Der Mond im September: Schlaflos bei Vollmond

Astro-Fans wissen, was es bedeutet, wenn der Vollmond im September aufgeht. Dann nämlich steht er im Zeichen Fische, das über die Träume und den Schlaf regiert. Dass der Vollmond uns generell auch den Schlaf rauben kann, haben Forscher aus Washington nachgewiesen.

Es gibt ein Land, in dem ist alles möglich. In dem ist alles erlaubt. Dort kann ich fliegen, wohin ich will. Ich kann abtauchen, so tief ich will – ohne dass mir die Luft wegbleibt. Ich kann mich in einen Löwen verwandeln oder in eine Maus, ich kann die schwierigsten Wände hochklettern und anschließend auf den Wolken surfen.

Dieses Land findet man auf keiner Karte und in keinem Weltatlas. Obwohl es doch so nah ist – für alle erreichbar, aber nie für jeden dasselbe. Seit ich denken kann, ist das Träumeland mein zweites Zuhause. Es gibt mir Kraft und eröffnet mir erfrischend andere Perspektiven auf meine alltägliche Realität. Als Kind gab es allerdings auch Zeiten, in denen ich mich davor gefürchtet habe, abzutauchen in diese andere Welt, in der sich nicht nur die verwegendsten Wünsche erfüllen, sondern in der auch die schrecklichsten Monster lauern.

Der Mond im September steht im Zeichen der Träume

Warum ich euch ausgerechnet jetzt davon erzähle? Der Vollmond im September steht im Zeichen Fische. In der Astrologie steht dieses Zeichen für die Qualität der Träume, aber auch der Stille und der Verbindung mit dem (kollektiven) Unbewussten. Bei all dem fleißigen Sammeln und Ernten und Einkochen und Haltbarmachen, das den Alltag von Landwirten und Gartenfreunden im September – im Herbstmond – bestimmt, tut so ein nächtliches Stillhalten richtig gut! Falls es denn geht …

Denn für manche ist der Vollmond mehr Fluch als Segen: Erhellt er die Nacht, dann hilft kein Vorhang, keine Jalousie. Mondfühlige wälzen sich schlaflos von der einen Seite auf die andere und sind am nächsten Morgen so gerädert, dass sie jeden gewöhnlichen Morgenmuffel in den Schatten stellen. Selbst wer sich immun gegen das Mondlicht glaubt, wird davon beeinflusst.

Bei Vollmond schlafen wir kürzer und weniger tief  

Das ist zumindest das Ergebnis einer neuen Studie (veröffentlicht im März 2021), bei der Wissenschaftler der Universität Washington den Einfluss des Mondes auf das menschliche Schlafverhalten untersucht haben. Sie stellten fest, dass die Menschen an den Abenden vor Vollmond später ins Bett gehen und weniger schlafen als in Neumondnächten. Diejenigen Studienteilnehmer, die komplett ohne Strom und damit ohne elektrisches Licht lebten, schliefen in Vollmond-Nächten durchschnittlich 25 Minuten weniger als in dunklen Neumondnächten. Aber selbst die Probanden aus der Millionen-Metropole Seattle, reagierten auf den Vollmond und gingen dann durchschnittlich elf Minuten später ins Bett.

Dass wir bei Vollmond nicht nur kürzer, sondern auch weniger tief schlafen, hat der Schweizer Chronobiologe Christian Cajochen schon 2013 herausgefunden. Seine Versuchspersonen taten sich vor und zu Vollmond schwerer mit dem Einschlafen und schliefen weniger tief, was die Forscher mittels Hirnstrommessungen feststellten. Während der Vollmondnächte sank bei ihnen auch der Melatonin-Spiegel; eines der Hormone, die den Schlaf- und Wachrhythmus steuern. Die Zirbeldrüse in unserem Gehirn produziert nur dann Melatonin, wenn es dunkel ist – in Vollmondnächten entsprechend weniger. Deshalb ist es auch nicht gerade förderlich, wenn wir abends noch vor der Flimmerkiste oder vor dem Computer sitzen, denn sie strahlen vor allem Licht im blauwelligen Bereich ab, das dem Tageslicht gleicht und dadurch unsere Melatonin-Produktion hemmt.

