Achtsamkeits-Trend: Wie Waldbaden Stress abbaut

Der Wald als Erholungsort ist nicht neu. Doch immer mehr Menschen gehen jetzt zum Baden in den Wald. Warum Waldmedizin so gesund ist und wie Waldbaden auch ohne Wald funktioniert.

Bei jedem Schritt gibt der weiche Waldboden nach. Die Luft riecht nach Moos und harzigen Fichtentrieben. In der Ferne klopft ein Specht. Wer mit allen Sinnen in die Natur des Waldes eintaucht, spürt schnell, wie sich Körper und Geist entspannen. Der Stress fällt ab wie bei einem warmen Entspannungsbad. Japanische Ärzte wissen das schon länger. Deshalb verschreiben sie ihren Patienten Waldbäder als Anti-Stress-Therapie, auf japanisch Shinrin Yoku genannt. Auch hierzulande wird Waldbaden immer mehr zum Wellness-Trend – nicht ohne Grund, denn der gesundheitliche Nutzen dieser Achtsamkeitspraxis ist überraschend hoch.

Unterschied zwischen Waldbaden und Waldspaziergang

Frau entspannt sich in der Natur
Eine kleine Meditation zu Beginn hilft ganz im Wald anzukommen. (c) Nikolovski – adobe.stock.com

Waldbaden ist nicht einfach ein Spaziergang im Wald. Auch Joggen und Nordic Walking hat nichts mit Waldbaden zu tun. Wie beim Baden im Wasser geht es darum, sich ohne Ziel und Leistungsdruck treiben zu lassen und sich ganz im Element zu spüren. Es ist eine Form der Achtsamkeitspraxis, bei der es darum geht, die Wahrnehmung auf das Naturerlebnis, auf den gegenwärtigen Moment zu lenken. Mit diesen fünf Tipps gelingt das Waldbaden:

  1. Abschalten: Schalte nicht nur dein Handy, sondern auch das Gedankenkarussell aus. Mein Tipp: Hänge zu Beginn gedanklich den Alltag wie einen Mantel an einem Baum auf.
  2. Achtsamkeit: Komme gedanklich an im Hier und Jetzt und nehme bewusst wahr, was um dich herum ist. Gehe in Stille und aktiviere deine Sinne.
  3. Atmen: Achte auf eine bewusste Bauchatmung. Mache zu Beginn drei tiefe Atemzüge und atme dabei lange aus.
  4. Entschleunigen: Bewege dich in einem gemächlichen Schritttempo ohne konkretes Ziel. Spüre den Boden unter den Füßen und lasse dich treiben.
  5. Sinne schärfen: Konzentriere dich jeweils auf einen deiner Sinne: Was kannst du hören, riechen, spüren? Betrachte zum Beispiel die Rinde eines Baumes, berühre sie, rieche an ihr.
Frau berührt einen Baum
Beim Waldbaden sollten alle Sinne angesprochen werden. © LoloStock – stock.adobe.com

Warum ist Waldbaden so gesund?

Seit Jahrzehnten untersuchen japanische Wissenschaftler die Wirkung des Waldes auf die menschliche Gesundheit. Ihre Untersuchungen haben gezeigt, dass sich schon nach einem kurzen Waldaufenthalt von 15 Minuten Puls und Blutdruck normalisieren und der Spiegel an Stresshormonen sinkt.

Insbesondere Studien des japanischen Waldmedizin-Forschers Qing Li belegen, dass gewisse Botenstoffe in der Waldluft das Immunsystem stärken. Für eine Studie schickte der Wissenschaftler zwölf Stadtmenschen einen Tag lang in den Wald. Eine Blutanalyse der Testpersonen zeigte, dass sich die Anzahl der Killerzellen um fast 40 Prozent erhöht hat im Vergleich vor dem Waldaufenthalt. Killerzellen bekämpfen Viren und können sograr Krebszellen erkennen und zerstören. Mehr Infos findest du beim Institut für Waldmedizin von Qing Li.

Zur nachhaltigen Stärkung des Immunsystems empfehle ich zwei Waldtage pro Monat.

Qing Li, Wissenschaftler
Barfuß auf dem Waldboden
Ohne Schuhe lässt sich besser Waldbaden. © Halfpoint – stock.adobe.com

7 Gründe für Waldbaden

Neben viel Sauerstoff enthält die Waldluft besondere Boten- und Duftstoffe, sogenannten Terpene. Bäume produzieren diese Stoffe vor allem, um Pilze und Schädlinge abzuwehren. Diese Terpene werden über die Haut, die Nase und Lunge aufgenommen und wirken sich positiv auf unser Gesundheitssystem aus. Das Immunsystem wird gestärkt und das Nervensystem beruhigt, denn das Waldbad:

  • regeneriert die Atemwege und verbessert die Lungenkapazität
  • senkt den Cortisolspiegel (Stresshormon),
  • beruhigt unser Nervensystem (Parasympathikus),
  • fördert die Ausschüttung von Glückshormonen wie Serotonin,
  • stärkt das Immunsystem,
  • erhöht die Anzahl an Killerzellen,
  • und wirkt ausgleichend auf Blutdruck und Puls.

Geht Waldbaden auch in der Stadt?

Wer keinen Wald in der Nähe hat, muss nicht unbedingt auf „Waldmedizin“ verzichten. Garten– oder Parkbaden funktioniert ähnlich gut. Die Luft enthält vielleicht nicht ganz so viele gesunde Botenstoffe, aber wer achtsam entschleunigt und bewusst den Fokus auf das Erleben in der Natur legt, kann damit seinen Stresspegel senken und das Wohlbefinden steigern. Denn Studien zeigen auch, allein der regelmäßige Anblick von Grün, Bäumen und Pflanzen tut der Gesundheit gut. Wer jedoch einen richtigen Immunbooster haben möchte, sollte öfter mal einen Ausflug in ein Wäldchen machen.