Stäbchenprobe ist übrigens immer hilfreich.
  • Wenn das Stäbchen also sauber und der Kürbsguglhupfdurchgebacken ist, nehmt ihr ihn aus dem Ofen und lasst ihn kurz in der Formauskühlen. Stürzt ihn dann auf ein Platte und bestäubt ihn mit Puderzucker.

Vanillezucker selbst machen

  • Vanillezuckerkönnt ihr ganz einfach selber machen: Wenn ihr das nächste Mal Vanilleschotenverarbeitet, könnt ihr die ausgekratzten Schoten in eine luftdichte Dose legen und mit normalem Zucker bedecken. Die Vanille gibt ihr Aroma schnell an den Zucker ab.
  • Wenn ihr ihn kauft, achtet auf den Unterschied in den Bezeichnungen: „Vanillezucker“ ist mit echter Vanille hergestellt und deutlich teurer als „Vanillinzucker“, der seinen Geschmack durch künstliche Aromen erhält.
Kürbisguglhupf angeschnitten auf einer Platte mit Puderzucker
Kürbisse gehören seit eh und je zum Herbst dazu. Habt ihr schon mal ein süßes Rezept mit Kürbissen ausprobiert? © Veronika Schier

Sehr lecker dazu passt übrigens ein Klecks frische Sahne mit Zimt. Oder eine Tasse heiße Schokolade, ein Chai Latte oder frisch aufgebrühter Schwarztee. Was auch immer euch wärmt nach einem winddurchzausten Herbstspaziergang. Dann schmeckt der Kürbisguglhupf nämlich am besten.

Alles Liebe,
Veronika