Der Mond im September: den eigenen Gefühlen näher, aber auch mehr emotionaler Zündstoff?

Soweit zur wissenschaftlichen Erklärung. Meine – vermutlich recht unwissenschaftliche – Theorie ist, dass das Mondlicht die Tagwelt und das Träumeland näher zusammenrücken lässt. Dadurch, dass wir nicht so tief schlafen, träumen wir mehr. Und weil wir zwischendrin öfter mal aufwachen, bleiben die Träume besser in unserem Bewusstsein haften. Die Schwelle zwischen Bewusstsein und Unbewusstem ist also viel niedriger, sodass beide Welten sich untereinander sehr viel mehr austauschen als sonst. Im besten Fall komme ich in dieser Zeit meinen Gefühlen näher und kann die Dinge aus einem ganz neuen Blickwinkel betrachten. Manchmal fehlt mir dann aber auch die Nüchternheit und Sachlichkeit, was Konflikte nicht unbedingt einfacher macht. Gut, dass die Romantik eines Vollmond-Abends die erhitzten Gemüter auch schnell wieder versöhnlich stimmen kann. 

Die Kraft des Vollmondes im September wächst rasant

Im Gegensatz zum Vollmond im Hochsommer – der spät aufgeht und so tief und kurz über den Horizont wandert, dass er kaum auffällt – lässt sich der Mond im September nicht mehr ignorieren. Volle zwölf Stunden dauert die Nacht dann schon, und ebenso lange zieht unser voll erleuchteter Erdtrabant am 21. September über unsere Köpfe hinweg. Sein Licht muss sich nicht mehr so schräg durch zahlreiche Atmosphärenschichten kämpfen, wo es gebrochen wird und dann nurmehr als zart rötlicher Schein bei uns ankommt. Der Mond im September strahlt bereits sehr kraftvoll auf uns herunter. Diese Kraft wird im Herbst weiter wachsen und schließlich zur Wintersonnwende die volle Intensität erreichen. Von daher ist das, was der Fische-Vollmond an Traumkräften schickt, nur ein Vorgeschmack auf die winterlichen Raunächte …

Tipps zum Beobachten vom Mond im September

Eigentlich müsste doch alles so schön ausgeglichen sein zum Äquinoktium, wie die Tagundnachtgleiche am 22. September lateinisch heißt. Tag und Nacht sind dann mit etwa 12 Stunden gleich lang. Und wenn die Sonne im Westen untergeht, steigt im Osten auch schon der Vollmond auf (von 20. auf 21. September). Doch wenn die Dimension der Zeit ins Spiel kommt, gerät die Harmonie beträchtlich ins Schwanken. Denn die Bahnen der beiden sinken bzw. steigen Mitte September so rasant wie sonst nur zur Frühlings-Tagundnachtgleiche. 

Beobachtet mal, wo Sonne und Mond rund um die Tagundnachtgleiche auf- bzw. untergehen: Im Vergleich zu einem Monat zuvor wandert die Sonne nun jeden Tag ein viel größeres Stück weiter gen Süden! Im selben rasanten Tempo, wie die Sonnenbahn täglich sinkt, steigt die Bahn des Vollmondes rund um die Tagundnachtgleiche an. Diese Kräfte – die schwindende wie die aufwärts strebende – können sich jetzt bemerkbar machen in unserem Leben: in den Träumen wie auch in den Emotionen oder im Handeln.

Tipp: Mond-Milch zum Einschlafen

Mond-Milch, eine ayurvedische Spezialität, ist das Pendant zur warmen Milch mit Honig, die wir als Kinder hin und wieder zum Einschlafen bekamen. Nur dass die ayurvedische Mond-Milch auf Gewürze setzt, die wunderbar beruhigend und auf ganz natürlicher Basis wirken. Maca, Rosenwurz, Reishi und Ashwagandha sind sogenannte Adaptogene, die die Widerstandsfähigkeit gegen Stressfaktoren erhöhen und die körpereigenen Selbstheilungskräfte aktivieren. Kaufen kann man diese Gewürze – oder eine fertige Moon Milk-Mischung – im Reformhaus.

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